Christoph Frei präsentierte am Freitag im Cinema Music Club Almaty seinen Dokumentarfilm „Space Tourists“. In den deutschen Kinos lief am 1. September der Film „Baikonur“ von Veit Helmer an, der mit „Space Tourists“ so einiges gemeinsam hat.

/Bild: www.space-tourists-film.com. ‚Schwerelos auf der ISS – Weltraumtouristin Anousheh Ansari. ‚/

Nicht nur Kosmonautik-Fans kamen am 2. September im Cinema Music Club, Almaty, auf ihre Kosten: das Goetheinstitut lud alle Partnerorganisationen und Kulturinteressierte zur Filmvorführung von „Space Tourists“ mit dem Schweizer Regisseur Christian Frei ein. Der Dokumentarist erzählt in dem 2009 erschienenen und mehrfach preisgekrönten Film Geschichten von Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Der Film erzeugt ein Spannungsverhältnis zwischen den Lebensweisen von milliardenschweren Weltraumtouristen und armen Schrottsammlern, die abgestürzte Raketenstufen als Weltraummüll aufsammeln.
Da gibt es zum einen die iranischstämmige Weltraumtouristin und Sponsorin des Flugs Anousheh Ansari, die ihren Traum vom Weltraumflug unter allen Umständen verwirklichen möchte. Als erste weibliche Weltraumtouristin fliegt Ansari in einer Sojus-Rakete nach absolviertem Kosmonauten-Training auf die International-Space-Station ISS. Der Film begleitete die Ingenieurin und Milliardärin auf ihre Reise ins Weltall. Sie finanzierte nicht nur mit 10 Millionen Dollar die Hälfte des Fluges, sondern unterstützte mit dem „Ansari-X-Preis“ auch die privatwirtschaftliche Raumfahrt.

Oder aber die Schrottsammler, die immer wieder aufs Neue ihr Glück in der Steppe suchen, indem sie den Raketenschrott orten, aufsammeln und die wertvollen Einzelteile zu Geld machen. Diese Geschichte beeindruckte Frei persönlich am meisten, bekennt der Regisseur im Anschluß an die Filmvorführung. In Kasachstan selbst wissen die Menschen von dieser Art des Lebensunterhalts. Durch „Space Tourists“ jedoch wird das Schicksal der Schrottsammler nun auch dem Publikum im Westen filmisch aufbereitet.

Krise und Wandel in der Geschichte der Raumfahrt

Trotz aller Unterschiede ist es die Raumfahrt, welche die Darsteller in „Space Tourists“ verbindet: sei es nun der uralte Menschheitstraum vom Fliegen ins All, den sich die Weltraumtouristen erfüllen möchten, oder die lohnenswerte Jagd nach Weltraummüll.
Dennoch gehe es Frei nicht um die Darstellung des kommerziellen Weltraumtourismus, sondern vor allem um Gefühle. Die beeindruckenden Bilder vom Start der Sojus-Rakete, dem Aufenthalt der auf der ISS, oder aber dem kargen Leben in der Steppe nahe dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur sind immer nahe bei den Menschen. Mit „Space Tourists“ dokumentiert Frei den beginnenden Wandel in der Raumfahrtgeschichte. Nach der Einstellung des Space-Shuttle-Programms „Buran“ ist Baikonur in eine tiefe Krise geraten. Die Bilder zeigen den schon lang verblichenen Ruhm der sowjetischen Raumfahrt und damit die Zustände, wie sie wirklich sind. Die tristen technischen Anlagen, die Überbleibsel der Raketen und riesigen verlassenen Wohnkomplexe lassen eine eigenartige Mischung aus Nostalgie und Bedauern beim Zuschauer aufkommen. Dennoch wird der Weltraumtourismus in Baikonur als neue Möglichkeit, ja als Chance dargestellt, trotz immenser Kosten einfach weiterzumachen. Damit gewinnt „Space Tourists“ an Wahrhaftigkeit und Authentizität.

Frei untermalt die einzigartigen Bilder mit einem rezitierten Gedicht Arseni Tarkowskis „Myriaden von Sternen“: wie ein inbrünstig geflüstertes Gebet erklingen die erhabenen Zeilen und geben dem Dokumentarfilm eine sehr poetische Note.

Ein bizarres Märchen und der Traum vom Fliegen

Nach dem Schweizer Dokumentarfilmer Christian Frei befaßte sich nun Veit Helmer in seinem neuen Film „Baikonur“ mit dem Weltraumtourismus und knüpfte mit seinem Werk an den Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Frei „Space Tourists“ an.

Der Film handelt von Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Armut, sozialer Not und unvorstellbarem Reichtum. Ein „bizarres Märchen“, so Filmkritiker, welches Unterhaltung und Spannung bietet. Eingebettet in eine Liebesgeschichte zwischen einem armen Nomaden und einer französischen Weltraumtouristin, sind eindeutige Parallelen zu den Schrottsammlern und der Weltraumtouristin Ansari bei Christian Frei zu erkennen. In seiner Hommage an „Space Tourists“ erinnert Helmer an den Menschheitstraum des Fliegens und an Wunder, an die man noch glauben darf.

„Baikonur“ ist also ein Muß für alle, die schon von „Space Tourists“ fasziniert waren. Veit Helmers Film lief am 1. September in den Kinos an.

Von Malina Weindl

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