Die Zeit war schneller. Irina Stauch hat es nicht mehr geschafft, uns mit ihrem verborgenen Liedergut zu beschenken. Sie verschied am zweiten September, ruhig, selig, gewollt. Ihr schönes Lächeln, ihre wunderbare, einzigartige Stimme, ihre lebensfrohe Natur – all das sind jetzt nur noch Erinnerungsstreifen.

/ Bild: privat/

Da sehen wir sie auf einem schwarzweißen Bild als junges Mädchen im Kreise ihrer Familie im Dorf Marino, Gebiet Dnepropetrowsk, wo sie am fünften Dezember 1930 geboren wurde und ihre glückliche Kindheit genoss. Wie viele Lieder und welch zauberhafte Melodien klangen in der Abenddämmerung, wenn sich die ganze Familie im Wohnzimmer versammelte!
Da saß der Vater mit seiner Ziehharmonika, die Mutter und die Schwester mit Gitarren an seiner Seite und der Bruder mit seiner Mandoline. Der Liederstrom wollte nicht enden: Für Irina gab es kein Stopp, sie hätte gerne bis zum frühen Morgen getanzt und gesungen.
Auf einem anderen Bild sehen wir eine junge Frau im fernen Kopejsk: trotz leidvollen Kriegsjahren und ihrer deutschen Herkunft ist es ihr gelungen, eine Ausbildung zu machen und einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Weitere Bilder sprechen von ihrer Familie, ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrem Sohn, sowie ihren süßen Enkelkindern – Familienchronik eben, die sich kaum von unserer eigenen unterscheidet.

Und da liegen die Fotos aus ihrem Leben als Sängerin: Irina auf der Bühne, Irina unter den Zuschauern und den Musikern des Ensembles „Kristall“, Irina mit dem Leiter des Ensembles Albert Berns. Ich kenne Irina als Sängerin. Mehrmals erlebte ich sie auf verschiedenen Bühnen Russlands und Kasachstans. Jeder Auftritt war ein Erlebnis, jedes Lied eine Geschichte für sich: Traurig, lustig, gelassen, aber immer war es ihre Stimme, die dem Zuschauer diese Geschichten wahr machte.

An einem schwülen Sommertag in Almaty war Irina Gast der „Guten Abend!“- Redaktion. Wir wollten unseren Zuschauern die Sängerin, ihre Stimme, ihre Offenheit, ihre natürliche Art in vollem Glanz präsentieren. Die Fernsehkamera hielt die Augenblicke dieses Tages fest, und wenn man sich diese Streifen ansieht, erlebt man Irina, die unsere Erinnerungen begleiten und in ihnen weiterleben wird.

Am fünften Dezember wäre sie 80 geworden – mit Sicherheit hätte sie auch diesen Tag auf der Bühne mit den Musikern aus INA in Berlin verbracht. Die Bilder von diesem Tag werden wir alle vermissen.

Leider können Augenblicke nicht verweilen. Du hast Recht, Irina: Die Zeit rast so schnell vorbei!

Im Namen Deines Publikums, Deiner zahlreichen Freunde, Bekannten und Verwandten Rose Steinmark (Münster) und Irina Leinonen (Lauscha).

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Irina Stauch: „Ich mag Musik und singe unheimlich gern. Von der Bühne sehe ich das vertraute Lächeln meiner Zuschauer und höre jeden einzelnen Herzschlag. Ich bin glücklich, denn hier, unter meinem Publikum, bin ich zu Hause und fühle mich wohl. In meinem Herzen klingen Melodien, die ich meinen Mitmenschen noch schenken möchte, aber die Zeit rast so schnell vorbei…“

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