In Astana haben sich die Vorsitzenden der „Wiedergeburt“– Gesellschaften mit dem Botschafter Dr. Guido Herz getroffen. Die deutsche Botschaft lädt jedes Jahr zu einem solchen Austausch ein. Dieses Jahr wurde unter anderem über den Umzug des Deutschen Hauses Almaty nach Astana diskutiert.

Wenn es um den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Guido Herz geht, dann gibt es bald kein Deutsches Haus mehr in Almaty. Die Verwaltung der Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ (AgVDK) soll nach Astana umziehen. Dies stellte Dr. Herz bei einem Treffen mit den Regionalvertretern der „Wiedergeburt“ in Astana zur Diskussion. Dahinter ständen rein praktische Gründe. Es wäre viel einfacher für die Vorsitzenden den Kontakt zur Botschaft und den kasachischen Regierungsvertretern zu halten, da in Astana die Wege kürzer seien, lautete das Argument für einen Umzug.

„In der Tat wird nach Meinung der meisten regionalen Gesellschaften die Notwendigkeit eines Umzuges des Deutschen Hauses aus Almaty nach Astana spruchreif“, sagte Alexander Dumler. Er ist der Vize-Vorsitzende der AgVDK Widergeburt und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft in Atyrau. Er fand den Vorschlag des Botschafters überzeugend und bemerkte, dass die „Wiedergeburt“ oft Regierungsvertreter einladen würde, diese allerdings nicht immer Zeit für entsprechende Treffen hätten. Ebenso sei es schwierig für sie, in die einzelnen Regionen zu fahren, da für Verabredungen und Reisen sehr viel Zeit verloren gehe.

Die Argumente des Botschafters waren klar und nachvollziehbar. Dennoch war dieses Thema einigen Teilnehmern suspekt: „Ich würde die Diskussion nicht als anstößig bezeichnen, aber dadurch, dass sie ohne die Anwesenheit des Vorsitzenden der Assoziation Alexander Dederer aufgeworfen wurde, ist es möglich, dass trotzdem ein solcher Eindruck entstanden ist“, kommentierte Olga Litnewskaja, die Vorsitzende des Gesellschaft in Pawlodar das Treffen. In der Tat war „Wiedergeburt“-Vorsitzender Dederer nicht anwesend.

Bisher hat die Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans auch noch nicht alle Vollmachten, um allein über die Zukunft des Deutschen Hauses zu entscheiden. Pachteigentümer ist das Bundesinnenministerium. Verwaltet wird das Deutsche Haus von dem GIZ-Programm zugunsten der Deutschen Minderheit, dessen Leiterin Julia Heizewa ist. Sie weiß, dass schon seit langem die juristische Übergabe des Deutschen Hauses an die Selbstverwaltung diskutiert wird. Aktuell laufen die Pachtverträge bis 2017. Schon zum 1. März muss die AgVDK ein Konzept vorlegen, das die eigenständige Finanzierung des Deutschen Hauses durch ihre Selbstorganisation nachweist.

So ohne weiteres kann also zum jetzigen Zeitpunkt niemand eine Entscheidung über einen Umzug des Deutschen Hauses nach Astana treffen. „Ich war überrascht, dass der Botschafter so direkt darüber gesprochen hat“, sagt Heizewa.

Ohne neue Zukunftsperspektive kein Umzug

Das Deutsche Haus Almaty hat erst im Sommer sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert. In dieser Zeit sind die Strukturen der Assoziation gewachsen sowie auch die Erfahrung der Angestellten im Deutschen Haus. Die Vertreter der Deutschen Gesellschaften waren sich darin einig, dass ein plötzlicher Umzug des Deutschen Hauses die Qualität der gesamten Arbeit gefährden würde. Also könne nur ein sukzessiver Umzug in Betracht gezogen werden. Vor diesem Hintergrund gab der Vize-Vorsitzende Dumler zu bedenken, dass dieses Problem erst gelöst werden kann, wenn sich die „Wiedergburt“ grundlegende Gedanken über ihre Zukunft gemacht hat und weiß, wie sie in 2-3 Jahren dastehen will.

Vor 20 Jahren wurde das Deutsche Haus in Almaty gegründet, weil es sich in der damaligen Hauptstadt befand. Drei Jahre später zog der kasachische Regierungssitz in die neue Hauptstadt Astana. „Es ist klar, dass es sich um eine schmerzhafte Frage handelt, und es lohnt sich nicht, deswegen Türen einzurennen. Für mich war das Deutsche Haus in Almaty immer eine sehr gute Adresse und es ist klar, dass es in Almaty nicht fehlen darf“, meint Litnewskaja. Sie plädiert dafür, nichts zu überstürzen und wünscht sich, dass das Deutsche Haus Almaty im Falle eines Umzuges wenigstens als Kulturzentrum erhalten bleibt.

Von Dominik Vorhölter

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