Die Stadt Almaty wird festlich geschmückt. Am Platz der Republik in Almaty stehen kasachische Jurten, die zu Cafes umfunktioniert wurden. Die Menschen räumen ihre Häuser und Wohnungen auf und säubern ihre Gärten und Höfe. Nauryz steht vor der Tür. Am 22. März wird in Kasachstan traditionell der Frühlingsanfang gefeiert

Nauryz bedeutet „Neues Jahr“ oder „Neuer Tag“. Der Feiertag symbolisiert die Wiedergeburt der Natur und fällt mit dem Sommeranfang zusammen. An Nauryz sind Nacht und Tag gleich lang.

Der Brauch geht auf eine 3000 Jahre alte Tradition zurück. Nauryz hat die Dominanz von Islam und die sowjetische Zeit in Zentralasien überdauert. Von Generation zu Generation wurde die Tradition des Nauryzfestes weiter gegeben. Es ist eines der beliebtesten Feste Zentralasiens. In Kasachstan wird es als Fest aller Völker der Republik gefeiert.

Heutzutage ist Nauryz ein offizieller Feiertag in zentralasiatischen Ländern sowie in Afghanistan, Pakistan und im Iran. Das ganze Fest ist dem Frühlingsanfang gewidmet.

In den verschiedenen Ländern, in denen Nauryz gefeiert wird, unterscheiden sich leicht die Traditionen. Die Menschen in Aserbaidschan feiern den Nauryz schon am 21. März. Bereits zwei Wochen vor dem Fest spielen Musikanten und treten Tänzer auf den Strassen auf. In Kirgisistan wird Nauryz bereits am 20. März gefeiert. Jede Familie in den Dörfern beauftragt die Kinder damit, das Neujahrsfeuer anzulegen. Dann springt jeder über das Feuer, man verabschiedet sich vom Winter und betet für Glück und Gesundheit. In den Städten klopfen die Kinder an die Türen und lassen leere Hüte und Mützen vor der Tür stehen, damit sie Süßigkeiten und Nüsse bekommen.

In Afghanistan finden die Feierlichkeiten zu Nauryz oft neben oder auf den Friedhöfen statt, denn auch am Neujahrstag sollen die Toten nicht vergessen werden. Schausteller stellen dort ihre Zelte auf. Das Fest wird auch als Symbol für die Reinkarnation, also Wiedergeburt des Lebens, verstanden. Gleichzeitig soll Nauryz als Versuch verstanden werden, mit den Naturgesetzen in Harmonie zu leben. In den afghanischen Häusern müssen sieben Gemüse- und Obstsorten auf dem Tisch stehen. Sie symbolisieren die sieben Tugenden des Lebens: Wiedergeburt, Reichtum, Glück, Liebe, Freude, Gesundheit und Bescheidenheit.

In allen Ländern ist die traditionelle Speise „Nauryz-Kushe“ gleich. Die Speise besteht aus sieben Zutaten: geräuchertes Pferdefleisch, Kefir, Wasser, Salz, Hirse, Reis und Gemüse. Diese Zutaten an Nauryz bedeuten, dass man das ganze Jahr diese Produkte im Haus haben möchte. Die Menschen kochen an diesem Tag viele Süßspeisen und färben Eier.

An Nauryz wird in ganz Zentralasien nicht gearbeitet. Es gibt verschiedene Festivals in der Stadt, Partys an Schulen und gegenseitige Besuche in den Häusern. Menschen in Kasachstan führen traditionelle kasachische Tänze auf und tragen bunte traditionelle Kostüme. Pferde- und Schafsfleisch gibt es an diesem Feiertag auf jedem Tisch. Der Älteste am Tisch schneidet einen Schafskopf in Einzelteile und während er sie verteilt, bietet er Rat an. Wenn einem Kind ein Schafsohr angeboten wird, bedeutet es, er soll zuhören und aufmerksam sein.

Das Wichtigste an diesem Tag ist das Essen. Die Menschen glauben, dass das viele Essen an Nauryz Wohlstand und Reichtum im kommenden Jahr bringt. In Aserbaidschan werden sieben traditionelle Speisen wie Plow (Reisgericht mit Fleisch und Gemüse) für Nauryz vorbereitet.

Die Vorbereitungen für das Fest finden schon vier Wochen im Voraus statt. Die Menschen machen jeden Mittwoch vor dem Fest einen Frühjahrsputz in ihren Häusern und Gärten.

Da es kein religiöses Fest ist, sondern ein Fest der Natur und des Frühlings, wurde es auch während der Sowjetzeit gefeiert, während andere moslemische Feiertage verboten wurden. Als ein Fest der Natur werden an diesem Tag viele Bäume gepflanzt und gründlich aufgeräumt.

Während des Festes ist in Afghanistan sogar das Glücksspiel für Erwachsene erlaubt, was normalerweise vom Islam verboten ist. Kartenspiele und Wetteinsätze, die sonst gesellschaftlich geächtet werden, werden an diesem Feiertag geduldet. Für die Kinder gibt es Spielzeug, Karusselle, bunte Eier, Süßigkeiten und verschiedene Spiele.

Traditionsgeäß werden Spezialitäten aus Pflanzen und Nahrungsmitteln zubereitet, die mit dem Buchstaben „Sin“= „S“ beginnen. Auch Obst wird speziell zubereitet. Vor dem Fest werden verschiedene getrocknete Hülsenfrüchte eingeweicht. Kurz vor dem Fest kommen Rosinen, Abrikosen, Wasser und Zucker hinzu. Diesen Fruchtcocktail nennen die Afghanen „Haft-Mewa“, also „Sieben Früchte“. Die Zahl Sieben hat an Nauryz eine ganz besondere Bedeutung. Die Sieben wird vielfach als Glückszahl genannt. Nach dem Koran erschuf Allah sieben Himmel und sieben Höllen. Ebenfalls siebenmal muss der fromme Muslim bei der Wallfahrt nach Mekka die Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude, umkreisen.

Zwei Wochen vor dem Fest werden Keimlinge (Samanak) angesetzt. Am Vorabend bringen die Mädchen das gepresste Grünzeug, Symbol des Aufblühens, im offenen Feuer zum Kochen und rühren diesen Brei die ganze Nacht hindurch. Dabei singen sie Lieder und spielen Tamburin, eine Handtrommel. Am Morgen wird der süße Brei zum Frühstück als Hoffnung auf Erfüllung der Wünsche serviert.

Neugeborene, Verlobte oder frisch Vermählte bekommen besonders gute Geschenke. Männliche Babys, die an diesem Tag geboren werden, bekommen den Namen Nauryz. Es ist ein Fest des Säens, Befruchtens, des Aufblühens und der Lebenslust. In diesem Sinne: „Nauryz kytti bolsyn!“, also „Alles Gute zum Neuen Jahr“!

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