Die COVID-19-Pandemie hat alle Bereiche unseres Lebens rasch verändert. Neue Standards wurden gesetzt. Bildungsprozesse sind da keine Ausnahme. Wie gut sind die kasachischen Universitäten auf die neuen Herausforderungen vorbereitet? Wie haben die Schüler bislang auf innovative Lernformen reagiert?

Vertreter aus allen Bereichen des Bildungslebens kamen am vergangenen Freitag an einem Runden Tisch zusammen, um die brennendsten Fragen rund um das Thema Fernunterricht in Kasachstan zu beantworten. Die Veranstaltung fand im Online-Format statt und wurde auf Initiative der Friedrich-Ebert-Stiftung von der Deutsch-Kasachischen Universität durchgeführt. An der Diskussion nahmen Vertreter der Stiftung, des Verwaltungs– und Lehrpersonals der DKU, Eltern und Studierende der Universitäten in Almaty teil.

Studenten der Universitäten im ersten und dritten Studienjahr in Almaty teilten ihre Ansichten zum neuen Bildungsformat:

Sultan Masheyev, Student der DKU im ersten Studienjahr, Fachrichtung „Internationale Beziehungen“:

„Die Situation für Studierende im ersten Studienjahr ist nicht eindeutig: Einerseits sparen wir Wegzeit, andererseits sind viele technische und psychologische Probleme aufgetreten. Eine Umfrage unter meinen Kommilitonen ergab, dass ein Drittel von ihnen keine qualitativ hochwertige Verbindung hat, was zu unbefriedigenden Lernergebnissen führt. Das Fernlernformat ermöglicht es, weiter zu lernen, aber in einem lebendigen Format nimmt man Fachinhalte viel einfacher auf. Am meisten leidet die Qualität in Sprachfächern, da dort der Live-Kontakt eine besonders große Bedeutung hat.

Trotz der verschärften Situation konnten sich die Lehrkräfte recht schnell anpassen. Wir danken auch der Verwaltung der DKU für die Empfehlung, 40-minütige Vorträge zu halten, wodurch die Belastung für die Gesundheit und den täglichen Zustand deutlich gesunken ist. Man kann nicht behaupten, dass die Situation für Studierende des ersten Jahrgangs schwieriger ist als für andere. Aber unser Fall ist ein besonderer, weil wir in einem Kalenderjahr in drei verschiedenen Formaten studiert haben.

Vor einem Jahr saßen wir in der Schule und haben uns auf die Abschlussprüfungen vorbereitet, im September haben wir an der Universität studiert, und im Frühling haben wir bereits mit dem Fernunterricht begonnen. Die ständige Anpassung an Neues ist eine nützliche Fähigkeit, aber keineswegs einfach und mit psychischen Belastungen verbunden. Im Allgemeinen ist die Situation für uns nicht erschreckend, sondern unklar und neblig.“

Zhaniya Aitelenova, Studentin im Fach „Finanzwesen“:

„Die Last hat sich verdoppelt. Das gilt sowohl für Studenten als auch für Dozenten. Viele Studenten verschiedener Universitäten klagen über Kopf– und Augenschmerzen. Jetzt konzentriert sich unser ganzes Leben auf das Internet. Aus den positiven Erfahrungen kann man schließen, dass wir mit neuem Wissen aus dieser Krisenzeit herauskommen werden. Für uns ist es jetzt sehr wichtig, nicht still zu sitzen, sondern verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln, um auch in Krisenzeiten auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Dank des Selbststudiums sind die Studenten eindeutig besser auf das vorbereitet, was in der Zeit nach der Quarantäne passieren wird.“

Andere Kommentare zeigen, dass die Hauptschwierigkeit bei den Studenten das Problem mit der Internet-Verbindung bleibt. Es ist schwierig für Sie, das Material zu verinnerlichen und sich auf Online-Vorlesungen zu konzentrieren. Außerdem sind alle besorgt über die Frage des Online-Prüfungszeitraums. Es gab zahlreiche Petitionen mit der Bitte, die Online-Prüfungen abzubrechen. Die Verwaltung vieler Universitäten hielt dies für eine Provokation. Die Studenten wiesen dagegen darauf hin, dass die Prüfungszeit ohnehin schon ein großer Stress sei und Online-Prüfungen diesen noch verschärfen könnten.

Sind Eltern mit der Qualität des Online-Lernens für ihre Kinder zufrieden?

Der Übergang zur universitären Fernbildung verlief im Fall von DKU und KIMEP recht reibungslos. Diese Universitäten haben ein eigenes Portal, auf dem die Aufgaben platziert werden. Auch die abgeschlossenen Arbeiten werden dort hochgeladen. Daher waren Studenten und Eltern schon länger mit einem solchen Format vertraut.

Eine Teilnehmerin des Rund-Tisch-Gesprächs: „Mir ist wichtig, dass unsere Kinder nicht viel Stress haben. Deshalb ist es notwendig, dass eine gute Verbindung mit dem Lehrer besteht. Das Fernlernformat zeigte uns, was wir für ein erfolgreiches Studium benötigen: einen guten Computer mit aktualisierter Software, eine hochwertige Internetverbindung und, am wichtigsten, eine gewissenhafte Einstellung von Schülern und Studenten zum Lernen.“

Allgemein gibt es von Seiten der Eltern Verständnis dafür, dass das Lernen im Online-Format eine notwendige Maßnahme während der Quarantäne ist, die jetzt angepasst werden muss. Ihnen ist auch klar, dass Fernunterricht ihren Kindern neue Perspektiven eröffnen kann.

Lehrkräfte und Unileitungen

Auch Lehrkräfte äußerten sich bei der Diskussion. Sie haben natürlich ebenfalls wahrgenommen, dass sich der Fernunterricht vom gewohnten Standard unterscheidet. Die Arbeitszeit im Rahmen des normalen Acht-Stunden-Tages verschwimme und es scheine, als ob man den ganzen Tag am Computer verbringt, so eine Wortmeldung. Der positive Nebeneffekt sei jedoch, dass die Zahl der Studierenden, die Vorlesungen besuchen, zunehme. Die Universitätsleitungen erklärten zudem während des Gesprächs, wie viel Aufwand sie hätten, um den Großteil des pädagogischen und didaktischen Materials auf die Online-Plattform zu übertragen. Das Wichtigste sei, die akademische Gerechtigkeit bei der Benotung der Prüfungen zu wahren, da dies später die Verteilung der Stipendien beeinflusse.

Kristina Librikht

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