Obwohl die Überschrift dieses Aufsatzes auf Usbekisch formuliert ist, ist es nicht aufwendig, deren Bedeutung zu verstehen. Denn die Wörter „Gastarbeiter“ (usbekisch „Gastarbajter“) und „Galosche“ (usbekisch „kalisch“ oder „kalosch“) gibt es im Usbekischen auch. Das Wort „Gastarbeiter“ wurde in usbekischer Sprache erst in den letzten Jahren sehr populär. Aber ich habe nie gedacht, dass das usbekische „kalish“ eigentlich den Deutschen gehört.

/Bild: Binafscha Kalandarowa. ‚Referent Dr. Bahodir Primow, Experte für deutsche Entlehnungen im Usbekischen.’/

Solche Wörter, die in den verschiedenen historischen Perioden aus der deutschen Sprache zum Usbekischen gekommen sind, wurden in dem wissenschaftlichen Vortrag „Deutsche Entlehnungen im Usbekischen“, der vor kurzem im Goethe-Institut Taschkent gehalten wurde, analysiert. An der Veranstaltung haben die Deutschlehrer sowie die Schüler und Studenten, die Deutsch lernen, teilgenommen. Als Referent ist Herr Dr. Bahodir Primow, Dekan der Fakultät für romanisch-germanische Philologie der Fremdsprachen-Hochschule in Samarkand aufgetreten. Er erläuterte die Definition, den Gebrauch und die Bedeutung der aktiven und passiven Entlehnungen und berichtete über die Entwicklungsprozesse der Sprache an zahlreichen Beispielen.

Laut Herrn Dr. Pirimow sind die deutschen Entlehnungen hauptsächlich aus der russischen Sprache ins Usbekische. Die Mehrheit dieser Wörter werden in der modernen usbekischen Sprache sehr aktiv benutzt, jedoch sind einige nur selten verwendbar. Im Usbekischen gibt es auch aktiv benutzte Entlehnungen, die aber im modernen Deutsch kaum verwendet werden. Zum Beispiel, das Wort „Klaviatura“, das wegen der Entwicklung der Computer und Informationstechnologien aus dem Deutschen gekommen ist, wird im Usbekischen sehr weit benutzt. Merkwürdig ist es aber, dass die zeitgenössischen Deutschen die eigene „Klaviatura“ nicht „Klaviatur“ sondern „Tastatur“ nennen.

Germanismen in der usbekischen Sprache

Eine der Entlehnungen, die im Usbekischen stark verwurzelt sind, „Schlagbaum“ (deutscher „Schlagbaum“) besteht aus den deutschen Wörtern „schlagen“ und „Baum“. Interessant ist, dass heute die Deutschen selber den „Schlagbaum“ sehr selten benutzen. Eine der Teilnehmer aus dem Goethe-Institut hat dazu hinzugefügt, dass das Wort „Schlagbaum“ in der modernen deutschen Sprache nur in besonderen Fällen benutzt wird, und zwar im Sinne von Grenze zwischen den Ländern. „Das wird vielleicht darum sehr selten benutzt, weil es heutzutage keine Grenze mit Schlagbaum zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern mehr gibt“, betonte sie.

Am Ende der Veranstaltung hat der Referent Dr. Primow über seine wissenschaftliche Arbeit berichtet: „Wir mussten den Vortrag in kürzer Zeit fertigstellen. Deswegen konnten wir nur 320 deutsche Entlehnungen finden und analysieren. Aber nach unserer Beobachtung überschreitet die Zahl der Germanismen in der usbekischen Sprache 500 Wörter. Diese Zahl enthält auch die Wörter, die irgendwann aus anderen Sprachen wie der lateinischen, der griechischen und der französischen in die deutsche Sprache übernommen wurden. Für die Recherche stehen uns das fünfbändige erläuternde Wörterbuch der usbekischen Sprache, die zwölfbändige nationale Enzyklopädie Usbekistans, offene Ressourcen im Internet sowie andere Literatur und Fachbücher zur Verfügung.“

Diese Veranstaltung hat im Rahmen des Projektes „Deutsche Spuren in Usbekistan“ stattgefunden. Das Goethe-Institut Taschkent lädt alle Interessenten ein, an diesem Projekt mit eigenen Beitragen teilzunehmen und deutschen Spuren in Usbekistan zu folgen. Die Ergebnisse des Projektes „Deutsche Spuren in Usbekistan“ werden während der Deutschlandwochen in Zentralasien, die im Herbst 2010 stattfinden werden, präsentiert. Für die ausführlichere Information besuchen Sie bitte die Webseite des Goethe-Instituts in Taschkent.

Von Binafscha Kalandarowa, freie Journalistin in Taschkent

14/05/10

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