Anlässlich des Jahres Kasachstans in Deutschland veranstalte die Botschaft der Republik Kasachstan zusammen mit der Otto Benecke Stiftung aus Bonn eine Tagung an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. Zu den Rednern gehörten auch Experten und namhafte Persönlichkeiten aus Kasachstan. Ihre Ansprachen behandelten das Thema der Toleranz unter den verschiedenen Volksgruppen und Konfessionen in Kasachstan.

/Bild: Josef Bata. ‘Alexander Dederer stellte in seiner Ansprache die Integration der deutschen Minderheit in Kasachstan vor.’/

Nach den Eröffnungs- und Begrüßungsworten des Geschäftsführers der Rheinischen Fachhochschule Köln, Professor Johannes Schinke sowie des Botschafters Dr. Nurlan Onschanow konnten die etwa 70 Teilnehmer erfahren, was die einzelnen Referenten über den „Interkulturellen Dialog in Kasachstan als Fortschritt über Vielfalt“ zu sagen hatten.

Interethnische Toleranz

Tolegen Muchamedschanow, Senator im kasachstanischen Parlament, sprach über die Wichtigkeit der interethnischen und interreligiösen Harmonie in Kasachstan. Er wies auf die Bedeutung des „Tages des geistigen Einvernehmens“ hin, der bereits kurz nach der Unabhängigkeit Kasachstans im Jahre 1991 verkündet wurde. So ein Gedenktag sei seiner Meinung nach einmalig in der ganzen Welt. Muchamedschanow bedauerte es, dass die Politik weltweit oft eine andere Sprache spreche als die der Toleranz. Für ihn sei es wichtig, dass gerade die Staatsoberhäupter mit persönlichem Beispiel vorangehen. In diesem Zusammenhang hob er den kasachstanischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew hervor.
Als Zeichen der Anerkennung der Andersgläubigen besuche Nasarbajew immer wieder öffentlich die verschiedenen Gotteshäuser in Kasachstan. Muchamedschanow bezeichnete die im Jahre 1995 entstandene Versammlung des Volkes Kasachstans auch als einen Ausdruck der Toleranz. Dort sind nicht weniger als 120 im Lande lebenden Nationalitäten vertreten. Der Senator kündigte zugleich das Forum der geistigen Kultur an, das im Oktober 2010 in der Hauptstadt Astana stattfinden soll.

Begrüßt werden konnte bei dieser Veranstaltung auch der neu gewählte, stellvertretende Vorsitzende der Versammlung des Volkes Kasachstans Alexander Dederer. Dederer, der unter anderem auch Vorsitzender der Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ ist, referierte über das Modell der interethnischen Toleranz in seinem Lande. Dabei hob er die heute zufriedenstellende Stellung der etwa zweihunderttausend in Kasachstan lebenden deutschen Volkszugehörigen hervor.

Für diese, wie auch beispielsweise für die Angehörigen der russischen oder der koreanischen Volksgruppe, stellt die Regierung auf kultureller Ebene wie auch in den Massenmedien eine Plattform zur Verfügung, um ihre nationale Identität zum Ausdruck bringen zu können. Für ihn als den neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Versammlung des Volkes Kasachstans läge es viel daran, auch innerhalb dieser Institution den Dialog zwischen den Volksgruppen in Kasachstan zu fördern.

Interkonfessioneller Dialog

Der Direktor des Internationalen Zentrums für Kulturen und Religionen des
Justizministeriums der Republik Kasachstan, Professor Dr. Aidar Abuow wandte sich mit einem Erfahrungsbericht an die Zuhörer. Ein interreligiöser Dialog und gegenseitige Verständigung der Zivilisationen seien für ihn und seine fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur das Hauptthema, sondern auch die Motivation der Untersuchungen. Er könne bereits jetzt sagen, dass ein Dialog verschiedener geistlichen Traditionen in der kasachstanischen Gesellschaft eine langjährige Praxis des produktiven Zusammenlebens sei und nicht eine bloße abstrakte, wohlgemeinte Idee.

Abuow wies darauf hin, dass die Religionspolitik Kasachstans auf den Grundprinzipien des gesetzlichen und institutionellen Schutzes der Glaubensfreiheit und des Glaubensbekenntnisses basiere. Dazu käme der Aufbau gleicher Bedingungen für die Realisierung der Konfessionsfunktionen und die Förderung des interkonfessionellen Dialogs. Das Hauptziel des Zentrums für Kulturen und Religionen sei die Verbreitung der positiven Erfahrung Kasachstans im Bereich der Festigung der interkonfessionellen Zustimmung und der Einheit des kasachstanischen Volkes auf internationaler Ebene. Dazu diene nicht zuletzt auch der bereits zum dritten Mal in der Hauptstadt Astana stattgefundene Kongress der leitenden Vertreter der Welt und traditionellen Religionen unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Kasachstan. An dem diesjährigen Treffen im Juli nahmen 77 Delegationen aus 35 Ländern der Welt teil.

Moderiert wurde die Tagung von Dr. Lothar Theodor Lemper, geschäftsführender Vorsitzender der Otto Benecke Stiftung. Er rief in seinem Resümee dazu auf, Vorurteile abzubauen. Eine Verständigung würde nur dann gelingen, wenn man zu verstehen versuche, welche Wertvorstellungen der andere Mensch habe, wie dieser denke und fühle. Lemper war überzeugt, die kasachstanischen Erfahrungen mit der Toleranz seien wertvoll und sicherlich auch in Deutschland anwendbar.

Integration der deutschen Minderheit in Kasachstan

Im Anschluss an die Veranstaltung merkte Dr. Cornelia Grundmann, Sachbearbeiterin im Referat M II 3 Hilfen und Projektförderung (GUS und Baltikum) des Bundesministeriums des Innern an: „Es war eine sehr interessante Veranstaltung. Es ist begrüßenswert, dass die Regierung Kasachstans und hier insbesondere Präsident Nasabajew mit großen Anstrengungen die verschiedenen Ethnien und Religionen in die kasachische Gesellschaft integrieren will. Dies hat auch der Beitrag von Alexander Dederer unterstrichen, der u. a. die Integration beispielhaft an der deutschen Minderheit in Kasachstan erläutert hat. Die Veranstaltung hat sicherlich zu einem besseren Verständnis Kasachstans beigetragen.“ Ein Film über die verschiedenen Religionen in Kasachstan rundete die Veranstaltung ab.

Von Josef Bata

27/11/09

Teilen mit:
Vorheriger ArtikelDas Erinnern an die DDR-Diktatur
Nächster ArtikelFoto der Woche
Josef Bata ist ein gebürtiger Ungar, lebt seit 37 Jahre in Deutschland. Er ist unter anderem ein freier Journalist für diverse Medien. Einer seiner Schwerpunkte sind die im Mitteleuropa und Zentralasien lebenden Deutschen. Hauptberuflich ist Bata Internetredakteur im Bereich Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in Bonn. Auch für die DAZ verfasste er etliche Beiträge.