Vor 200 Jahren erschien die erste Ausgabe der Kindermärchen von den Brüdern Grimm. Die jungen Deutschlerner aus Astana wollten das Jubiläumsjahr nicht unberücksichtigt lassen.

So lustig haben die Schüler noch nie Deutsch gelernt. Kostüme, Tänze und Lieder sind die Hauptlehrstoffe beim zweitägigen Theaterworkshop in der Schule Nr. 62. Der Dresdner Dramaturg Holger Radtke und die Münchner Theaterpädagogin Charlotte Siegerstetter kamen nach Astana, um mit den Schülern der sechsten und siebten Klasse die Vorstellung „Dornröschen“ einzustudieren. Zuerst müssen die jungen Schauspieler jedoch in die Märchenatmosphäre eintauchen.

Hierzu benutzen Holger Radtke und Charlotte Siegerstetter eine spezielle Methode, die besonders für jene Lerner geeignet ist, die nicht so gut Deutsch sprechen. Mit ihren Schülern erfüllen die Theaterpädagogen eine Reihe von Aufgaben, um einander kennenzulernen und Geschlossenheit sowie Sprachbarriere zu überwinden. Die Teilnehmer des Workshops besuchen den Deutschunterricht seit der dritten Klasse zweimal pro Woche – nach Meinung von Lehrerin Saure Sarchoschajewa zu wenig. Obwohl die Kinder auf eine Schule mit naturwissenschaftlich-mathematischer Ausrichtung gehen, haben sie auch auf das Fremdsprachenlernen Lust – vor allem auf Deutsch. Bei Verständnisschwierigkeiten, auf welche die Kinder während der Erklärung der Aufgaben durch die deutschsprachigen Pädagogen stoßen, hilft Saure Sarchoschajewa weiter. Infolge der ungewöhnlichen und sehr bewegten Spiele erinnern sich die Schüler nicht nur an die bekannten Märchenhelden, sondern bereichern ihren Wortschatz auch mit neuen „Märchenwörtern“.

Märchenhafte Verwandlungen

Sobald die Kinder ihre Schüchternheit allmählich vergessen, ist dass das Zeichen für Charlotte Siegerstetter und Holger Radtke: Die Kinder sind bereit für den nächsten Schritt. Jetzt ist die Pantomime an der Reihe. Das ist eine lustige Übung mit zahlreichen Bewegungen, die die Kinder ganz gut verstehen und auch durchführen können. In dieser Etappe brauchen sie wenig Sprache. Wie Charlotte Siegerstetter sagt, kann dieses Genre die Kinder am besten zu aktiver Tätigkeit anregen. Hier gebe das Spielen einer Rolle den Wettbewerbsanreiz: Wer zeigt besser, oder wer errät schneller? Dadurch entstehe Konkurrenz. Die Teilnehmer aktivieren ihre Phantasie: Sie verwandeln sich in Zwerge und Prinzessinnen, Schneewittchen und Dornröschen, böse Zauberer und gute Feen. So öffnen sie die schöne Welt zu den Märchen der Gebrüder Grimm. Das Pantomimen-Spiel ist sehr spannend, macht aber auch müde. Deshalb nimmt Holger Radtke eine Gitarre zur Hand, damit die jungen Schauspieler etwas entspannen können. Sogar das Lied gehört zur Vorbereitung für die Aufführung am nächsten Tag – es ist Teil des Theaterstücks.

Keine typische Aufführung

Auf der Bühne sieht man keine mittelalterlichen Kleider, königliche Rüstungen oder massige Szenerien. Alles, was zur Verfügung steht, sind verschiedene Hüte und bunte, auffällige Schminke, welche beispielsweise den Prinzen und das Dornröschen von den anderen Helden unterscheiden. Es ist keine typische Aufführung, die Schauspieler halten keine langen Monologe und keine Pausen. Es ist ein Theaterstück, in dem die Episoden in Liedern, Tänzen und mithilfe von Pantomime dargestellt werden. Je lustiger, desto besser! Charlotte Siegerstetter und Holger Radtke freuen sich, dass so eine kleine Aufführung so viel Aufmerksamkeit bekommt. Zwischen den Zuschauern finden sich Schüler anderer Schulen, Lehrer sowie die Schulleitung.

Als Erinnerung an diesen kurzen, jedoch spannenden Ausflug in die Märchenwelt bleiben den Schülern die Teilnahmebescheinigungen, die sie am Ende der Veranstaltung von der Unterrichts-Expertin des Goethe-Instituts, Tanja Fichtner, bekommen. „Die Märchen begeistern uns. Sie machen Menschen mutig, etwas Neues zu entdecken. Sie stärken unsere Seele“, sagt Tanja Fichtner.

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Zum Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH):

Die Schule Nr. 62 arbeitet seit 2008 bei dem Projekt PASCH mit und wird vom Goethe-Institut betreut. Die Teilnahme am Projekt ermöglicht die interkulturelle Kommunikation und fördert den Deutschunterricht. Der Theaterworkshop ist ein besonderer Bestandteil des Projektes. Er soll die Schüler zum Deutschlernen motivieren.

Von Xenia Sutula

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