Jedes Jahr lernen junge Führungskräfte der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik die Brennpunkte internationaler Politik vor Ort kennen – dieses Jahr ging die Reise für die Mitglieder des Körber-Netzwerks Außenpolitik nach Kasachstan. Während des fünftägigen Aufenthaltes in Astana und Almaty standen Diskussionen mit hochrangigen kasachstanischen Politikern wie Premierminister Karim Massimow und Ölminister Sauat Minbajew auf dem Programm, ebenso wie Treffen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, Nichtregierungsorganisationen und Medien. Für Liana Fix, Projektassistentin bei der Körber-Stiftung, war es auch eine Reise in ihre ehemalige Heimat.

/Bild: Körber-Stiftung. ‚Zu Besuch im Deutschen Haus in Almaty.’/

Nach ihrem Studium der Geschichts- und Medienwissenschaft, kam Liana Fix als Projektassistentin zur Körber-Stiftung, wo sie für die logistische Organisation und inhaltliche Mitgestaltung der Projekte zuständig ist.

Frau Fix, was hat die jungen Führungskräfte der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik auf ihrer Reise durch Kasachstan besonders beeindruckt?

Besonders beeindruckend war für unsere Gruppe sicherlich das Tempo, in dem sich Kasachstan entwickelt. Nichts symbolisiert dies besser als die Hauptstadt Astana, die innerhalb von zehn Jahren faktisch neu geschaffen wurde. Dennoch ist der Kontrast zwischen der Hauptstadt und den restlichen Teilen dieses flächenmäßig riesigen Landes unübersehbar und stimmt nachdenklich.

Sie sind selbst in Kasachstan, das damals noch Teil der Sowjetunion war, in der Stadt Karaganda als „Russlanddeutsche“ geboren. Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an ihre ehemalige Heimatstadt denken?

Vor allem erinnere ich mich an den Hof meiner Großeltern und an den süßen, intensiven Geschmack der selbst gezüchteten Tomaten. Damals war es in den Vororten und den ländlichen Gebieten Kasachstans sehr üblich, zur Selbstversorgung seine eigenen Tiere zu halten und Gemüse anzupflanzen – die überschüssigen Tomaten wurden dann eingelegt und von „Babuschkas“ auf dem Markt verkauft. Einige Verwandte mütterlicherseits leben dort immer noch.

Ihre Familie zog nach Deutschland, als Sie zwei Jahre alt waren. Wie ist der Integrationsprozess verlaufen?

Mein Großvater hat mir Deutsch beigebracht, allerdings ein sehr altertümliches Deutsch, das er sich noch aus der Zeit der Wolgadeutschen Republik bewahrt hat. Im Kindergarten und in der Schule habe ich mich dann schnell angepasst und hatte keine sprachlichen Probleme mehr.

Fühlen Sie sich heute noch als Russlanddeutsche?

Da ich den Großteil meines Lebens, an das ich mich bewusst erinnern kann, in Deutschland verbracht habe, fühle ich mich hier zugehörig. Dennoch habe ich meinen russlanddeutschen Hintergrund immer im Bewusstsein, insbesondere, da die Geschichte der Russlanddeutschen eine der vielen tragischen Geschichten des 20. Jahrhunderts ist.

Sprechen Sie Russisch?

Ja, das konnte ich mir zum Glück erhalten und baue die Kenntnisse auch weiterhin aus.

Gibt es etwas, was Sie in Deutschland vermissen?

In erster Linie vermisse ich natürlich die Familie. Aber es ist auch ein vages Bedürfnis nach der russischen Kultur, Geschichte und Sprache, das sich zum Beispiel in einer Vorliebe für russische Schriftsteller und Musiker ausdrückt.

Interview: Christine Karmann

Nach ihrem Studium der Geschichts- und Medienwissenschaft, kam Liana Fix als Projektassistentin zur Körber-Stiftung, wo sie für die logistische Organisation und inhaltliche Mitgestaltung der Projekte zuständig ist.

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Die Körber-Stiftung und Kasachstan:

Das Körber-Netzwerk Außenpolitik fördert junge Führungskräfte in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Die Mitglieder arbeiten in den Büros von Bundestagsabgeordneten und Fraktionen, im Bundeskanzleramt, im Bundespräsidialamt, im Auswärtigen Amt und verschiedenen anderen Bundesministerien sowie bei Berliner Botschaften und Think Tanks. Sie sind auf persönliche Empfehlung in diesen Kreis eingeladen worden und gelten als die zukünftigen Gestalter deutscher und europäischer Außenpolitik. In regelmäßigen Abständen finden im Berliner Büro der Körber-Stiftung Hintergrundgespräche mit Entscheidungsträgern und Experten zu aktuellen Themen statt. Zusätzlich lernt die Gruppe einmal im Jahr beim so genannten „Field Trip“ Brennpunkte internationaler Politik vor Ort kennen – dieses Jahr ging die Reise nach Kasachstan.

Die Körber-Stiftung hat bereits im Jahre 2007 in Astana den „Bergedorfer Gesprächskreis“ veranstaltet, eines ihrer ältesten und traditionsreichsten Projekte unter Vorsitz des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Bei diesem Gesprächskreis trafen hochrangige Vertreter von kasachstanischer Seite zusammen mit deutschen sowie europäischen Politikern und Experten und diskutierten gemeinsam die Herausforderungen europäischer Politik in Zentralasien.

Außerdem lädt die Körber-Stuftung bereits zum zweiten Mal einen kasachstanischen Teilnehmer zum Gesprächskreis der „Munich Young Leaders“ ein. Dabei diskutieren 25 herausragende internationale junge Führungskräfte über aktuelle Fragen transatlantischer Außen- und Sicherheitspolitik mit hochrangigen Politikern im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz, eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Konferenzen im europäischen und transatlantischen Raum.

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