Pyramiden findet man in Ägypten und griechische Götter, genau, in Griechenland. So denkt sich das der archäologische Laie. Doch weit gefehlt. Auch in Zentralasien trifft man auf derartige Bauwerke und Abbildungen, zumindest auf solche aus den Jahrhunderten um Christi Geburt, wie die Fotoausstellung zu archäologischen Funden in Zentralasien zeigt. Bis Ende September ist sie im zentralen staatlichen Museum in Almaty zu sehen.

/Bild: Antonie Rietzschel. ‚Besucher der Ausstellung: Ein Einblick in die tägliche Arbeit der Forscher.’/

Klassische Musik empfängt den Besucher beim Betreten der Eingangshalle des Zentralen Staatlichen Museums Kasachstans in Almaty, in der sich schon zahlreiche Gäste und Medienvertreter eingefunden haben. Der Blick schweift durch das Foyer und bleibt direkt an den fünfzig Fotografien hängen, die die Ausstellung zur archäologischen Forschung in Zentralasien zeigt. Gleich wird die Veranstaltung als ein weiteres Highlight im Rahmen von „Deutschland in Kasachstan 2010“ offiziell eröffnet.

Produktive Zusammenarbeit

„Die Archäologie ist die Grundlage für alle historischen Wissenschaften“ – mit diesen Worten ergreift der Direktor des Museums, Nursan Alimbajew, das Wort. Die deutsche archäologische Schule genieße international eine hohe Achtung, sagt er und erläutert, wie wichtig daher die Zusammenarbeit zwischen deutschen und kasachstanischen Forschern in Zentralasien sei. Dr. Gerold Amelung, der deutsche Konsul in Almaty, würdigt im Anschluss daran die Fotoausstellung als einen einzigartigen Einblick in Geschichte, Kultur und Natur Zentralasiens.
Er betont die gute Zusammenarbeit im Bereich der Archäologie, genau wie der ihm folgende Redner, Dr. Anatoli Nagler, der für das Deutsche Archäologische Institut in Zentralasien arbeitet und die nunmehr seit 1997 andauernde partnerschaftliche Kooperation daher aus der Praxis kennt. Die Forscher können stolz auf zahlreiche bedeutende Fundstücke verweisen, wie den Tempel beim Kurgan Baikara, das Heiligtum eines Nomadenverbandes im fünften Jahrhundert v.Chr., der in Nord-Kasachstan gefunden wurde, oder eine Straße mit festem Überzug. Beide sind in ihrer Art einzigartig in Kasachstan und nehmen in der Erforschung der Region einen wichtigen Platz ein. Kasachstan sei eine eigene Welt. So viel gäbe es hier noch zu entdecken was helfe, die Geschichte des Landes genauer zu erforschen, so der Archäologe.

Holzflöten und Bronzefiguren

Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung bekommt auch der archäologische Laie einen Eindruck von den vielen Funden und der täglichen Arbeit der Forscher: Die abwechslungsreichen Bilder und die Exponate, mit denen das Museum die Ausstellung unterstützt, dokumentieren die gemeinsamen Ausgrabungen der vergangenen 13 Jahre. Besonders schön sind die gut erhaltenen Teile einer Holzflöte und eine Pyramide, die den Kurgan Baikara schmückte. Aber auch die Gruppe kleiner Bronzeplättchen, auf denen Eros und Psyche, der griechische Liebesgott und seine Gespielin, zu sehen sind, sind wunderschön und wecken Interesse an einer weiterführenden Beschäftigung mit dem Thema. Sie zeigen, wie bedeutend Zentralasien für den Handel über die Seidenstraße war und wie viele verschiedene Kulturen sich über sie wechselseitig beeinflussten. Globalisierung in frühester Zeit eben.

Von Kathrin Justen