Eine Studentengruppe aus Deutschland absolvierte einen Kasachisch-Kurs der besonderen Art: Unabhängig voneinander haben sich alle für den dreiwöchigen Intensiv-Sprachkurs an der Kasachischen Universität für Internationale Beziehungen und Weltsprachen „Abylai Chan“ beworben.

/Studenten aus Deutschland (Reihe vorn) lernen Kasachisch./

Der Kasachischkurs fand im Rahmen der Sommerschule „Kasachisch und Landeskunde in Almaty“ vom 14.09.2011 bis zum 03.10.2011 statt. Diese Veranstaltung wurde vom DAAD finanziert und bildete einen Teil des DAAD-Projekts „Go East 2011“. Diese Sommerschule wurde vom Zentralasien-Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin mit der freundlichen Unterstützung der Weltsprachen-Universität organisiert. Der 3. Oktober war letztendlich der Tag der Entscheidung: die 16 jungen Studenten legten nach wochenlangem Kasachisch-Lernen ihre Prüfungen ab.

Gulsum Massakowa, ihre Dozentin für Kasachisch, begleitete sie von Anfang an und lud die DAZ zum Interview ein. Gulsum ist Leiterin des Lektorats „Kasachisch und Kasachstan“ des Zentralasien-Seminars der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Lektorat „Kasachisch und Kasachstan“ wurde im Rahmen des Kasachstan-Jahrs in Deutschland 2009 und Deutschland-Jahres in Kasachstan 2011 gegründet.

In der „Weltsprachenuniversität“ traf DAZ die Studenten und befragte sie nach Motivation und Zukunftsplänen mit den neuen Sprachkenntnissen.

– – – Juna, 20, Uni Leipzig – – –

Warum lernst du gerade Kasachisch, was ist spannend an dieser Sprache?

Ich studiere Ethnologie in Leipzig, und zwar mit Spezialisierung auf Zentralasien. Deshalb war das für mich eine tolle Möglichkeit, eine zentralasiatische Sprache zu lernen. Außerdem wurde ich hier in Kasachstan geboren. Es war einfach für mich eine gute Gelegenheit, hierher zu fahren und die Sprache zu lernen.

Was ist für dich das Besondere an der kasachischen Sprache?

Kasachisch ist sehr kompliziert, ganz anders als die gängigen Fremdsprachen, die man kennt.

– – – Juri, 25, Kunsthochschule Berlin-Weißensee – – –

Könntest du dir vorstellen, einmal Kasachisch anzuwenden und später hierher nach Kasachstan zurückzukommen?

Womöglich, ich habe eigentlich sehr wenig mit Sprachen zu tun, hab auch lange keine mehr erlernt. Derzeit studiere ich Bildhauerei in Berlin und würde auch eventuell in Zentralasien später einmal arbeiten. Aber momentan ist es noch ungewiss, wohin mich das führen wird. Mit dem Grundkurs Kasachisch habe ich erst einmal eine Grundlage, das ist auf jeden Fall ausbaufähig…die Grundlagen sind da.

– – – Thomas, 27, Uni Marburg – – –

Was ist das Besondere für dich am Kasachischlernen, warum hast du gerade Kasachisch ausgesucht?

Ich hab mich um den Kasachischkurs beworben und wollte einfach mal nach Kasachstan gehen. Kasachisch ist eine recht schwere Sprache und nicht vergleichbar mit denen, die ich vorher schon gesprochen habe.

Sind deine Erwartungen erfüllt worden?

Ja, auf jeden Fall, es war sehr interessant! Ich hatte vorher nur wenig vom Land gewusst, aber jetzt habe ich sehr viel vom kasachischen Leben mitbekommen, von der Natur. Wir haben viel gesehen. Das fand ich spannend.

Würdest du vielleicht noch einmal beruflich wiederkommen nach Kasachstan?
Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Vielleicht in fünf oder zehn Jahren, um ein paar Touren durchs Land zu machen. Mich hat die Natur in Kasachstan sehr fasziniert. Ansonsten wäre es eher Zufall, wenn es mich doch beruflich hierher verschlägt.

– – – Natalie, 30, Uni Mainz – – –

Was ist für dich so Besonderes daran, Kasachisch zu lernen?

Ich habe hier in Almaty Kasachisch gelernt, weil ich für meine Doktorarbeit forsche, zum Thema Nationale Identität. Dazu gehören auch Interviews mit Menschen auf dem Land.
Da habe ich gedacht, es könnte sein, dass dort die Menschen kein Russisch wie in den Großstädten sprechen. Da könnte es ja nicht schaden, wenigstens eine Begrüßung auf Kasachisch hinzubekommen. Das habe ich jetzt gelernt, und das kann ich jetzt auch!

Was war schwierig am Kasachisch-Kurs?

Es ist eine Sprache, die gar nichts gemeinsam hat mit europäischen Sprachen, die man so kennt. Das heißt, man muss alles neu lernen, die Grammatik ist so komplett anders, es war einfach sehr viel.

Glaubst du, dass du Kasachisch später noch einmal gebrauchen kannst, dass du vielleicht noch einmal wiederkommen wirst?

Es könnte sein, ich will es nicht ausschließen. Ich möchte nicht in Kasachstan leben, aber es könnte sein, dass in Verbindung mit meiner Forschung eine Zusammenarbeit mit Kasachstan stattfindet. Man weiß ja auch nicht, wie sich das hier entwickelt. Momentan sprechen in den Städten, gerade Almaty, alle Russisch.
Aber vielleicht ist das in zehn Jahren nicht mehr so. Und dann kann es hilfreich gewesen sein, einmal Kasachisch gelernt zu haben!

Vielen Dank für das Gespräch!

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DAZ beglückwünscht alle Studenten zum bestandenen Kasachisch-Intensivkurs und wünscht ihnen für Ihre Zukunft Erfolg und alles Gute!

Von Malina Weindl