Als erste Mannschaft aus Kasachstan steht Schachtjor Karaganda in den Play-offs der Champions League. Bei einem Erfolg in der nächsten Runde und etwas Losglück könnte es zu Gastspielen europäischer Top-Teams im Herzen Kasachstans kommen.

Für einen Sieg reichte es nicht im fernen Tirana, und dennoch lagen sich die Spieler von Schachtjor Karaganda nach dem Schlusspfiff in den Armen. Denn trotz einer knappen 2:3-Niederlage in der albanischen Hauptstadt erzielten die „Bergarbeiter“ aus Zentralkasachstan den bislang größten Erfolg einer kasachischen Vereinsmannschaft im europäischen Fußball. Dank eines klaren 3:0-Heimsiegs gegen den albanischen Meister Skënderbeu Korça gelang Schachtjor der Einzug in die Play-off-Runde der europäischen Champions League.

Dabei war es im Rückspiel in Tirana spannender geworden, als es sich die Anhänger von Karaganda erhofft hätten: Bereits  in der 9. Minute gingen die Albaner mit 1:0 in Führung, die sie durch zwei Strafstöße in der 20. und 29. Minute zum zwischenzeitlichen 3:0 ausbauten. Damit war der sichere Vorsprung aus dem Hinspiel nach weniger als einer halben Stunde dahingeschmolzen. Doch Karaganda kam noch vor der Pause zurück und verkürzte auf 1:3 aus Sicht der Gäste. Das war auch der Pausenstand, und da auswärts geschossene Tore bei Gleichstand den Ausschlag geben, hätte Skënderbeu nun in der zweiten Halbzeit noch zwei Tore zum Weiterkommen benötigt. Doch dazu sollte es nicht kommen: mit dem 2:3-Anschlusstreffer in der 67. Minute machte Karaganda alles klar.

Trommeln für die “Schachtler” (Archivbild).

Setzt sich Schachtjor nun in den Play-offs erneut durch, winkt der lukrative Einzug in die Gruppenphase der Champions League, was Spiele gegen europäische Top-Teams bedeuten würde. Abhängig vom Losglück könnten dann Mannschaften wie Bayern München oder Borussia Dortmund, FC Barcelona oder Real Madrid nach Kasachstan kommen.

Doch selbst bei einer Niederlage in den Play-offs könnte Schachtjor Karaganda immer noch in der Europa League der UEFA antreten – das gelang ebenfalls noch keinem kasachischen Verein zuvor. Und auch dies würde Gastspiele hochkarätiger europäischer Mannschaften in Karaganda bedeuten: Unter den Mannschaften aus Deutschland sind in der Europa League noch der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt und der SC Freiburg im Rennen, auch Schalke, das sich ebenfalls noch für die Champions League qualifizieren muss, ist ein möglicher Gegner.
Karagandas Weg in der europäischen Königsklasse hat in dieser Saison in Weißrussland begonnen, wo ein 1:0-Sieg gegen BATE Baryssau gelang. Auch das Rückspiel gegen den weißrussischen Rekordmeister entschieden die „Bergarbeiter“ mit 1:0 für sich. In der vergangenen Spielzeit hatte sich Karaganda nach seinem ersten Meisterschaftsgewinn in Kasachstan noch in der ersten Runde aus der Champions League verabschieden müssen, nachdem die Kräfte im Rückspiel gegen die tschechische Mannschaft FC Slovan Liberec nur reichten, um sich in die Verlängerung zu retten.

Der 1958 gegründete Verein Schachtjor Karaganda gehörte schon zu sowjetischen Zeiten zu den führenden kasachischen Fußballmannschaften. Bis zum Gewinn des ersten kasachischen Meistertitels dauerte es allerdings bis 2011, im darauffolgenden Jahr gelang die Titelverteidigung. Für den dritten nationalen Titelgewinn in Folge ist allerdings noch etwas Anstrengung vonnöten; derzeit belegt Schachtjor nur den dritten Platz hinter dem FK Aktobe und dem FK Astana.

Von Robert Kalimullin