Der Deutsche Zollverein (1834-1871) diente als Instrument der damaligen politischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands, analog zur Europäischen Union. In einem direkten Vergleich von EU und EAWU werden Möglichkeiten und Grenzen eines einheitlichen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostok skizziert. Sollte man ihn besser bis Schanghai denken?

Wilhelm von Weber (1813-1894)

[…] Mithin war Österreich objektiv in einer schwierigen Lage. Nur das Kaiserreich Österreich war Mitglied im Deutschen Bund und würde Mitglied im Zollverein werden, nicht aber das Königreich Ungarn. Damit würde mitten durch den Staat eine Zollgrenze gehen.

Und selbst von den süddeutschen Staaten kam keine Unterstützung für den Beitritt Österreichs. Zur Haltung Bayerns in dieser Frage schreibt Wilhelm von Weber (1813-1894): „In Bayern war bis zum Jahre 1866 die weitaus überwiegende Mehrheit des Volkes zwar mit den Tendenzen und dem Systeme der preußischen Regierung, und namentlich den eigentümlichen Rechtsanschauungen derselben, wie sie in der schleswig-holsteinischen Frage und in inneren konstitutionellen Fragen zu Tage traten, nicht einverstanden; eine prinzipielle Abneigung oder ein wirklicher Hass war jedoch nirgends bemerkbar. Österreich hatte sich niemals besonderer Sympathien in Bayern zu erfreuen gehabt, und wenn auch Regierung sowohl wie Volk in der Rechtsfrage auf österreichischer Seite standen, so waren beide gleichwohl weit entfernt, auf Österreich große Hoffnungen in Bezug auf die Lösung der deutschen Frage zu setzen.“

Das Aus für die großdeutsche Lösung 1865

Metternichs Sorgen über eine schleichende politische Ausgrenzung Österreichs aus dem Deutschen Bund bewahrheiten sich. Als er deshalb bereit ist, Österreich dem Zollverein anzuschließen, um das Herausdrängen Österreichs aus Deutschland zu verhindern, kann er sich gegen seine politischen Gegner am österreichischen Hof, insbesondere Graf Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky (František Antonín Kolovrat-Libštejnský, 1778-1861), nicht durchsetzen.

Als sich in den 1850er Jahren der Steuerverein an den Zollverein anschloss und es zum Abschluss eines Handelsvertrages mit der österreichischen Monarchie kam, schien die großdeutsche Lösung noch einmal eine realistische Option zu sein. Diese Möglichkeit endete 1864, als Preußen durch seine Kündigung des Vertrags auf einen freihändlerischen Kurs drängte. Die Neuverhandlung des Vertrags, bei der die preußische Regierung den Zollverein indirekt auch als Instrument in der Auseinandersetzung um die Hegemonie in Deutschland einsetzte, hatte zur Folge, dass Österreich 1865 zollpolitisch zum Ausland wurde. […]

Die Fortsetzung dieses Beitrags lesen Sie in den nachfolgenden Ausgaben.

Peter Enders, Galina Nurtasinowa und Ulf Schneider

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