Kaum entdeckt und schon vom Aussterben bedroht: Das neu gesichtete Exemplar der Geckoart Alsophylax sp. hat noch nicht einmal einen Namen, auch über die genaue Bestandsdichte der Art ist nichts bekannt. Bekannt ist nur, dass ihr Lebensraum in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch geschrumpft ist.

Der kleine Gecko Alsophylax sp. ist kaum größer als ein Daumennagel. Und doch lenkt sein Auftreten das Bewusstsein auf die große Bedeutung seines Lebensraumes im usbekischen Ferganatal. Die neue Art wurde kürzlich durch genetische Analysen bestätigt. Die DNA verrät nun: Die nächsten Verwandten sind der Kaspische Geradfingergecko (Alsophylax pipiens) und der Südliche Geradfingergecko (Alsophylax laevis), die in erheblicher Entfernung zum aktuellen Fundort vorkommen. Damit ist sehr wahrscheinlich, dass die neue Geckoart hochspezialisiert und an ihren lokalen Lebensraum gebunden, daher
endemisch ist.

Kontinuierliche Verdrängung ursprünglicher Naturräume

Alsophylax sp. kommt im usbekischen Ferganatal vor, in sehr kleinteiligen und durch Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur stark zerschnittenen Gebieten. Das Ferganatal gehört durch die fruchtbaren Böden, gelegen auf den Schwemmfächern des Tienschangebirges und des Pamirs, zu den Gunststandorten Zentralasiens und damit auch zu den gefragtesten Besiedlungsgebieten im sonst kargen und von Wüsten- und Halbwüsten geprägten Usbekistan.

Durch die wachsende Bevölkerung und den Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen, die auch der Ernährungssicherung im Land dienen, wurden noch ursprüngliche Naturräume wie das Habitat des Alsophylax sp. kontinuierlich zurückgedrängt. Erst kürzlich hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) in einer aufsehenerregenden weltweiten Studie darauf aufmerksam gemacht, dass ein Fünftel aller Reptilienarten vom Aussterben bedroht sind.

Kompromisssuche zugunsten des Artenerhalts

Werden auch die letzten naturnahen Refugien der Bewirtschaftung unterworfen, verschwindet auch der neu entdeckte Gecko. Rustam Murzakhanov, Projektkoordinator bei der Succow Stiftung in Greifswald und zuständig für die Koordination dieses Forschungsprojektes: „Neue Flächen, die bisher als ungeeignet galten, werden daher mehr und mehr in die aktive Landwirtschaft einbezogen. Dadurch wird der Lebensraum der nur dort vorkommenden endemischen Arten zerstört. Umso wichtiger ist es, möglichst rasch neue Schutzgebiete auszuweisen.“

Dabei gibt es auch Schutzkonzepte, die zwischen einem radikalen Totalreservat auf der einen Seite und einer kompromisslosen Bewirtschaftung zur Inwertsetzung von Land auf der anderen Seite vermitteln können. Bei diesen Ansätzen dient das Wirtschaften des Menschen dem Erhalt des Naturraumes, werden Ressourcen nicht übernutzt, das Land nachhaltig bewirtschaftet und der Wildnisentwicklung Raum gegeben. Dieses Schutzkonzept möchte die Succow Stiftung gemeinsam mit lokalen Bewohnern und den staatlichen Institutionen umsetzen, um dem gerade erst entdeckten Gecko eine Zukunft zu geben.

Die letzten weißen Flecken der Erde

So bildet das Projekt die Grundlage für den zukünftigen Schutz, denn man muss kennen und verstehen, was man bewahren möchte. Auch Craig Hilton-Taylor, verantwortlich für die Rote Liste der bedrohten Arten der IUCN, bestätigt in einer IUCN-Pressemeldung zur oben erwähnten Studie: „Obwohl die Ergebnisse der Bewertung äußerst besorgniserregend sind, gibt uns dieser Meilenstein Anlass zur Hoffnung, da er die Erhaltungsmaßnahmen dorthin lenken wird, wo sie am dringendsten benötigt werden.“

Im Projekt „Naturraumanalyse Ferganatal“ führt die Succow Stiftung umfassende Forschungsexpeditionen zur Bestandsaufnahme der Flora und Fauna durch. Dank des „Programme on Conservation of Key Biodiversity Areas in Mountainous Regions of Central Asia“ des WWF (World Wide Fund for Nature) und mit finanzieller Unterstützung des CEPF (Critical Ecosystem Partnership Fund), werden weiterhin Biodiversitätsdaten erhoben. Denn wir sind gespannt, was es noch zu entdecken gibt in den letzten verbliebenen weißen Flecken der Erde.

Succow Stiftung

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