In einer Welt, die sich ständig verändert, gibt es Dinge, die unverändert bleiben – und der uigurische Doppa ist eines davon. Er ist nicht nur eine traditionelle Kopfbedeckung, sondern ein Symbol der uigurischen Kultur, das Geschichte, Ästhetik und spirituelle Werte vereint. Jedes Muster, jede Stickerei erzählt von der Harmonie zwischen Mensch, Erde und Himmel und spiegelt das kulturelle Gedächtnis der Uiguren wider.

Archäologische Funde belegen, dass Vorformen des heutigen Doppa bereits im frühen Mittelalter existierten. Das älteste bekannte Stück stammt aus dem 9.–10. Jahrhundert aus Hotan (auf Uigurisch خوتەن), während in Kasachstan Doppa aus dem 15.–16. Jahrhundert gefunden wurden, insbesondere aus dem Gebiet des östlichen Jetisu. Diese frühen Exemplare zeigen Motive wie bakma hotun (Blumenmuster) und badem (mandelförmiges Symbol), die bis heute ihre Bedeutung bewahrt haben.

Im 19. Jahrhundert begannen deutsche Forscher, zahlreiche uigurische Doppa zu sammeln. Diese Stücke sind heute in Museen in Berlin, Leipzig, Tübingen und München zu finden. Besonders prägend waren die Studien über Symbole und Sticktechniken, die die wissenschaftliche Grundlage für spätere Forschungen bildeten. Albert Grünwedel, ein deutscher Tibetologe und Archäologe, nahm 1899 an einer russischen archäologischen Expedition teil, die von Wassili Radlow und Karl Salemann geleitet wurde, und erforschte den Norden der Provinz Xinjiang des Chinesischen Kaiserreiches.

Zwischen 1902 und 1903 leitete er die erste deutsche Expedition nach Turfan, und 1905–1907 führte er die dritte Expedition, deren Ergebnisse in dem Reisebericht „Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch-Turkistan“ veröffentlicht wurden. Dort beschrieb er auch die Kleidung der Uiguren und die Kopfbedeckungen, wenn auch ohne detaillierte Angaben zu einzelnen Doppa.

Uigurische ethnografische Wissenschaftler betonen bis heute, dass „in der Komposition des uigurischen Doppa die alte Idee vom Gleichgewicht zwischen Himmel, Erde und Mensch lebt“ und dass „uigurische Stickereien nicht nur Schmuck sind, sondern sie sind auch eine Sprache, die man fühlen kann.“

Unterschiedliche regionale Stile

Die Vielfalt des Doppa zeigt sich besonders in den regionalen Stilen. In Kaschgar sind die Doppa rund und weich, verziert mit badem, gül (Blumen) und Weinranken, meist in Rot, Grün und Dunkelblau, oft mit dichten Stickereien und Perlen bestickt. Hotan hingegen zeichnet sich durch etwas höhere Doppa aus, deren Motive lange uzun badem und yipäk çöçek (Seidenblumen) darstellen, die in Farben wie Gold, Bernstein oder Bordeaux gehalten sind und mit feiner Seidenstickerei ausgeführt werden.

In Turpan (Turfan) sind die Doppa quadratisch und streng symmetrisch, schwarz mit weißer Stickerei, häufig mit Sternen (yultuz) und geometrischen Mustern versehen. Doppa aus dem Ili-Gebiet wirken hingegen leicht und elegant, mit verflochtenen Blumenmotiven in hellen Tönen, während in Scharkent bunte Blumen, Perlen und Metallic-Fäden dominieren. In Aksu findet sich das Spiralmotiv (aylama örnäk), das Bewegung symbolisiert, in Kucha sind es Rauten und alte Verflechtungen mit oguz-karlukischem Ursprung, und in Chərchən wiederum sind es kettenartige Linien (chin), die die Verbindung über Generationen darstellen.

Die Motive der Doppa tragen tiefgreifende Bedeutungen. Badem steht für Leben, Anfang und Schutz, gül für Schönheit und Harmonie, yalpi gül symbolisiert die Stärke der Familie, yipäk çöçek Feinheit und Reinheit, yultuz Schutz des Himmels, aylama örnäk Ewigkeit und Zeit, chin Tradition und Verbindung und toghra qarakoz Schutz und Weisheit.

Besonders auffällig ist die Kaschgarer „kadaq doppa“, eine einfarbige Samtkappe mit hoher, konischer Krone aus vier Keilen und breitem Rand, gesteppt mit feinen Stickereien und oft zusätzlich mit kadaq-Verzierungen aus geschnitztem Silber, das wiederum mit Einlagen aus Türkis, Glas oder Korallen verziert wird. Der untere Rand war häufig mit einem geflochtenen Band mit geometrischem Muster versehen, wodurch jede Doppa zu einem einzigartigen Kunstwerk wurde.

Doppa der Männer und Frauen

Der männliche Doppa symbolisiert Disziplin, Ehre (Er namusi) und Tradition. Im Gegensatz zum weiblichen Doppa ist er geometrisch, meist quadratisch, und strenger in Form und Dekoration, um Stabilität und Gradlinigkeit auszudrücken. Typische Motive sind die Rombe, ein Symbol für Verantwortung und die Fähigkeit, das Haus zu halten, yultuz für Klarheit des Geistes und den richtigen Lebensweg, baskuch für Wachstum und Erfahrung, chiyiz yolu als Schutzzeichen des Lebenswegs und qoshaq (Rand) für Ordnung, Selbstkontrolle und moralische Integrität.

Farben wie Schwarz für Ernsthaftigkeit, Dunkelgrün für Wissen, Weiß für Ehrlichkeit und Dunkelrot für Stärke unterstreichen die symbolische Bedeutung. Seltene Männer-Doppa wie Adray doppa aus Kaschgar, der von Gelehrten getragen wird, Oguznak doppa aus Turpan mit sehr alten Schutzmotiven, Yili padagi doppa mit flachem Filzoberteil, festliche Chepchek doppa oder sogar männliche Perlen-Doppa (Chochaqliq doppa) zeigen historische Motive oder besondere Statussymbole und sind heute hauptsächlich in Museen zu finden.

Der uigurische Doppa unterscheidet sich von anderen Kopfbedeckungen der Turkvölker durch seine quadratische, niedrige und minimalistische Form, meist in Schwarz-Weiß, während andere Hüte oft höher, runder und stärker dekoriert sind. Diese geometrische Klarheit macht ihn zu einer der „grafischsten“ und intellektuellsten Kopfbedeckungen bei den Turkvölkern. Heute bleibt er ein lebendiges kulturelles Erbe, Teil der traditionellen Trachten, Souvenir für Touristen, Schmuck für Cafés oder Alltagskleidung älterer Männer.

Doppa als Exponate

Trotz seiner Präsenz in Museen ist die Doppa außerhalb Chinas noch kaum wissenschaftlich erforscht. In Kasachstan finden sich Doppa des 19.–20. Jahrhunderts in den Sammlungen der Museen von Almaty und von Ostkasachstan, vor allem aus den Regionen Ili und Kaschgar, darunter seltene Seiden-Doppa mit feiner weißer Glattstich-Stickerei.

In Deutschland befinden sie sich im Museum für Asiatische Kunst Berlin, im Ethnologischen Museum Berlin und im Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main. Die ältesten Prototypen auf dem Gebiet des heutigen Xinjiang stammen aus dem 10.–12. Jahrhundert und zeigen geometrische Muster, die die Grundlage der modernen Männer-Doppa bilden.

Rund 50 Arten uigurischer Doppa sind bekannt, darunter chiman doppa, basan doppa, shapaq doppa, gilyam doppa, marjan doppa, altun kadaq doppa, tatilla doppa, chong marjan doppa, tekay doppa, pahta doppa oder tor doppa. Die Bezeichnung „Doppa“ stammt aus dem Alt-Uigurischen und bedeutet in etwa „Top bar“, während im Türkischen die ähnliche Formulierung „Toplum var“ auf sprachliche Ähnlichkeiten hinweist. Nur bei den Uiguren spielt das Motiv yultuz (Stern) eine zentrale Rolle. Der Internationale Tag des Doppa wird seit 2009 am 5. Mai gefeiert.

Einbindung von Schmuckelementen

Auch Schmuck spielte eine wichtige Rolle. Turanische Frauen (Frauen einer bestimmten uigurischen bäuerlichen/ansässigen Gruppe im historischen Xinjiang Anm. d. Red) trugen manchmal Schmuck an Tubeteikas und Mützen. Das altun kadaq bestand aus vier dreieckigen und sechzehn kleinen rechteckigen oder ovalen, dünn gestanzten Gold- oder vergoldeten Platten, manchmal mit Granateinlagen. Die dreieckigen Teile wurden auf die vier Keile der Tubeteika genäht, die rechteckigen in Reihen entlang des Randes. Zusätzlich befestigten uigurische Frauen aus Gulja eine silberne Nadel (gül) auf der einfarbigen Samt-Tubeteika, deren Oberteil aus mehreren Blütenplatten bestand und von der zwei dünne Drähte abgingen – einer endete in einem Metallblatt, der andere in einem „Schmetterling“, der beim Gehen zitterte.

Die Stickerei der Doppa wurde meist aus Seide gefertigt, mit Techniken wie Plattstich, Kreuzstich oder Tambour (Kettenstich). Besonders das Badem-Motiv gilt als rätselhaft: Es kann einen jungen Mond, einen Säugling im Mutterleib oder einen Baum mit Mandelfrüchten darstellen. Jede Familie besaß mindestens einen Doppa, wodurch die Kopfbedeckung nicht nur dekorativ, sondern auch ein Symbol von Familie, Status und kultureller Identität war.

Der uigurische Doppa ist somit ein kleines Kunstwerk, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Seine Ornamente erzählen von Harmonie, Familie, Weltordnung und spirituellen Werten. Er ist ein Symbol von Selbstachtung, ein lebendiges Erbe und ein Ausdruck der Feinheit und Tiefe der uigurischen Zivilisation. Trotz der bestehenden Sammlungen in Zentralasien und Europa bleibt der Doppa ein Bereich, der einer weiteren systematischen Erforschung bedarf.

Rukhsara Seitova

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