Der Bankensektor Kasachstans hat schon bessere Zeiten erlebt, aber auch schon schlechtere. Die aktuelle Lage ist von einer gewissen Entspannung im letzten halben Jahr gekennzeichnet, insgesamt bleibt die Lage unbefriedigend. Das drückt sich global darin aus, dass die Geschäftsbanken nur extrem zurückhaltend Kredite vergeben, was eigentlich ihre Hauptaufgabe und ihr Kerngeschäft ist. Ursache dafür ist nicht etwa ein Mangel an Liquidität, sondern die aus der jüngsten Vergangenheit mitgeschleppten Probleme. Diese drücken nach wie vor von zwei Seiten auf den Bankensektor.

Das Hauptproblem ist die mehr als kritische Struktur der an die Wirtschaft und Privatpersonen in der Vergangenheit ausgegebenen Kredite. Aktuell tragen etwa 30 Prozent dieser Kredite den unschönen Titel „verlorene Kredite“, das heißt die kreditgebende Bank sieht dieses Geld, das ihr zum größten Teil nicht mal selbst gehört, nicht wieder. Das Wort Katastrophe ist in diesen Zusammenhang keinesfalls übertrieben. Diese Summen müssen als Verlust verbucht werden, das belastet die Bilanzen enorm, verschlechtert das Kreditrating der Banken und zieht einen Rattenschwanz weiterer Probleme nach sich. Auch wenn sich der größte Teil dieses Geldes auf drei Banken konzentriert, leidet darunter das Image und das Kreditrating des gesamten Bankensektors.

Wenig beruhigend ist in dieser Hinsicht, dass der Anteil dieser Kredite sogar schon mal noch höher lag. Auf den heutigen Stand konnte er nur durch umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen  gedrückt werden. Restrukturierung kann dabei durchaus als ein elegantes Wort für das Retten einer an sich bankrotten Bank gewertet werden. Überwiegend haben die Gläubiger tief in die Tasche gegriffen, in der Hoffnung, irgendwann mal wenigstens einen Teil ihres Geldes wiederzusehen.

Weitere fast 50 Prozent der ausgegebenen Kredite haben den Status „faul“, was bedeutet, dass sie in unterschiedlichem Maße nicht an die Banken zurückfließen könnte. Das Geld ist im Moment nicht verloren, aber in welchem Umfang und wann es zurückkommt, weiß niemand. Der Rückfluss dieser Mittel ist in die Liquiditätspläne der Banken eingestellt, real ist davon im Moment nur tröpfchenweise etwas zu sehen, obwohl es eigentlich stetig fließen müsste.  Das schafft neben Liquiditätsengpässen bei den Geschäftsbanken vor allem Zurückhaltung hinsichtlich weiterer Kreditvergabe. Da ist man sehr vorsichtig und auch kreditwürdige Investitionsprojekte werden nur restriktiv und teuer finanziert.

Darüber klagt nicht nur der Realsektor, sondern er muss in der Folge nicht selten seinen Betrieb einstellen. Das ist gar nicht lustig. Für die vielen faulen Kredite, die wie dicker Nebel über dem Land liegen, wird nun eine Lösung nach westeuropäischem Vorbild vorbereitet. Im Klartext wird das Instrument üblicherweise „Bad Bank“ genannt. Hierzulande sucht man noch nach einer eleganteren Umschreibung, was für Außenstehende das Wesen des Problems verschleiert.  Der Inhalt bleibt der Gleiche: das Auslagern von schlechten Krediten in eine spezielle Organisation. Diese wird dann wohl kaum ohne Steuergelder auskommen, dafür wird den Banken wieder Luft zum Atmen geschaffen und sie können irgendwann ihrer normalen Aufgabe wieder nachgehen und die Realwirtschaft finanzieren.

Die andere Front, die gegen den kasachischen Bankensektor aufgezogen ist, ist in letzter Zeit löchriger geworden. Es geht um die unvernünftig hohe Kreditaufnahme der hiesigen Geschäftsbanken im Ausland, die in den letzten Jahren teilweise nicht, teilweise nur unter Mühe zurückgezahlt werden konnten. Diese Rückzahlungsverpflichtungen haben sich von fast 50 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf jetzt etwa 20 Milliarden Dollar verringert. Wesentliche Ursache dafür sind Restrukturierungsmaßnahmen, was wiederum nur durch das Entgegenkommen vieler Gläubiger funktionieren konnte.

Schaut man sich heute die Publikationen zum Bankensektor in den Jahren 2005 bis Anfang 2007 an, kann man gar nicht glauben, wie optimistisch die Situation eingeschätzt wurde. Das unbegründete Hochjubeln dieses Sektors ist durch seinen tiefen Fall ersetzt worden. Hoffentlich werden daraus auch wirklich Lehren gezogen – wenigsten für die nächsten zehn Jahre.

Bodo Lochmann