„Wir wollen Journalistik lernen“, lautete das inoffizielle Motto der Teilnehmer der Zentralasiatischen Me-dienwerkstatt in der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. Dieses journalistische Training haben Mitte Mai Mitarbeiter der deutschsprachigen „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) und der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) organisiert.

Journalistisches Arbeiten stand im Mittelpunkt der Zentralasiatischen Medienwerkstatt, bei der sich 20 an Medien interessierte junge Leute aus Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan eine Woche lang in Almaty trafen. Einige von ihnen arbeiten bereits als Journalisten, andere wollten das journalistische Schreiben auf Deutsch lernen. „Solch eine Medienwerkstatt findet zum ersten Mal in dieser Form statt“, sagt eine der Leiterinnen, Cornelia Riedel, die gleichzeitig Redakteurin des deutschsprachigen Teils der DAZ ist. „Das gewisse Etwas besteht darin, dass die Werkstatt im Jahr des 40. DAZ-Jubiläums organisiert wurde“, so die Mitinitiatorin. Ort des Treffens war die Deutsch-Kasachische Universität, eine Hochschule in Kasachstans ehemaliger Hauptstadt, in der Studenten auf Deutsch Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen studieren können. Die Bildungseinrichtung in der Puschkinstraße bot mit ihren Seminarräumen und ihren Computern ein gutes Umfeld für die journalistische Arbeit der Teilnehmer. Die waren aus allen Zipfeln Zentralasiens nach Almaty angereist, aus dem tadschikischen Chudschand genauso wie aus Fergana in Usbekistan oder den kasachischen Städten Karaganda und Pawlodar.

„Uns ist vor allem wichtig, dass sich junge Leute aus Zentralasien treffen und zusammen lernen“, sagt Katja Kraft, Mitorganisatorin und Dozentin an der DKU.

Ziel des Seminars war auch, neue Autoren für die zwölfseitige „Deutsche Allgemeine Zeitung“ zu gewinnen, die wöchentlich in Almaty erscheint. „Wir wollen das deutschsprachige Blatt für Zentralasien werden und dafür benötigen wir Journalisten, die auch aus anderen Regionen für unsere Leser berichten“, erklärt Cornelia Riedel die Zukunftsstrategie des Blattes. Die DAZ war 1966 als Zeitung für die deutsche Minderheit in Kasachstan gegründet worden.

Recherchieren, Interviewen und Schreiben

Zu Beginn der Medienwerkstatt standen drei Dinge im Vordergrund: Das journalistische Interviewen und Recherchieren, das Texteschreiben und das Fotografieren. Vorab hatten die Teilnehmer in einer Hausaufgabe schon erste Informationen gesammelt und Artikel geschrieben. Leiter des Fotoseminars war der Hallenser Designer Marcus-Andreas Mohr. Er führte die Nachwuchsjournalisten in den Umgang mit der Kamera ein, schulte deren Blick für das richtige Bild und wird gleichzeitig in den nächsten Wochen der gedruckten Ausgabe der DAZ ein neues Gesicht geben.

Für die Werkstatt-Teilnehmer mit  journalistischer Erfahrung waren vor allem die Unterschiede zwischen dem Journalismus in Deutschland und ihren Heimatländern wichtig. So vermischt die russischsprachige Journalistik Elemente verschiedener Gattungen: „Im deutschen Journalismus geht das nicht“, so Ulrike Fischer, Seminarleiterin und Journalistin aus Berlin. Im Workshop wurden so weit weniger Genres besprochen, als in der russischen Journalistik bekannt sind. Doch die zwei Journalistik-Schulen mit ihren Traditionen kennen nicht nur sprachliche sondern auch kreative Unterschiede.

Die „W“-Fragen als Hilfsmittel

Bei deutschen Journalisten spielen Fakten die wichtigste Rolle: Die Fragen „Wer?”, „Was?”, „Wann?”, „Wo?”, „Wie?”, „Warum?”, „Welche Quelle?“ helfen den Journalisten, die wichtigsten Tatsachen eines Ereignisses im Artikel auf den Punkt zu bringen. Im Gegensatz zum Prinzip der sogenannten „7 W’s“ nehmen im russischen Journalismus Leserbriefe und meinungsbetonte Berichte über die Natur und das Leben der Leute einen wichtigen Platz ein. Außerdem werden fast alle „ich“ und „wir“ aus deutschen Texten gestrichen. Russische Texte sind oft reich an diesen Pronomen und spiegeln mehr die persönliche Sicht des Autors wider. „In der Fotokunst sind sich beide jedoch sehr ähnlich“, meint Viktor Zoi, Seminarteilnehmer aus Bischkek, der Hauptstadt von Kirgisistan.

Neben dem Unterricht zum journalistischen Schreiben und Fotografieren und dem Recherchieren in der Stadt standen außerdem der Besuch des Zentrums für internationale Journalistik „Media-Net“ und des Deutschen Hauses auf dem Plan. Dort sind unter anderem die Redaktion der Deutschen Allgemeinen Zeitung, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und die Friedrich-Ebert-Stiftung untergebracht. Am Ende des Seminars lockten das schöne Wetter und das nahegelegene Alatau-Gebirge die Teilnehmer zu einem Ausflug in die Berge.

Von Alexander Werwekin

26/05/06