Ein deutsches Dorf in Kirgisistan, betrachtet durch die Linse einer Kamera: Ein Fotoworkshop bot den Teilnehmern neue Einblicke und unbekannte Perspektiven in die Geschichte der deutschen Minderheit.

Rot-Front? Ein deutscher Ortsname in Kirgisien?! Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Im Rahmen eines Foto-Workshops, der Mitte Oktober zum 20-jährigen Jubiläum der deutsch-kirgisischen diplomatischen Beziehungen stattfand, unternahmen wir eine Exkursion in die deutsche Siedlung in Kirgisistan. Früh am Morgen brachen wir auf. Als wir ankamen, empfing uns Wilhelm Lategahn und erzählte uns die Geschichte des Dorfes. Er zeigte uns viele Fotos von damaligen Einwanderern. Es war sehr interessant, die Wege der damaligen Deutschen zu sehen, die sie bis nach Kirgisien durchmachten. Unter uns gehörten die meisten zu der deutschen Minderheit, auch für sie war es neu. Als wir durch die Straße schlenderten, sahen wir viele typisch deutsche Häuser. Dabei fühlten wir eine ganz andere Atmosphäre. Auch eine Einführung in die deutsche Migrationsgeschichte durfte natürlich nicht fehlen. Rot-Front ist eines der wenigen Dörfer mit überwiegend deutschstämmiger Bevölkerung in der ehemaligen Sowjetunion.

Nachdem wir am ersten Tag etwas über die theoretischen Grundlagen des Fotografierens gelernt hatten, sollten wir unsere Kenntnisse in dem Dorf nun in die Praxis umsetzen. Der Fotoworkshop wurde von der Deutschen Botschaft in Bischkek in Partnerschaft mit dem Deutschen Haus und dem Sprachlernzentrum organisiert. Dafür luden sie eigens den deutschen Fotografen Stefan Giessner ein. Mit seiner Hilfe entdeckten wir, dass unsere Kameras mehr können als wir dachten. Wir probierten viel aus. Es war lehrreich und machte viel Spaß, die eigenen Ergebnisse zu sehen. Anschließend fuhren wir, 20 Fotografiebegeisterte, in die Gebirgsschlucht Kigety. Dort machten wir Bilder der Landschaft.
Am dritten Tag trafen wir uns wieder im Deutschen Haus – die Bilder mussten schließlich noch bearbeitet werden. Stefan erklärte die Grundlagen des Bildbearbeitunsprogramms Photoshop. Die Teilnehmer fingen engagiert an, zu arbeiten. Jede Gruppe stellte fünf ausgewählte und bearbeitete Bilder vor. Am Ende des Workshops sollte jeder Teilnehmer drei seiner selbst aufgenommenen und bearbeiteten Bilder einreichen. Die besten Bilder werden wir in einem Kalender veröffentlichen. Jeder Teilnehmer des Workshops lernte nicht nur die wichtigen Grundlagen des Fotografierens, sondern auch Fakten zur deutschen Minderheit in Kirgisien kennen. Solche Kenntnisse in einem multikulturellen Land wie Kirgisien sind sehr wichtig, um Toleranz und Verständnis aufzubauen. Ich persönlich habe viel gelernt und hoffe in Zukunft auf weitere ähnliche interessante Veranstaltungen.

Nasira Soodajewa studierte drei Jahre in Deutschland. Auch nach ihrer Rückkehr in die kirgisische Heimat bleibt sie der deutschen Kultur und Sprache verbunden, indem sie regelmäßig das Sprachlernzentrum in Bischkek besucht.

Von Nasira Soodajewa

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