„Tanz kommt vom Körper“ – diese Erfahrung will die Berliner Choreographin Isabelle Schad in einem fünftägigen Workshop der Tanztruppe des Theaters „Samruk“ weitergeben. „Body-Mind Centuring“ heißt die Stilrichtung, die Schad, die auf Einladung des Goethe-Instituts in Almaty weilt, dem Ensemble des Tanztheaters näherbringen möchte. Beim zentralasiatischen Tanz-Festival 2012 werden die Einflüsse dieser neuen Stilrichtung auf die Choreographie der Truppe dann zu sehen sein.

/Bild: Anja Greiner . ‚Workshop mit der Berliner Choreographin Isabelle Schad (vorne rechts).’/

Wer bin ich? Eine Fragestellung, deren Beantwortung sich bereits zahlreiche Philosophen gewidmet haben. Allein eine universelle Antwort vermag keiner von ihnen zu geben. So macht sich letztlich jeder allein auf, eine eigene Antwort auf diese Frage zu finden; und derer gibt es viele: Die einen finden sie im Glauben an Gott, manche finden sie in der Wissenschaft und wieder andere im Tanz.

Tänzer Burschan Kosmanow.

Für die Berliner Choreographin Isabelle Schad ist der Weg zu sich selbst das anatomische Erfahren, also die Erfahrung, was es bedeutet mit dem Körper zu arbeiten. Es sind die „Motoren, die im Körper selbst gefunden werden“, so Schad, die den Menschen zu sich selbst und somit auch zu anderen und letztlich schlicht zum täglichen Leben kommen lassen. „Body-Mind Centuring“ nennt sich diese Art der Körperwahrnehmung, die durch intensive Körperarbeit das eigene Wohlbefinden fördert und im Kontext der tänzerischen Bewegung mit der Stilrichtung „zeitgenössischer Tanz“ umschrieben wird.

Eine solche Körperwahrnehmung bekommt man nicht von heute auf morgen. Das mussten auch die Teilnehmer des Workshops lernen. Das „Sich fallen lassen und an nichts denken, sich nur bewegen“ bereitete Burschan Kosmanow, der seit sieben Jahren Teil des Ensembles ist, am Anfang Probleme. Mittlerweile, nach nunmehr knapp drei Tagen des Workshops, hat er sich an die neuartigen Bewegungen gewöhnt und findet insbesondere die Tatsache, dass Schad genau erklärt und zeigt „wie was zusammenwirkt im Körper“, also die Physiognomie, interessant und lehrreich.

Neben Burschan Kosmanow sind noch 13 weitere Tänzer und Tänzerinnen am Theater des modernen Tanzes, unter der Leitung Gulnara Adamowas, engagiert. Seit der Gründung des Theaters im Jahre 1998, als das gesamte Esemble lediglich aus drei Mädchen bestand, stiegen die Bewerberzahlen stetig, und seit 2003 gehört die Tanztruppe zusammen mit einem Folklore-Esemble sowie einem Blasorchester zur „staatlichen Vereinigung der schöpferischen Teams“. Und besitzt somit einen offiziellen Status beim Bürgermeisteramt.
Die meisten der Tänzer und Tänzerinnen haben, genau wie Schad, eine klassische Ballettausbildung. Für die deutsche Choreographin war es das „Bedürfnis, von den hierarchischen Strukturen und den Mechanismen in einer großen Company wegzukommen“, das sie nach etwas anderem suchen ließ. Gefunden hat sie es schließlich im Body-Mind Centuring.

Gab der Philosoph Descartés auf die eingangs erwähnte Frage noch die berühmte Antwort: „Ich denke, also bin ich“, so kann gemäß der Philosophie des Body-Mind Centuring, die Antwort hier lauten: Ich tanze, also bin ich.

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