„Meine Freiheit, meine Grenzen“: unter diesem Motto führten Studenten der Deutsch-Kasachischen Universität einen Workshop an der DSD-Schule Nr. 18 durch, in der sie selbst einst die Schulbank gedrückt hatten.

Welche Grenzen sollen Eltern ihren Kindern setzten? Über diese Frage sind sich die Schüler nicht ganz einig. „Meinen Kindern werde ich weniger Freiheiten geben, als ich sie habe“, meint Natascha. Doch am besten sei es, wenn Eltern einen Rahmen schaffen können, innerhalb dessen Kinder selber ihre Grenzen kreieren, so andere Stimmen. Auch die Frage, ob finanzielle Freiheit mit absoluter persönlicher Freiheit gleichzustellen ist, sorgte für Diskussion. Während einige meinen, dass man sich mit ausreichend Geld eine „absolute Freiheit“ erkaufen kann, halten andere dem entgegen, dass doch zumindest vor dem Gesetz alle gleich sind.

Alte Schüler schlüpfen in die Lehrerrolle

Diese und andere Fragen wurden am 2. Mai an der DSD-Schule Nr. 18 im Rahmen des Deutschunterrichts diskutiert und auf vielfältige Art und Weise bearbeitet.

Die ehemaligen Schülerinnen Maria Jewdakowa und Alina Iwanowa kamen nicht einfach in die DSD-Schule Nr.18, um ihre ehemaligen Lehrer zu besuchen, sondern um einmal selber in die Lehrerrolle zu schlüpfen und ihre Kenntnisse an jüngere Schüler weiterzugeben. In einem halbtägigen Workshop besprachen die beiden Studentinnen mit Schülern der Klassen 11A und 11B, die alle erfolgreich das Deutsche Sprachdiplom (DSD) abgelegt haben, verschiedene Fragen um das Thema „Meine Freiheit, meine Grenzen“. Entstanden war die Idee im Anschluss an die DAAD-Sommeruniversität „Raumwerkstatt Zentralasien –die Konstruktion von Räumen und Grenzen“, organisiert von Lektoren der Robert Bosch Stiftung. Im vergangenen Sommer trafen sich dort 25 Studierende aus ganz Zentralasien und Deutschland und erarbeiteten sich dieses Thema auf kreative und interaktive Weise. Auch Alina und Maria, jetzige Studentinnen der Internationalen Beziehungen an der Deutsch-Kasachischen Universität, hatten damals ein Stipendium erhalten. Nun wollten sie ihre vielfältigen Erfahrungen an jüngere Schüler weitergeben und entwarfen hierzu einen interaktiven und kreativen Workshop.

Im Anschluss an eine umfangreiche thematische Auseinandersetzung entstanden zu den Themen „Welt ohne Grenzen“ und „Welt mit Grenzen“ Zeichnungen, Raps und Gedichte. Diese Arbeiten spiegeln unterschiedliche Ideen und Gedanken wider, zu der Frage, mit welchen Grenzen die Schüler leben können und wollen und welche Grenzen es sich zu überwinden lohnt.

Grenzen akzeptieren, Grenzen überwinden

Auch die beiden Studentinnen, die einen solchen Workshop zum ersten Mal konzeptioniert und durchgeführt haben, konnten dabei viel für sich selber lernen und gaben den Schülern ein Vorbild, wie man als aktiver Student auch nach der Schulzeit seine Deutschkenntnisse einsetzten und nutzen kann. „Ich bin stolz, dass Studentinnen wie ihr, einmal Schüler unserer Schule waren“, sagte Marie, die wie viele ihrer Mitschüler ab September in Deutschland studieren möchte.

Andere Schüler, wie Lydia waren von dieser unerwartet interessanten Veranstaltung begeistert: „Auch wenn das Thema sehr abstrakt ist, ist mir bewusst geworden, dass es auch für mich Grenzen gibt, die ich akzeptieren muss, aber auch solche, die ich versuchen kann zu überwinden“ sagte sie in der Feedbackrunde zum Abschluss des Workshops. Auch die Schüler ernteten Lob für ihre hervorragenden Deutschkenntnisse, tiefen Gedanken und die aktive Mitgestaltung des Workshops. Wie Maria und Alina werden vielleicht auch Natascha, Marie, Lydia und ihre Mitschüler in ein paar Jahren an ihre Schule zurückkehren, um den jüngeren Schülern Impulse für ihre Zukunft zu geben.

Von Frauke Woitsch und Stefanie Dufaux

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