Dass man manches langfristig planen und vorbereiten muss, fand ich schon doof, als ich noch gar nicht sprechen konnte. So lange ich mich erinnern kann, setze ich mich mit Leibeskräften für die Aufrechterhaltung der Spontaneität ein. Oft rächt sich das.

Weil es sich lustiger leben lässt, wenn man in den Tag hinein lebt und möglichst wenig an morgen denkt, bin ich mit dem Heute, das gestern noch das ausgeklammerte Morgen war, konfrontiert. Der Kühlschrank ist leer, ich habe Hunger und stehe vor verschlossenen Ladentüren. Heute ist Feiertag und alle wussten es, nur ich nicht. Nun stehe ich minutenlang vor dem Supermarkt und weiß nicht, was tun. Denn morgen ist Sonntag. Zwei Tage lang in Cafés lümmeln, um nicht zu verhungern? Warum nicht, im Notfall nicht die schlechteste Lösung. Aber ich muss einerseits arbeiten, und ein richtiges Lümmeln zeichnet sich dadurch aus, dass man quer auf dem Sofa fläzen, die eigene Musik hören, ab und zu dösen kann und alles zur Hand hat, worauf man spontan Lust bekommt. Also doch lieber nicht in Cafés hocken, sondern irgendwo etwas Essbares auftreiben. Das ist in Köln allgemeinhin kein Problem, in meiner Nähe gibt es reichlich Kioske, wo man fast alles besorgen kann. Ich suche mir den größten Kiosk aus und denke: Prima, Problem gelöst. Doch gerade zu Hause angekommen, packe ich die Tasche aus, die voll und schwer genug schien, um zumindest am Wochenende über die Runden zu kommen, und begutachte meine Jagdbeute. Ein Eis. Saft. Milch. Schokoriegel. Lakritz und Weingummi. Und eine Dose Tomaten. So oft ich die Dinge auch drehe und wende und auf verschiedene Weise miteinander kombiniere, daraus lässt sich keine satte und schon gar keine nahrhafte Mahlzeit zaubern. Ich wäre ja bereit gewesen, auf eine der Tagesmahlzeiten zu verzichten, aber ich erkenne in meinen Zutaten weder ein Frühstück, Mittagessen oder Abendessen noch einen Snack für zwischendurch.

Das kommt davon, wenn man sich keine Einkaufszettel schreibt und die Feiertage nicht im Blick behält. Ohne Einkaufszettel ist das Einkaufen unstreitbar lustiger, aber man bleibt im Zweifelsfalle hungrig. In diesem Fall – 1:0 für meine Mutter. Es gibt nun noch die Variante, mich bei Freunden einzuladen, die geplanter vorgehen und besser vorsorgen. Das wäre so ein halbgares Lümmeln, zwar nicht gar so hingebungsvoll, aber immerhin noch freizügiger als in Cafés. Doch hier stellt sich das Problem: Da ich mich aus lauter Spontaneität am liebsten nicht verabrede, kommt es oft vor, dass meine Freunde, die ich dann gern spontan sehen würde, meist schon anderweitig verplant sind, zum Beispiel mit anderen Freunden, die auch lieber im Voraus planen; erst recht, seit sie Kinder haben und erst recht an Feiertagen und Wochenenden. Nach reichlichen Überlegungen und Abwägungen entscheide ich mich für die Variante: allein DVDs gucken, dazu Eis, Lakritz und Schokoriegel essen. Und darauf hoffen, dass die Pizzataxis im Einsatz sind.

Julia Siebert

21/11/08