Bildung ist ein Abenteuer. Das Ende der Schulzeit, der Gang an eine Universität, ein Auslandssemester – was für viele heutzutage ganz selbstverständlich klingt, bedarf Fleiß, Neugierde und Mut. Den Mut, etwas Neues zu wagen, in ein anderes Land zu gehen, in eine neue Kultur einzutauchen. Für 78 junge Menschen aus Kasachstan steht dieses Abenteuer kurz bevor. Ob als Sprachkursteilnehmer, Student oder Forscher: Sie alle werden eine Zeit lang in Deutschland leben und lernen.

Unterstützt werden sie dabei vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der am 17. Mai zu seiner jährlichen Stipendienvergabe in Almaty lud. „Ich bin sicher, dass Sie alle eine interessante Zeit in Deutschland haben werden, und hoffe, dass Ihre Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen werden“, wandte sich der deutsche Generalkonsul Jörn Rosenberg an die Stipendiaten. „Lassen Sie sich von den Menschen, die Sie dort kennenlernen werden, anregen, und seien Sie nicht verwundert, wenn manches anders funktioniert, als Sie es sich vorgestellt haben.“ Deutsche Firmen seien seit vielen Jahren in Kasachstan erfolgreich. Und genau diese Firmen suchten gut ausgebildete Leute, sagte er.

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Der Leiter des DAAD-Informationszentrums in Almaty, Bartholomäus Minkowski, überraschte die Anwesenden, indem er seine Rede auf Kasachisch begann. Er betonte damit die Vorteile der Dreisprachigkeit hierzulande, die trotz aller Herausforderungen „ein begrüßenswertes Konstrukt des 21. Jahrhunderts“ sei. Er zeichnete nicht nur ein realistisches Bild von Deutschland, sondern mahnte auch, dass es nicht jeder ob einer guten Ausbildung an die Spitze schaffe. „Nicht jeder steigt künftig beruflich in die höchsten Höhen auf oder dient als Vorbild seiner Gesellschaft, aber ein jeder von Ihnen wirkt in seinem direkten Umfeld“, sagte er.

Nasym Temirgalijewa wird an der nördlichsten Hochschule Deutschlands studieren. | Foto: Autor

Für viele Stipendiaten ist es der erste längere fremdsprachige Aufenthalt. „Er wird Sie prägen, Ihr Denken verändern und Ihren Horizont hoffentlich erweitern“, so Minkowski. Das Ziel sei es, als mündiger Bürger reflektiert, verantwortungsbewusst und selbstbestimmt durch die Welt zu gehen. Dabei schließen Weltoffenheit und Heimatverbundenheit einander nicht aus. „Die meisten wissenschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Fragen sind seit jeher nur global und lokal zugleich zu beantworten.“

Von den 78 vergebenen Stipendien  sind 56 für Hochschulsommerkurse gedacht, also die Teilnahme an einem mehrwöchigen Deutschkurs an einer deutschen Hochschule. 14 Stipendiaten werden ein Masterstudium in Deutschland beginnen. Drei Stipendien wurden für sogenannte entwicklungsbezogene Postgraduiertenstudiengänge (EPOS) vergeben. Außerdem werden eine Promotion sowie ein Forschungsvorhaben gefördert. Drei Stipendiaten waren bereits mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland und haben nun eine Wiedereinladung erhalten.

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Wie regulieren Staaten NGOs? Dieser Frage will Serik Bejmenbetow in Dortmund nachgehen. | Foto: DKU

Irina Orynbassarowa arbeitet als Qualitätsmanagerin an der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU). Über die Möglichkeit der Wiedereinladung hat sie ein Stipendium für drei Monate bekommen. Am International Centre for Higher Education Research (INCHER) in Kassel wird sie an ihrer Dissertation zum Thema Kompetenzmanagement an kasachischen Hochschulen weiterarbeiten. Auch Serik Bejmenbetow nutzt sein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt. Der DKU-Dozent wird einen Monat lang an die TU Dortmund gehen, um dort an seinem Buch über die „Staatliche Regulierung des dritten Sektors im postsowjetischen Raum“ zu arbeiten. „Der dritte Sektor sind zum Beispiel NGOs, gemeinnützige Organisationen oder Stiftungen“, erklärt er. Die vergleichende Analyse umfasst zwölf Länder der ehemaligen Sowjetunion.

Nasym Temirgalijewa  hat ein EPOS-Stipendium erhalten und wird einen Master an der Europa-Universität Flensburg beginnen. Die junge Frau arbeitet bereits seit fünf Jahren als Ingenieurin bei einer Firma in Taldyqorghan und möchte sich nun auf nachhaltige Entwicklung spezialisieren. „Ich freue mich sehr, dass ich ausgewählt worden bin und spreche dem DAAD-Informationszentrum einen großen Dank aus.“

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