Almaty: Zentralasiens Tor zu afrikanischen Rhythmen

Maxut Kumaschew bringt afrikanischen Rhythmen nach Zentralasien.
Maxut Kumaschew bringt afrikanische Rhythmen nach Zentralasien. | Bild: Autorin

Tanzen verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Für viele ist Tanzen ein Hobby, um sich zu entspannen, aber auch um neue Leute kennenzulernen und einen Einblick in andere Kulturen zu gewinnen. In Europa sind Paartänze aus den portugiesischsprachigen Regionen Afrikas schon seit einiger Zeit populär. Nun erobern sie auch Zentralasien.

Salsa, Bachata und Merengue: Lateinamerikanische Tänze erfreuen sich in Kasachstan schon lange großer Beliebtheit. Doch seit einiger Zeit gibt es einen neuen Trend in der zentralasiatischen Tanzszene. Das Interesse an Tänzen aus Afrika wächst stetig, vor allem an Semba und Kizomba, zwei Tänzen aus den portugiesischsprachigen Ländern des Kontinents. Daran ist ein Mann nicht ganz unschuldig.

Im Jahr 2010 war Maxut Kumaschew aus Almaty auf einem Tanzfestival in St. Petersburg und wurde dort auf afrikanische Musik aufmerksam. Angetan von deren Klängen, begann er sich schließlich auch mit den Tänzen von diesem fernen Kontinent zu beschäftigen. Der Tanzlehrer, der selbst afrikanische Wurzeln hat, fühlte sich stark zu der Musik vom Kontinent seines Vaters hingezogen. Darin liegt auch nach eigener Aussage seine Motivation begründet, weiter intensive Recherche zu betreiben.

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Von St. Petersburg über London nach Almaty

Gewillt, diese Tänze auch in seine Heimat Kasachstan, zu bringen, verbrachte Kumaschew einige Zeit in London, um sich dort von weltweit bekannten Kizombatänzern ausbilden zu lassen. Mit dem Wissen, welches er sich in Großbritannien angeeignet hatte, kam er zurück nach Almaty und begann 2011 selbst zu unterrichten. Schon damals hatte der mittlerweile 35-Jährige Halb-Kenianer das Ziel, in Almaty eine afrikanische Tanzszene aufzubauen.

„Der Anfang war natürlich nicht leicht für mich und die ersten drei Jahre waren die härtesten, weil ich alleine war. Ich hatte zeitlich beschränkte Kapazitäten und konnte nicht viele Schüler unterrichten“, erzählt er. Doch dank Kumaschews unermüdlicher Arbeit wuchs die Szene nach und nach. 2014 erhielt er schließlich Unterstützung von weiteren Tanzlehrern.

Um die Tanzpartys und Übungsabende attraktiver zu gestalten, bezahlte er vor knapp zwei Jahren einem seiner Schüler ein DJ-Training. Eine lohnende Investition: Seitdem kann für die beste Musikqualität auf den Partys garantiert werden.

Afrikanische Rhythmen auch in Usbekistan

Mittlerweile besteht die afrikanische Paartanzszene in Almaty aus ungefähr 120 Tänzern, deren Können, selbst international gesehen, als gut einzustufen ist. Aufgrund Kumaschews kontinuierlicher Arbeit und seiner Bereitschaft, um des Tanzes Willen auch in andere kasachische Städte zu reisen, gibt es heute Kizomba– und Sembatänzern in Astana, Karaganda, Ust-Kamenogorsk, Pawlodar, Aktau und Atyrau.

Zusätzlich zu seinen Bemühungen im Inland, machte er es sich zur Aufgabe, diese fremden Tänze in ganz Zentralasien zu verbreiten. 2011 reiste er deshalb nach Usbekistan und vor etwa drei Jahren kam Kirgisistan als drittes Land hinzu. Trotz der guten Resonanz in diesen Ländern ist die afrikanische Tanzszene in Kasachstan, und vor allem in Almaty, noch immer am stärksten.

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Tanzen unter freiem Himmel

Um das Interesse zu erhalten und die Szene zu fördern, lädt Kumaschew immer wieder Tanzlehrer aus dem Ausland ein. Vor allem Almaty verwandelt sich in den Sommermonaten in eine große Tanzfläche. An fast jedem Tag der Woche gibt es eine Tanzparty oder einen Übungsabend; viele finden im Freien statt. Eine der größten Open-Air-Partys findet seit 2015 jedes Wochenende im Außenbereich des „Mega Center Alma-Ata“ statt. Die Veranstaltung vereint sowohl afrikanische als auch lateinamerikanische Tänze.

Vor den Partys wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, einen Tanzkurs zu besuchen. Mittlerweile zieht auch Astana in Sachen afrikanische Tänze nach. In diesem September gab es das erste große Kizomba-Festival auf kasachischem Boden. Die Tänze erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass man inzwischen fast überall in Kasachstan bei afrikanischen Rhythmen dem Alltag entfliehen kann.