Nach gut 600 Kilometern sind die Hinterländer Mountainbiker (HMB) wieder in der deutschen Heimat angekommen. Zwei Wochen lang waren sie in Russland und Kasachstan unterwegs – auf den Spuren der Wolgadeutschen.

Selina Brust, Praktikantin der Deutschen Botschaft in Nur-Sultan

Die Mountainbiker können nun sowohl auf ihre Leistung als auch auf die Radtour erfreut zurückschauen. „Fünf verrückte Hessen in Russland und in Kasachstan“ – was so abenteuerlustig klingt, ist es auch. „Wir wollten Russland erschmecken“, erzählt Ulrich Weigel, Mitbegründer der HMB. Die konstante Besetzung der Truppe seit mehr als 25 Jahren trägt zu ihrer Entschlossenheit bei, und lässt das Team durch Dick und Dünn gehen.

Zwei Jahre dauerte die Vorbereitung der Reise in den Osten. Auf die Idee nach Russland zu fahren, kamen die Mountainbiker durch Reinhard Balzer, einem langjährigen Unterstützer der Gruppe. Zahlreiche aus Hessen stammende Familien waren im 18. Jahrhundert dem Ruf von Katharina der Großen gefolgt und hatten sich in den Ebenen beiderseits der Wolga angesiedelt. Die HMB folgte der Spur der Familie Engel, die sie zum Schluss nach Nur-Sultan führte, wo die Gräber dieser Familie ausfindig gemacht werden konnten.

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Hinterländer Mountainbiker
Packen, bevor es zurück nach Deutschland geht: Die HMB nach ihrer Ankunft in Nur-Sultan. | Foto: Deutsche Botschaft Nur-Sultan

Bei der Tour entlang der Wolga – von Kasan über Engels und Samara, wo viele Wolgadeutsche lebten, bis nach Kasachstan – sei nicht ausschließlich der historische Hintergrund von Bedeutung gewesen. Insbesondere wurde in Bezug auf wolgadeutsche Aussiedler deren Dialekt unter die Lupe genommen, was zu überraschenden und aufschlussreichen Erkenntnissen führte. „Russlandhessisch“ wird in diesem Teil der Welt zumindest noch teilweise gesprochen. Auch ohne wolgadeutschen Hintergrund stellt dies für die Mountainbiker eine besondere Verbindung zu den Bewohnern der Wolgaebene dar.

1992 geründet, hatten die HMB schon zahlreiche Touren in der ganzen Welt: vom Ortesweg in Deutschland über Hannibals Spuren in den Alpen bis in die weite Welt. Mit der Zeit setzte sich die eingespielte Truppe immer weitere Ziele. „Es muss unmöglich klingen“, sagt Ulrich Weigel. So waren die fünf Sportler unter anderem schon in China, Brasilien, Namibia und Japan. Weigel erweckt den Eindruck, dass ihm und seiner Gruppe nichts im Weg stehen kann.

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Dabei bleiben Herausforderungen nicht aus. In diesem Jahr sei die Logistik besonders schwierig gewesen, erzählt Weigel, da die Radler zum ersten Mal mit E-Bikes unterwegs waren. Spediteure transportieren nur ungern die hochexplosiven Akkus der Räder. Zwar konnten diese am Ende nach Russland eingeführt werden, in Kasachstan musste dann jedoch ohne elektrische Unterstützung in die Pedale getreten werden.

Die zahlreichen Sponsoren, zu denen neben Fahrradausrüstern auch eine große deutsche Technikfirma sowie eine russische Fluglinie gehören, seien in der Lösung solch kleiner Erschwernisse von wesentlicher Bedeutung gewesen. Trotz dieser überwindbaren Hürden freuten sich die HMB über die sehr gute Vernetzung während der gesamten Tour und ebenso über die – wortwörtlich – erfahrene Hilfsbereitschaft und Kontaktfreudigkeit der Menschen. Besonders die Strecke von Russland nach Kasachstan habe sich als eine positive Erfahrung in ihre Erinnerung eingeprägt und wurde wie „der Weg nach Asien“ wahrgenommen.

Wer jetzt denkt, das Projekt sei inzwischen abgeschlossen, täuscht sich. Die Arbeit besteht nun darin, das während der Tour gesammelte Filmmaterial und die Tagebucheinträge aufzuarbeiten. Im Dezember dieses Jahres soll die Uraufführung des Films der Mountainbiker in Herborn stattfinden. Danach wird er auf YouTube frei zugänglich sein, ganz nach dem Motto „Kultur für alle“. In die Zukunft kann gespannt geblickt werden – und manch einer könnte sich schon jetzt fragen, wohin die nächste Tour der Gruppe wohl hinführen wird.

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