Eindrücke vom ersten internationalen Skatturnier in Zentralasien

Almaty war im Laufe der Jahrzehnte schon Hauptstadt von vielem: Hauptstadt der Kasachischen SSR (als Alma-Ata), Hauptstadt der unabhängigen Republik Kasachstan (bis 1998), Hauptstadt der Äpfel. Noch heute sprechen viele Lokalpatrioten und Liebhaber der Metropole von der „Hauptstadt des Südens“. Am vergangenen Samstag nun avancierte es für einige Stunden zur Hauptstadt des Lieblingskartenspiels der Deutschen in Zentralasien – als Austragungsort des ersten Skatturniers in der Region.

Zu verdanken ist das einer Hand von Freunden des Traditionsspiels um Marek Gryglewicz, der am Goethe-Institut Kasachstan als Leiter der Sprachabteilung arbeitet und sich in seiner Freizeit mit anderen Skatliebhabern regelmäßig zum Spielen trifft. Durch längere berufliche Aufenthalte in (Süd-) Ostasien und unzählige private Reisen in die dortigen Länder wurde Marek auf Skatturniere aufmerksam, die deutsche Expat-Gemeinschaften dort schon seit vielen Jahren veranstalten. Sie bieten den Teilnehmern nicht nur die Möglichkeit, ihr Lieblingsspiel mit anderen zu spielen, sondern auch zu reisen, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen und berufliche Netzwerke zu knüpfen.

In Zentralasien gab es einen solchen Brauch lange Zeit nicht, und die Skatbrüder aus der Apfelstadt beschlossen, diesen Mangel zu beheben. Einige Monate lang wurde kräftig die Werbetrommel gerührt für das Turnier, das schließlich im Shakespeare Pub in der Dostyk-Allee stattfand – einem seit Jahrzehnten bei Expats besonders beliebten Treffpunkt. Tradition trifft auf Tradition.

Teilnehmer reisen aus vielen Ländern an

Dass alles einmal klein anfängt, erlebten dann auch die Organisatoren des ersten Skatturniers in Zentralasien. Am vergangenen Wochenende konnten sie insgesamt 13 Teilnehmer begrüßen – eine recht kleine Menge im Vergleich zu den 40 bis 60 Skatfans, die sich seit über zehn Jahren zu den großen Turnieren in Ost- und Südostasien einfinden. Doch die Vielzahl der Länder, aus denen die Gäste anreisten – China, Deutschland, Italien, Japan, Kambodscha, Malaysia und Singapur – beeindruckte umso mehr. Und dass einige von ihnen noch von ihren Familien begleitet und unterstützt wurden, ließ die Zusammenkunft noch farbenfroher erscheinen.

Für die meisten Turnierteilnehmer war es die erste Reise nach Kasachstan. Und für viele wohl nicht die letzte. Von Ausflügen zu den Naturschönheiten des Landes (Charyn Canyon, Kolsaj-Seen, Kaindy-See) über seine vielseitige Kultur und Küche, die legendäre kasachische Gastfreundschaft bis hin zu den Verlockungen des Almatiner Nachtlebens bot das größte Land der Region den Gästen ein facettenreiches Repertoire an Erlebnissen.

Begeistert von der Gastfreundschaft

Andreas Kirschner aus Tokio, der bei dem Turnier souverän den ersten Platz holte, zeigte sich begeistert von der Zentralasien-Erfahrung: „In so einer wunderschönen Stadt mit seiner ganz besonderen Atmosphäre alte und neue Freunde zum Skatspiel zu treffen, und als Rahmenprogramm mit ihnen gemeinsam das Land und seine Leute zu erkunden, ist in jedem Fall den langen Anflug wert.“

Andreas ist langjähriger Mitspieler der Asien Masters, die seit 2012 in den großen Metropolen Ost- und Südostasiens ausgetragen werden. Zusammen mit anderen Turnieren kommt er auf rund 80 Teilnahmen. Dass es in Almaty etwas beschaulicher zuging als in den asiatischen Hotspots, störte den Profiskater überhaupt nicht: „Ich finde kleinere Turniere in den weniger frequentierten Reiseorten sehr interessant, und da ich schon seit langem einmal Kasachstan besuchen wollte, hat mich Almaty als Spielort für ein Skatturnier besonders interessiert. Ich hoffe, es gibt auch in der Zukunft wieder ein Turnier in Almaty, zu dem ich gerne wiederkomme, um meinen Titel zu verteidigen.“

Auch der Hauptorganisator zeigte sich mit dem Resultat der wochenlangen Vorbereitungen zufrieden: „Das erste internationale Skatturnier in Almaty war ein voller Erfolg“, schwärmte Marek Gryglewicz nach der Verabschiedung der alten und neuen Freunde. „Die Atmosphäre war großartig, die Partien hochklassig und sogar das Wetter hat mitgespielt. Die meisten Mitspieler waren zum ersten Mal in Kasachstan und total begeistert von der Gastfreundschaft der Menschen und dem guten Essen. Als Veranstalter kann man sich kein besseres Ergebnis wünschen!“

Christoph Strauch

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