Dass die Realisierung von Großprojekten etwas länger dauert, kennt man in Deutschland. Dazu genügt ein Blick auf den Berliner (Nicht-)Flughafen BER oder die Hamburger Elbphilharmonie. In Kasachstan ist die Metro in Almaty ein Beispiel für so ein Großprojekt. Bereits zur Sowjetzeit geplant, begann der Bau 1988. Nach mehr als 23 Jahren Bauzeit wurde die Metro 2011 mit sieben Stationen eröffnet. Mittlerweile wurden zwei weitere Stationen eröffnet, sodass die Gesamtlänge der Linie 1 11,3 Kilometer beträgt.

Eine Verlängerung dieser ersten Linie ist geplant ebenso wie zwei weitere Linien. Von der Station „Rayimbek“, die das eine Ende der Linie ist, zur Endhaltestelle „Moskau“ braucht man rund 30 Minuten. Die Züge fahren tagsüber alle 12 Minuten, wenn keine Spitzenzeiten sind.
Fährt man mit der Metro, fallen einem zunächst die Gestaltung der Bahnhöfe, die modernen und sauberen Züge sowie die Menschenleere auf. Wer schon einmal in Berlin oder London war, kennt die vollgestopften U-Bahnen, in denen man um jeden Sitzplatz kämpfen muss. Nicht so in Almaty. Zwar kann es zur Rush Hour auch eng werden in den Zügen, doch ist es noch lange nicht mit anderen Städten vergleichbar. Rund 18.000 Menschen nutzen im Schnitt täglich das Angebot der Metro.

Jede Metrostation wurde individuell gestaltet, der Vergleich zur Moskauer U-Bahn wird oft gezogen. Tatsächlich haben Stationen wie „Moskau“, „Baikonur“ oder „Abai“ einen hohen Wiedererkennungswert. In „Moskau“ hängen zum Beispiel Bilder vom Kreml, dem Roten Platz und dem weißen Haus. Die Station „Baikonur“ soll an das Innere eines Raumschiffs erinnern. Wer ein bisschen mehr Zeit in Almaty hat, dem sei empfohlen, Almaty unterirdisch zu entdecken. Mit umgerechnet 20 Cents für ein Ticket auch ein recht günstiges Vergnügen.

Othmara Glas ist seit Ende Mai in Almaty und wird für die kommenden zwei Monate bei der DAZ als Journalistin arbeiten.