Kasachstandeutsche Geschichte entdecken

Das Karlag-Museum in Dolinka.
Das Karlag-Museum in Dolinka. | Bild: Autorin

Abseits der Weltausstellung gibt es rund um Astana deutsche Spuren, die Besucher entdecken können, zum Beispiel in Karaganda.

Karaganda ist eine junge Stadt mit einer reichen und stürmischen Geschichte. Dort, wo noch vor neunzig Jahren endlose Steppe war, steht heute die viertgrößte Stadt des Landes. Karaganda ist eine Stadt in Zentralkasachstan, rund 200 km von Astana entfernt, und war in den 40er Jahren das größte Straflager für Gegner des Sowjetsystems oder solche, die man dafür hielt – darunter auch viele Kasachstandeutsche.

Günther Hummel am Standbild des Entdeckers des Kohlenvorkommens von Karaganda A.Baischanow. 1990.
Günther Hummel am Standbild des Entdeckers des Kohlenvorkommens von Karaganda A.Baischanow. 1990. | Foto W.Petuchow

Karlag, war Teil des GULAG-Systems, das auch Solschenizyn in seinem Roman „Archipel Gulag“ eindringlich beschreibt. Die Deutschen waren innerhalb einiger Jahrzehnte die drittstärkste Bevölkerungsgruppe Karagandas, die durch ihre landwirtschaftlichen und städtebaulichen Anstrengungen einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Region beigetragen haben.

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Die deutsche Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Karaganda bietet ein zweitätiges Programm an, in dem auch das ehemalige Arbeitslager Karlag besucht wird. Mehr als eine Million Häftlinge waren hier in den Jahren zwischen 1930 und 1959 interniert. Das Museum in Dolinka (40 km von Karaganda), in dem das Verwaltungszentrum von Karlag lag, informiert über die dunkle Geschichte des Ortes. Während der Informationsreise gibt es auch die Gelegenheit, die Stadt Karaganda zu erleben – durch eine Stadtrundfahrt oder Spaziergänge rund um die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Darunter auch die Gedenkstätte in Spassk, wo Internierte und Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges beerdigt liegen. Die meisten davon waren deutsche Kriegsgefangene, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

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Römisch-katholische Kathedrale in Karaganda.
Römisch-katholische Kathedrale in Karaganda. | Bild: Autorin

Abseits der geschichtlichen Aspekte, bietet die zweitägige Informationsreise auch die Möglichkeit einer Grubenbesichtigung. Als Bergarbeiterstadt hat Karaganda eine lange Bergbaugeschichte und reiche Kohletradition, die bis heute behutsam bewahrt wird. Bei der Grubeneinfahrt gibt es spezielles Essen, das die Bergarbeiter traditionell mit zur Arbeit nahmen (Schwarzbrot, Eier, Gurken). Außerdem kann die Gastfreundschaft einer kasachischen Familie erlebt werden beim Besuch einer echten traditionellen Jurte, inklusive kasachischer Küche. Das Programm beinhaltet eine professionelle deutschsprachige Begleitung, Transfer, Hotel, sowie Verpflegung und kleine selbst gebastelte Souvenirs.

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