Seit drei Jahren arbeitet Valentina Koschenowa in Almaty als Sozialarbeiterin für die Wiedergeburt und kümmert sich um die Bedürftigen der deutschen Minderheit. Sie ist Teil des Sozial- und Gesundheitsprogramms, das von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Zusammenarbeit mit den Wiedergeburten in Kasachstan durchgeführt wird.

/Bild: Valentina Koschenowa. ‘Großfamilien und Rentner stehen bei der Winterhilfe an erster Stelle.’/

Valentina Koschenowa arbeitet seit drei Jahren als Sozialarbeiterin.

Ihr Tag beginnt meist morgens um neun Uhr. Dann rufen die ersten Rentner an und fragen zum Beispiel, wie sie eine Förderung für eine neue Brille bekommen können. Seit drei Jahren arbeitet Valentina Koschenowa als Sozialarbeiterin für die Wiedergeburt in Almaty und hilft Deutschen, die bedürftig sind. Die meisten Leute, die zu ihr kommen, sind Rentner, Behinderte, Oberhäupter von Großfamilien oder Arbeitslose. Sie suchen bei Valentina Koschenowa Beratung oder materielle Hilfe. „Meistens ist es schon sehr hilfreich, wenn wir den Leuten und ihren Problemen zuhören und sie beraten. Viele ältere Menschen sind alleinstehend und brauchen einfach jemanden zum Reden, ein wenig Gesellschaft“, sagt die 56-Jährige.

Die finden sie in der sogenannten „Schule des dritten Alters“. Hier haben die Rentner die Möglichkeit auch außerhalb des Weihnachts- und Osterfestes zusammenzukommen, um gemeinsam zu singen oder bei einer Tasse Tee zu plaudern. Außerdem klärt Valentina Koschenowa ihre pensionierten Schüler über Veränderungen in der Sozialgesetzgebung auf, von denen diese betroffen sind. Dafür besucht sie selbst, wie die anderen kasachstanweit 19, aktiven Sozialarbeiter eine Schulung pro Jahr. Auch lädt sie Mitarbeiter des Departments für soziale Projekte zur „Schule des dritten Alters“ ein – so können die Deutschen ihre Fragen direkt an einen Vertreter der staatlichen Seite richten.

Gesundheit und Gemeinschaft

Wenn die Deutschen der älteren Generation nicht nur unter Einsamkeit leiden, sondern auch körperliche Probleme haben, kommen sie zu Elena Popowa. Sie koordiniert die Gesundheitsprojekte und Sozialarbeit für die deutsche Minderheit in Kasachstan von Almaty aus. Hinter ihrem Schreibtisch befindet sich in einem Schrank eine kleine Apotheke. „Diese Apotheke ermöglicht eine absolut kostenfreie medizinische Versorgung von Angehörigen der deutschen Minderheit“, sagt Elena Popowa.

Wenn der Kranke Mitglied einer Ortsgesellschaft der Deutschen sei und ein Rezept eines Arztes bei sich habe, so könne er in einer von acht humanitären Apotheken der sogenannten Sozialstationen kostenlos Medikamente und Beratung durch einen Arzt bekommen. Außerdem habe die Assoziation mit sieben kasachstanischen Kliniken einen Vertrag abgeschlossen, sodass auch bei ihnen Angehörige der deutschen Minderheit eine kostenlose medizinische Versorgung und Beratung in Anspruch nehmen könnten, so die 47-Jährige. Rollstühle und Ähnliches, was sonst noch benötigt wird, finanziert unter anderem der Deutsche Sozialfonds, der von ihr und fünf Beratern verwaltet wird.

In die Sozialstationen, die es unter anderem in Karaganda, Kostanai und Astana gibt, kommen Deutsche aus ärmeren Verhältnissen aber nicht nur, um gesundheitlich versorgt zu werden. In einer Art Mensa bekommen sie eine kostengünstige Mahlzeit. Zu den Menschen, die zu schwach sind, kommt dann das Essen auf Rädern. Die freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeiter richten auch Kinderlager im Sommer und jedes Jahr Anfang Dezember einen Sanatoriumsaufenthalt für ältere Menschen aus. „Wir haben jetzt 13 Leute für zehn Tage in die Berge in ein Sanatorium geschickt, wo sie Bäder nehmen, Massagen bekommen, gemeinsam singen, musizieren und entspannen können,“ sagt Valentina Koschenowa.

Ein Freiwilliger für 43 Bedürftige

Ein weiteres Projekt ist die Winterhilfe der Wiedergeburten. Mit deutschen Geldern wird Mehl, Zucker und Öl eingekauft, das dann von den Sozialarbeitern und freiwilligen Helfern verteilt wird. Allein in Almaty und angrenzenden Gebieten fuhren Valentina Koschenowa und ihre Helfer 12.912 Kilogramm Nahrungsmittel an 538 Menschen aus. „In Kaptschagai zum Beispiel war ein Freiwilliger für 43 Leute zuständig. Das ist eine Menge Arbeit“, sagt sie. An erster Stelle stünden bei der Winterhilfe deutsche Großfamilien und Rentner, aber man unterstütze beispielsweise auch die Witwe eines Deutschen, die selbst nicht zur Minderheit gehöre.
Eine solche Arbeit ist und bleibt ideell, denn bezahlt wird man als Freiwilliger gar nicht oder als Sozialarbeiter nur sehr schlecht – viel Geld ist leider nicht vorhanden. Valentina Koschenowa stört das nicht. Die Arbeit macht ihr Spaß, besonders wegen der Dankbarkeit der Leute. Eine Frau hat sogar ein kleines Dankesgedicht geschrieben nachdem ihr durch die Winterhilfe geholfen wurde. „Ich möchte der Winterhilfe Danke sagen. Durch sie hilft Gott den Menschen und das schon viele Jahre“, heißt es da. Für Valentina Koschenowa sind diese Worte viel mehr wert als Geld.

Von Vinzenz Greiner

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