In der Woche vom 2. bis 6. Juli fand im Goethe-Institut Almaty die VI. Zentralasiatische Medienwerkstatt statt. Während dieser fünf Tage versuchten sich 15 junge Nachwuchsjournalisten aus Zentralasien und Deutschland an der Produktion von Podcasts und dem Schreiben eigener selbst recherchierter Artikel.

 

Montagmorgen im Goethe-Institut. Im Raum stehen Grüppchen zusammen. Man hört Sätze wie “Nein, stimmt, so geht das nicht”, “Und wie muss das jetzt…?” oder “Oh, ich hab nicht gewusst, dass das schon aufnimmt!” Die Teilnehmer der VI. Zentralasiatischen Medienwerkstatt (ZAM) üben sich an den Mikrofonen. Es ist schwierig, eine geeignete Umgebung für die Probe-Aufnahmen zu finden: Drinnen sprechen noch andere Gruppen, im Flur hallt es, und draußen gibt es zu viele Hintergrundgeräusche.
Veranstaltet vom Goethe-Institut Almaty, dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und dem deutsch-russischsprachigen Jugendportal To4ka-Treff ist das Ziel der jährlichen Veranstaltung, junge Nachwuchsjournalisten zu fördern und ein Netzwerk zwischen Zentralasien und Deutschland aufzubauen. Während des fünftägigen Workshops gaben Journalisten aus Deutschland Einblick in ihre Arbeit und produzierten gemeinsam mit den jungen Einheimischen Onlinebeiträge in Text und Ton. Dabei profitierten diese von den erfahrenen Journalisten, während die Deutschen von der Sprach- und Landeskenntnis der zehn Zentralasiaten aus Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan lernten.
Die Hauptarbeit der Journalisten: Schreiben, schreiben, schreiben...Während der Besprechung ihrer ersten Versuche mit den Aufnahmegeräten bemerken die Teilnehmer, dass es gar nicht so einfach ist, gleichzeitig auf den Gesprächspartner und ein gelungenes Interview zu achten und nebenbei eine gute Tonqualität ohne störende Hintergrundgeräusche zu erzielen. Die beiden Referentinnen Antonie Rietzschel, Volontärin bei Süddeutsche.de, und Alexandra Gurkova, Mitarbeiterin des Goethe-Institutes Moskau für To4ka-Treff, geben Tipps und Hilfestellungen, was man noch besser machen könnte. Vieles komme aber auch mit der Erfahrung und Gewohnheit, sagen sie. Dann geht es an die Themenfindung und Gruppenbildung. Jeweils ein Deutscher und zwei Zentralasiaten bilden eine Gruppe. Manche wollen mehrere Themen bearbeiten, deshalb gibt es auch 2er- oder 4er-Teams. Von der Fragestellung “Was ist typisch kasachisch?” über eine Reportage zur Jurtenproduktion bis hin zur Recherche über Pressefreiheit in Kasachstan sind unterschiedlichste Ideen dabei. Noch am Montagabend wird in den Gruppen fleißig überlegt, wen man interviewen soll, wie man die Leute erreichen kann oder wer welchen Teil der Arbeit übernimmt.
Ab Dienstag geht es dann zur Recherche raus “auf die Straße”. Pauline Tillmann und Madina Tleulina wollen zur Pressefreiheit in Kasachstan recherchieren. Für Madina ist es das erste Interview, das sie führen soll. Sie ist ein wenig nervös. Beim Mittagessen geht sie nochmal die Fragen durch, die sie stellen möchte. Pauline, als Korrespondentin für Ukraine und Russland schon professionelle Reporterin, gibt Tipps und versucht, Madinas Nervosität zu dämpfen. Und tatsächlich wird es ein gutes Interview, die Studentin bleibt standhaft und wartet hartnäckig auf die erhofften Antworten, nur einmal verhaspelt sie sich. Auch mit dem Mikrofon kann sie inzwischen leichter umgehen.
Eigentlich studiert Madina Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Deutsch an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. Sie will sich aber gerne in Richtung Journalismus fortbilden. Das ist einer der Gründe, warum sich die zentralasiatischen Teilnehmer für den Workshop beworben haben. Für die deutschen Mitwirkenden war es eher Interesse an der Region. Almaty oder andere Orte in Zentralasien sind bei vielen Deutschen unbekannt und die an der ZAM Beteiligten wollen dieses Territorium entdecken sowie das Publikum ihrer jeweiligen Redaktion daran teilhaben lassen.
Donnerstag ist das Bild im Arbeitsraum wiederum ein ganz anderes: Zwölf Leute sitzen vor ihren Laptops. Stille. Man hört nur Tastentippen und den Verkehr durch das offene Fenster. Manche haben Headsets auf dem Kopf, sie überprüfen die Tonaufnahmen der vergangenen Tage. Nur ab und zu steht jemand auf und holt Kaffee. Alle sind hochkonzentriert. In zwei Tagen müssen ein Podcast und ein schriftliches Produkt ihrer Recherche fertig sein, zweisprachig – auf Deutsch und Russisch! Fleißig werden Texte übersetzt, Tonspuren geschnitten, Beiträge neu eingesprochen oder noch letzte, fehlende Informationen eingeholt. Der Tag endet spät.
Zum Schluss freuen sich alle über die gelungenen ErgebnisseAber es hat sich gelohnt: Bei der Präsentation am Freitag gibt es viel Applaus. Lustige Slide-Shows sind entstanden, genauso wie politisch hochbrisante Reportagen oder Umfragen über die Fahrradfahrgewohnheiten in Almaty. Susanne Becker, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts, hofft, dass die letzten Tage den Deutschlernenden geholfen haben, Kontakte zu knüpfen, die möglicherweise neue Perspektiven in ihrem Leben aufzeigen. Auch Elvira Pak, Projektkoordinatorin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Almaty, die das Seminar zu einem großen Teil finanziert hat, ist begeistert.
Die Teilnehmer geben ebenfalls ein überwiegend positives Fazit. Viele können sich jetzt mehr unter der Arbeit eines Journalisten vorstellen, vielleicht sogar selber in dem Beruf tätig zu werden. Alla Gavrilova, Englisch-Lehrerin aus Petropawlovsk, möchte gerne für die kasachische Presse im Ausland arbeiten. Azamat Azizov dagegen weiß nun, dass der Journalismus harte Arbeit ist. “Für zehn Minuten Endprodukt haben wir uns fünf Tage lang angestrengt.”
Und Malina Weindl, ifa-Redakteurin bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung, sagt abschließend: “Ziel der VI. ZAM in diesem Jahr war es ja, dass wir Menschen zusammenbringen: junge Nachwuchsjournalisten aus Zentralasien und Journalisten aus Deutschland. In dem fünftägigen Workshop haben die Gruppen zum großen Thema “Online-Journalismus” eine Reihe von interessanten und spannenden Beiträgen erstellt. Und das sowohl für Print-Ausgaben als auch Podcasts für unsere Website der Deutschen Allgemeinen Zeitung. Damit können wir unsere Internetpräsenz stärken und die Leserbindung erhöhen. Für mich persönlich war der interkulturelle Austausch sehr wichtig: wir lernten unterschiedliche Menschen aus Europa und Zentralasien kennen und hoffen natürlich für die DAZ, dass sich aus den Gruppen einige neue freie Autoren berufen fühlen, für uns zu schreiben! Das würde mich als deutsche Redakteurin sehr freuen!”

Die fertigen Beiträge der diesjährigen ZAM, Podcasts und Texte, sind auf der Homepage der DAZ, auf der Homepage des Goethe-Institut Almaty sowie auf www.to4ka-Treff.de zu finden.

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