Mit einer Adaption des Frank Capra Films „Ist das Leben nicht schön?“ stimmte das „Kazakhstan English Language Theater“ am 8. Dezember seine Besucher auf das kommende Weihnachtsfest ein. In der restlos gefüllten „Großen Halle“ der KIMEP-Universität in Almaty wurde die von Nathan Fleming verfasste Umsetzung des Weihnachtsklassikers am 8. Dezember uraufgeführt. Das Publikum war begeistert von der Geschichte über das kleine Städtchen Bedford Falls und seinen Helden, den selbstlosen George Bailey.

Der Film „It`s a Wonderful Life“, zu Deutsch „Ist das Leben nicht schön?“, gehört in den USA zum Weihnachtsfest wie „Dinner for One“ in Deutschland zur Silvesterfeier.

Naheliegend also, dass dieser Klassiker von Frank Capra dem „Kazakhstan English Language Theater“ (KELT) in Almaty als Vorlage für ihr diesjähriges Weihnachtsspiel diente. Der im englischen Sprachraum enorme Bekanntheitsgrad der Geschichte über das verschlafene Städtchen Bedford Falls und das Leben und Wirken der Hauptfigur George Bailey, war es wohl auch, welcher die Besucher in Scharen am 8. Dezember in die KIMEP-Universität lockte: Bereits lange vor der Premiere waren alle Karten ausverkauft.

Wer eine Aufführung erwartete, die mit Witz und weihnachtlicher Romantik auf das bevorstehende Fest einstimmt, wurde nicht enttäuscht. Ganz wie bei der filmischen Vorlage handelt auch die Inszenierung von Nathan Fleming von den Themen Hilfsbereitschaft und Freundschaft, kurz gesagt: vom Guten im Menschen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Figur des George Bailey, einem Musterbeispiel der Selbstlosigkeit. Immer wieder stellt er seine Bedürfnisse zu Gunsten seiner Mitmenschen hinten an und verzichtet auf sein eigenes Glück, um anderen zu helfen. Er rettet das Leben seines Bruders, bewahrt die Menschen in seiner Heimatstadt vor den üblen Machenschaften des gierigen Spekulanten Mr. Potter, perfekt verkörpert von Bart Dibble, und gibt dafür sein Studium und seinen großen Traum einer Weltreise auf. Zuletzt ist George gar bereit; sein Leben zu opfern, um mit dem Geld seiner Lebensversicherung das Familienunternehmen zu retten. In letzter Minute wird er jedoch von seinem Schutzengel Clarence davor bewahrt, diesen Plan in die Tat umzusetzen. In eindeutiger Anlehnung an Charles Dickens zeigt Clarence ihrem Schutzbefohlenen daraufhin, wie die Welt ohne ihn aussehen würde. George sieht ein, wie schön sein Leben trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten war, und wie wichtig er für seine Familie und seine Freunde ist. Beflügelt von dieser Erkenntnis kehrt er zurück nach Bedford Falls, wo ihn eine Überraschung erwartet: Alle Freunde und Bekannte haben Geld gesammelt, das Familienunternehmen der Baileys ist gerettet. Die Moral der Geschichte: Geben ist seliger denn nehmen. Und – jeder Mensch ist wertvoll.

Ein derart versöhnlich stimmender Schluss hinterließ auch bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck und zufriedene Gesichter allenthalben. Dem taten auch die vielen kleinen Versprecher während der Aufführung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Darsteller, allesamt Laien, ernteten mit so mancher schauspielerischen Panne und der sich daraus ergebende Situationskomik Sympathiepunkte beim Publikum.

Auch die häufig etwas improvisiert wirkenden Kostüme sowie das eigentlich kaum vorhandene Bühnenbild erweckten den Eindruck, dass die Leidenschaft für das Spiel und nicht die Perfektion der Inszenierung im Vordergrund stand. Beeindruckend war es auch, zu sehen, mit welch Einsatz und Begeisterung die überwiegend aus Englisch-Lehrern und KIMEP-Studenten bestehende Schauspieltruppe zu Werke ging. Insbesondere James Martin, in der Hauptrolle des George Bailey, sowie Jacyntha England als beleibter Schutzengel Clarence wussten zu überzeugen, indem sie ihrer jeweiligen Rolle einen ganz eigenen, persönlichen Ausdruck verliehen.

So bleibt zu hoffen, dass das „Kazakhstan English Language Theater“ den Bewohnern Almatys noch eine Weile erhalten bleibt und man auch in den nächsten Jahren noch viele, ähnlich stimmungsvolle Weihnachtsspiele in englischer Sprache erleben darf.

Von Jan Peter

22/12/06

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