Buenos Aires, Nairobi, Ust-Kamenogorsk – überall auf der Welt legen die Schüler in der Zeit von Mitte Dezember bis zum Frühjahr ihre Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) ab. In Kasachstan werden die Schüler an sechs Schulen mit vertieftem Deutschunterricht auf die Sprachdiplom-Prüfung vorbereitet. /Foto: privat/

Im Interview mit der DAZ spricht der Koordinator des Lehrerentsendeprogramms der Zentralstelle für Auslandschulwesen, Dr. Reinhard Zühlke, über die Bedeutung des Deutschunterrichts in Kasachstan.

Kürzlich fand in Almaty eine Konferenz mit den Direktoren und Deutschlehrern von den sechs Schulen statt, die in Kasachstan mit vertieftem Deutschunterricht auf das Deutsche Sprachdiplom (DSD) vorbereiten. Welche Themen wurden dort diskutiert?


Auf der Konferenz haben wir vor allem Möglichkeiten besprochen, wie sich die Qualität des Deutschunterrichts noch weiter verbessern lässt. Bisher hatte es für uns Priorität, entsprechend den Vorgaben der deutschen Kultusministerkonferenz genügend Schüler für den vertieften Deutschunterricht zu gewinnen. Pro Jahr und Schule brauchen wir mindestens zwölf Schüler. Die Anzahl der Sprachdiplomschulen in Kasachstan hat sich in den letzten sieben Jahren von drei auf sechs verdoppelt, ebenso hat sich die Anzahl der Sprachdiplom-Prüfungen verdoppelt.

Wie viele Sprachdiplome werden in diesem Schuljahr voraussichtlich vergeben?

In Kasachstan werden in diesem Schuljahr 118 Schüler an der DSD-Prüfung teilnehmen. Erfahrungsgemäß bestehen dank der guten Vorbereitung nahezu alle die Prüfung. Besonders stark ist das Interesse am DSD derzeit in Astana. Dort werden in diesem Schuljahr über 50 Prüfungen abgelegt. Möglicherweise ist in Astana, bedingt durch den Regierungssitz, das Bedürfnis, Fremdsprachen zu lernen, größer. Vielleicht liegt es aber auch am Namen der Schule – sie heißt Deutsches Schulzentrum. Hinzukommt, dass das Angebot der Schule auch Kindergarten und Vorschule umfasst.

Sie umwerben die DSD-Prüflinge von morgen also schon sehr früh?

Wir müssen versuchen, bereits für die Grundschulklassen genügend Schüler zu finden, die sich für Deutsch als Fremdsprache entscheiden, damit wir auch zukünftig genügend DSD-Gruppen heranziehen. Am Humboldt Gymnasium in Ust-Kamenogorsk haben wir in diesem Schuljahr erstmals zwei erste Klassen, die Deutsch lernen. Die eine Klasse lernt Deutsch intensiv als erste Fremdsprache, die andere Klasse wird Deutsch als zweite Fremdsprache lernen.

Viele junge Sprachlerner und stabile DSD-Prüfungszahlen – es steht also gar nicht so schlecht um die Zukunft von Deutsch als Fremdsprache in Kasachstan?

Die vielen positiven Anzeichen dürfen natürlich über eines nicht hinwegtäuschen: Deutsch als Fremdsprache ist in Kasachstan in die zweite Reihe gerutscht! Zukünftig geht es weniger um Quantität als viel mehr um Qualität. Deshalb bilden wir die einheimischen Deutschlehrer weiter. Durch die Fortbildung bekommen die Lehrer modernstes pädagogisches Wissen und didaktisches Können. Damit wollen wir auch ein Stück weit zur Modernisierung des gesamten kasachischen Schulwesens beitragen. Die von uns in Kasachstan oder in Deutschland geschulten Lehrer treten auch an Ihren Schulorten als Fortbildner auf, so dass die Kenntnisse Schritt für Schritt weitergegeben werden. In Almaty bieten beispielsweise die einheimischen Deutschlehrer Fortbildungen für alle Sprachenlehrer der Stadt an.

Die Deutschlehrer an den DSD-Schulen sind demnach überdurchschnittlich gut ausgebildet. Wie macht sich das im Unterricht bemerkbar?

Schüler, die sich mit vertieftem Deutschunterricht auf das DSD vorbereiten, lernen mehr als andere. Sie bekommen im Deutschunterricht besondere Lern- und Arbeitstechniken vermittelt, die bislang in Kasachstan noch nicht so verbreitet sind und ihnen auch in anderen Fächern helfen. So arbeiten sie im Deutschunterricht zum Beispiel mit Grafiken, Karikaturen und Tabellen.

Welche Perspektiven haben Schüler, die das Deutsche Sprachdiplom in Kasachstan erwerben?

Wir bieten in Kasachstan das Deutsche Sprachdiplom C1 an. Das ist eine Sprachprüfung nach dem europäischen Referenzrahmen auf dem Niveau C1, und das bedeutet die Befähigung zum Studium in Deutschland. Schüler, die das DSD C1 ablegen, können ohne extra Sprachtest in Deutschland studieren.

Mit dem Deutschen Sprachdiplom werden die Schüler also auf ein Studium in Deutschland vorbereitet?!

Das ist eine Option. Viele andere Optionen ergeben sich direkt in Kasachstan. Deutschland ist für Kasachstan ein wichtiger Partner. Es gibt gute politische Beziehungen zwischen den beiden Staaten, und auch der wirtschaftliche Austausch boomt. Im Rahmen der europäischen Zentralasienstrategie wird sich Deutschland zukünftig noch stärker als bisher in Kasachstan engagieren. Dafür werden Partner gebraucht. Unsere DSD-Schüler sind die Spezialisten von morgen und die besten Partner für deutsche Unternehmen und Organisationen. Schüler die sich für das DSD und danach vielleicht für ein Studium an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty entscheiden, haben hervorragende Perspektiven in Kasachstan.

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Dr. Reinhard Zühlke

Dr. Reinhard Zühlke (54) ist seit 2004 in Kasachstan. Zunächst war er an einer Schule in Ust-Kamenogorsk Fachschaftsberater für Deutsch als Fremdsprache. Seit September 2007 unterrichtet er in Almaty am Linguistischen Gymnasium Nr. 18 und ist außerdem als Koordinator der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Kasachstan tätig. In dieser Funktion ist er für die Realisierung des deutsch-kasachischen Lehrerentsendeabkommens verantwortlich und betreut das Sprachdiplomprogramm. Die derzeit sechs von der ZfA nach Kasachstan entsandten Deutschlehrer arbeiten an Schulen in Astana (2), Almaty (2) und Ust-Kamenogrosk (2). Aktobe soll wieder eine deutsche Lehrkraft bekommen. (fus)

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14/12/07

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