In ihren Filmen war sie eine trashig-prollige Schülerin. Sie spielte ein junges Mädchen, das in die Neonaziszene abrutscht. Und sie ist eine junge Polizeianwärterin im „Tatort“: Jella Haase verfügt über ein vielfältiges Schauspielrepertoire. Nun erhält das Nachwuchstalent auf der Berlinale die Auszeichnung „European Shooting Star“. Ein Interview.

Jella Haase weiß, was sie möchteб und das zeigt sie auch. Und wenn sie eine Meinung hat, dann hält sie nicht damit zurück: Als die belgische Schauspielerin Martha Canga Antonio in einem Interview auf der Pressekonferenz zu den „European Shooting Stars“ erzählt, dass sie auf Grund ihrer Schauspielleistung bewertet und verständlicherweise nicht wegen ihrer Hautfarbe im Fokus stehen möchte, klatscht Jella Haase.

Du hast so ziemlich als Einzige applaudiert.

Natürlich, ich finde, dass sie was Schönes gesagt hat. Ich will mir nicht anmaßen, das zu beurteilen, aber ich kann mir vorstellen, wenn ich immer wieder auf meine Hautfarbe festgelegt würde, ist das nervig. ,Und wie ist es denn für dich als farbige Darstellerin? Was erhoffst du dir?‘ Martha hat einfach gesagt: „Ich will als Mensch gesehen werden.“ Das finde ich absolut richtig. Man will vielleicht nicht immer darauf angesprochen werden. Warum auch? Warum kann es nicht einfach normal sein, nur nach der Leistung, bewertet zu werden?

Welche Fragen würdest du denn am liebsten gestellt bekommen?

Es ist schön, wenn man über die eigene Arbeit referieren kann. Ich rede auch sehr gerne über Regisseure, über Kollegen. Wenn es sich auf die Filme bezieht, ist mir das aber eigentlich am angenehmsten.

Gut, reden wir über Filme. Welches Thema findest du für einen Film besonders interessant?

Ich würde total gerne, eine moderne Liebesgeschichte erzählen. Zwischenmenschliche Beziehungen finde ich einfach immer wieder toll. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, die aus dem echten Leben genommen werden. Geschichten, die realistisch sind – wo die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Das habe ich gerade in dem Film „Keeper“ des Schweizer Shooting Stars Kacey Mottet Klein gesehen. Der war so authentisch, dass ich mit offenem Mund dasaß und dachte ,Wow‘. Es ist nicht unbedingt eine spezielle Rolle oder ein Film. Es sind immer die Geschichten, die stimmen müssen.

Und was für eine Geschichte könntest du dir genau vorstellen?

Es wäre schön bei einer Verfilmung eines Buchs von Milan Kundera dabei zu sein. mal ein Buch von Milan Kundera mit zu verfilmen. Milan Kundera ist unglaublich poetisch, aber auch aus psychologischer Perspektive ganz weit vorne. Er inszeniert vor allem Frauen unglaublich schön.

Was ist für dich das Besondere an diesen Frauenrollen?

Die sind einfach aus dem Leben gegriffen – total realistisch und auch stark. Es ist doch nicht so, dass man in Filmen Frauen nur dazu braucht, um Männercharaktere gut zu erzählen. Das ist ein Geben und Nehmen. Frauen und Männer funktionieren nur nebeneinander.

Wie stellst du dir deine Zukunft in der Schauspielerei vor? Gibt es einen Regisseur mit dem du arbeiten möchtest?

Ich hoffe einfach, dass ich weiter interessante und aufregende Rollenangebote bekomme.
Zum Beispiel mag ich die Arbeit von Abdellatif Kechiche, der „Blau ist eine warme Farbe“ gemacht hat. Oder „Die Träumer“ von Bernardo Bertolucci, „This is England“ von Shane Meadows. Diese Filme sind alles Meilensteine. Und an solchen Geschichten würde ich gerne mitwirken.

Christina Heuschen