Ende Januar folgte der deutsche Designer Michael Spitzbarth einer Einladung der Deutschen Botschaft in Nur-Sultan sowie des Goethe-Instituts Kasachstan und besuchte die kasachische Hauptstadt. Im Gepäck hatte er – den Temperaturen entsprechend – mehrere Mützen und Socken seines Modelabels „bleed“. Dieses ist auf den Verkauf nachhaltig produzierter Kleidung spezialisiert.

Die erste Herausforderung erwartete Michael Spitzbarth am Donnerstag: Bei
25 Grad Minus unternahm er in Begleitung einer Mitarbeiterin der Botschaft eine längere Erkundungstour durch Nur-Sultan, um einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen. Die winterliche Kälte konnte ihm auch während eines anderthalbstündigen Spaziergangs nichts anhaben – dafür sorgte die von ihm designte Kleidung. Besonders beeindruckten Spitzbarth die Architektur der Stadt, die Ausstellung „Energien der Zukunft“ in Nur Alem auf dem ehemaligen Expo-Gelände, und nicht zuletzt die Schneemassen, die er derzeit in seiner oberfränkischen Heimat vermisst. Michael Spitzbarth ist begeisterter Wintersportler und hofft daher dieses Jahr noch auf vergleichbare Schneeverhältnisse in den bayerischen Alpen.

1. Platz des Wettbewerbs „Aus Müll mach Tüll“: Aikokul und Madina Mendibayeva

Am Abend nahm er neben mehreren französischen und kasachischen Designern an der „Nuit des Idées“ im Hotel Ritz-Carlton teil. Diese wurde von der französischen Botschaft in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Kasachstan veranstaltet. Thematisiert wurden Fragen nachhaltigen und ethisch vertretbaren Modedesigns. Vor einem gemischten Publikum erzählten alle Designer nach je einem kurzen Einführungsvideo von ihrem Konzept, ihren Ideen zu nachhaltiger Mode und deren tatsächlicher Umsetzung. Im Anschluss fand ein kurzer Austausch statt, bei dem auch Fragen aus dem Publikum beantworten wurden.

„Aus Müll mach Tüll“

2. Platz: Azat Davletov (seine Schwester posiert auf dem Bild)

Besonderes Highlight des Besuchs in Nur-Sultan war jedoch eine Veranstaltung am Freitagvormittag im Infolab des Goethe-Instituts. Nur etwa eine Woche zuvor waren die Schülerinnen und Schüler der PASCH-Schulen in ganz Kasachstan aufgefordert worden, unter dem Motto „Aus Müll mach Tüll“ selbst nachhaltige Kleidung oder Accessoires zu entwerfen. Das Besondere: Sie sollten aus Materialien gefertigt sein, die andernfalls entsorgt würden.

Trotz der kurzen Zeitspanne erreichten die Botschaft 22 Einsendungen von Schulen unter anderem aus Nur-Sultan, Almaty, Karaganda und Pawlodar. Die Schüler im Alter von 11 bis 16 Jahren beließen es zum Teil nicht nur dabei, Designs auf dem Papier zu entwerfen. Einige schneiderten und bastelten sogar ganze Kleidungsstücke selbst und präsentierten diese auf Fotos. Sie bestanden vor allem aus alten Zeitungen oder Illustrierten, aussortierten Plastiktüten oder Altkleidung, und waren fantasievoll und teils sogar alltagstauglich gestaltet.

Erste Erfahrungen in der Textilindustrie prägend für Michael Spitzbarth

Anlässlich dieses Wettbewerbs wurden die Schüler zweier PASCH-Schulen in Nur-Sultan (7. und 46. Schule) am Freitag in das Goethe-Infolab eingeladen. Nach einer Präsentation des Designers sollte nämlich die Preisverleihung für die drei Gewinner des Wettbewerbs stattfinden. Die Einladung fand großen Anklang, es meldeten sich fast 50 Schüler in Begleitung ihrer Lehrer an. Auch aus anderen Teilen Kasachstans erhielten wir zahlreiche Einsendungen, die die Botschaft ebenfalls prämieren wird.

3. Platz: Laura Nurgozhina und Dinara Zhulanova

Nach einer kurzen Einführung der Botschaft zum Thema Umweltschutz und zur Bedeutung nachhaltig produzierter Kleidung wandte sich Michael Spitzbarth an die Gäste. Er nahm sich viel Zeit, um von seinem Werdegang und seinen Eindrücken von der Modebranche zu berichten. Auch seine Idee einer nachhaltigen Bekleidungsmarke und deren Konzept erläuterte er. Er schilderte zudem anschaulich, wie er nach seinem Studium zunächst mehrere Jahre für die Sportbekleidungsindustrie gearbeitet hatte. Seine ersten Eindrücke von der alltäglichen Umweltverschmutzung und den Herstellungsbedingungen in der Textilindustrie seien für ihn sehr erschreckend gewesen. Es erwuchs daraus sein Wunsch, nachhaltigere Mode zu kreieren.

Der Wunsch sollte Wirklichkeit werden. Vor nunmehr elf Jahren gründete Spitzbarth das Label „bleed“, welches nachhaltig und fair produzierte Kleidung mit einem sportlichen Lifestyle kombiniert. Der Designer erzählte, dass er trotz anfänglicher Rückschläge an seiner Idee festgehalten habe. Das zahle sich mittlerweile aus: Vor wenigen Jahren sei endlich die Notwendigkeit nachhaltiger Kleidung in das Bewusstsein der Deutschen gerückt. Er erklärte, was Nachhaltigkeit bedeutet, welche Materialien für die Kleidung verwendet werden und wie die Produktion abläuft. Als Anschauungsmaterial hatte er aus seiner Kollektion mehrere Kleidungsstücke mitgebracht, darunter eine Funktionsjacke und sogar einen nachhaltig produzierten Schuh. Beides reichte er herum, damit die Schüler einen Eindruck von dem Material und der Qualität der Produkte gewinnen konnten.

Tipps für Nachwuchsdesigner direkt vom Profi

Dass die Präsentation des Designers gut ankam, zeigte die anschließende Fragerunde, wo er sich vor Fragen kaum retten konnte. Die Schüler wollten alles wissen: über die verwendeten Materialien, welche Produkte sich am besten verkauften (Antwort: Bademode aus recycelten Fischernetzen) und wie der Einstieg in die Nachhaltigkeit am besten gelinge. Zudem konnten sie sich ein paar Tipps für Nachwuchsdesigner abholen.

Michael Spitzbarth war nicht nur von den Deutschkenntnissen der Schüler beeindruckt, sondern auch von der Qualität ihrer Fragen. Die Veranstaltung fand ihren krönenden Abschluss in der Preisverleihung für die drei Gewinner der Schulen aus Nur-Sultan, die ihre Kreationen kurz vorstellten. Anschließend wurden sie mit einer Urkunde sowie Mützen und Socken aus der „bleed“-Kollektion gekürt. Teilnehmer des Wettbewerbs aus anderen Teilen des Landes erhalten ihre Preise per Post.

Insgesamt gestalteten sich die zwei Tage für alle Seiten lohnenswert. Während Michael Spitzbarth seine Erfahrung und sein Wissen mit jungen interessierten Kasachinnen und Kasachen teilte, durfte er ein für ihn neues Land entdecken und einen „echten“ Winter erleben.

Wir danken Herrn Spitzbarth für seine Zeit und dem Goethe-Institut Kasachstan für die tolle Zusammenarbeit.

Sara Stäritz