Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hebt die kasachische Nationalbank den Leitzins an. Den Währungshütern bereitet der zunehmende globale Inflationsdruck Kopfschmerzen. Doch es gibt auch gute Nachrichten für die kasachische Wirtschaft.

Am Dienstag hatte Askar Mamin eine gute Nachricht zu verkünden. Die Wirtschaft Kasachstans habe das Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie erreicht, verkündete der kasachische Premierminister auf einer Regierungssitzung, bei der es um die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes von Januar bis August 2021 ging. Das BIP-Wachstum erreichte demnach in besagtem Zeitraum 3 Prozent, mit weiterhin positiver Dynamik. Aufgegliedert nach Sektoren, wuchs die verarbeitende Industrie um 5,8 Prozent, der Handel um 9,1 Prozent, Telekommunikation um 12,8 Prozent und Bau und die Bauwirtschaft um 11,4 Prozent. Den Industriesektor trieb insbesondere eine Steigerung der Produktion von Pharmaerzeugnissen um 40,8 Prozent sowie im Bereich Maschinenbau von 23,9 Prozent an.

Kasachstan will Inflation auf 4 bis 5 Prozent senken

Allerdings fordert das Wachstum in Kasachstan wie überall auf der Welt seinen Preis in Form eines spürbaren Anstieges der Inflation. Laut Kasachstans Nationalbankchef Jerbolat Dosajew, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, ist diese allein zwischen April und August zwischen 7 und 8,7 Prozent gestiegen. „Der monatliche Preisanstieg für August war der höchste seit 2008“, so Dosajew am Dienstag. Betroffen seien vor allem Lebensmittel. Und auch die Prognose für die kommenden Monate macht wenig Hoffnung auf Besserung. Während die Zentralbankchefs der Eurozone und in den USA nicht müde werden zu betonen, dass die Inflation nur ein „vorübergehendes Phänomen“ sei, bezeichnet die kasachische Zentralbank den Anstieg der Preise aktuell als „nachhaltig“ und sieht die Inflation künftig in einem Korridor zwischen 7,5 und 8,5 Prozent.

Dementsprechend unterscheidet sich auch die Reaktion der kasachischen Währungshüter von der ihrer westlichen Pendants. Am Montag nämlich verkündete der geldpolitische Ausschuss der Zentralbank eine Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozent auf 9,5 Prozent und begründete dies mit ebenjenem Inflationsdruck. Dabei hatte die Behörde diesen bereits im Juli von damals 9 Prozent erhöht, wo er seit Juli 2020 verharrt war. Mit der Straffung der Geldpolitik wolle man die Inflation bis 2022 wieder in den Zielkorridor von 4 bis 6 Prozent zurückbringen, so die Währungshüter.

USA und Eurozone: Leitzins-Anhebung zunächst kein Thema

In der Eurozone und den USA ist von einer Erhöhung des Leitzinses dagegen nicht einmal die Rede. Dabei stieg auch dort die Inflationsrate zuletzt kräftig an – wenngleich auf einem insgesamt deutlich niedrigeren Niveau als in Kasachstan und anderen GUS-Ländern. Im August betrug der Wert in der Eurozone 3 Prozent, gegenüber 2,2 Prozent im Juli. Deutschland lag mit 3,9 Prozent im August sogar über dem Durchschnittswert. Ziel der EZB ist ein Wert von 2 Prozent. Um dieses zu erreichen, ist sie jedoch bislang nur bereit, ihre monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des Corona-Notfallprogramms zu reduzieren.

Ähnlich die Lage in den USA: Dort hat sich die Inflation zwar inzwischen auf einem hohen Niveau von 5,3 Prozent eingependelt. Einige enttäuschende Konjunkturdaten – etwa vom Arbeitsmarkt – schürten jedoch zuletzt die Furcht vor einer konjunkturellen Abschwächung. Chef-Notenbanker Jerome Powell sieht sich deshalb in seinem Kurs bestätigt, den Leitzins zunächst nicht anzutasten. Auch hier soll es zunächst nur bei einem Zurückfahren der Anleihekäufe bleiben.

Christoph Strauch

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