Ein Bergfest der besonderen Art

Auf der Wiese vor der Bühne wurde bis zum Schluss gefeiert und getanzt. | Bild: Paul Toetzke

Bands aus Europa und Streetfood aus Moskau: Das Weekender Festival 2016 in Almaty sorgte am Wochenende für internationales Flair in großer Höhe.

 

Es sind Tage wie dieser, an denen die Bewohner Almatys die Nähe ihrer Stadt zu den Bergen besonders zu schätzen wissen. Am vergangenen Samstag machten sich knapp Zweitausend vornehmlich junge Gäste per Auto und Shuttlebus auf den Weg zum Weekender Musikfestival in rund 1.500 Meter Höhe.
Neben zwei Bands aus Europa spielten auch diverse DJ’s aus Kasachstan beim Weekender. | Bild: Paul ToetzkeAls Location diente das Gelände des Reitstalls Altyn Tai in dem Tal Butakowka. Ein paar Pferde sah man noch auf einer anliegenden Wiese grasen und die Sicherheitsmänner achteten streng darauf, dass keiner der Gäste den Reitplatz betrat. Ansonsten war der grüne Hügel mit weißen Zelten, Luftballons und großen Gummischwimmtieren ganz als Festivalschauplatz eingerichtet. Das Einzige, was wirklich noch an Reitsport erinnerte, war das Schaulaufen der Festivalbesucher, wie man es sonst nur von Pferderennen kennt: statt fragwürdiger Hutkreationen trug man beim Weekender zwar vornehmlich bunte Bandanas, Kappen und Turbane, doch dass sich hier vor allem die extravagante und modebegeisterte Kreativ-Szene Almatys traf, war nicht zu übersehen.
Auch modisch gesehen kann das Weekender-Festival international mithalten. | Bild: Paul ToetzkeKnapp zwei Jahre hatten sie auf diesen Tag gewartet, nachdem das Weekender-Festival im letzten Jahr ausgefallen war. Veranstaltet wird das Festival seit 2012 von „AB Restaurants“, einer der größten Gastronomieketten Kasachstans. Der AB-Event-Managerin Natalya Tyan ist es zu verdanken, dass auf dem Festivalgelände neben der großen Bühne, Spiele für die Gäste wie etwa eine Tischtennis-Platte, zwei Kicker und sogar ein Tischfußball in Lebensgröße, gedacht für menschliche Spielfiguren, standen. „Wir wollten sicher gehen, dass die Besucher gut unterhalten werden“, so Tyan. Zusätzlich hatten sich diverse Sponsoren auf dem Gelände platziert, die neben ihren Produkten auch mit einer Reihe von Aktivitäten lockten. Bei den Ständen von einem bekannten Whiskeyhersteller und einem Online-Shop etwa, konnten die Gäste sich mit Spraydosen und Stiften T-Shirts selbst designen. Ein Likörhersteller lockte indessen mit Gratiscocktails und eine Limonaden-Marke mit einem Gewinnspiel.
Die längste Schlange, sogar noch weitaus länger als die vor den Dixiklos, bildete sich allerdings beim Streetfood-Stand mit Burgern und Hotdogs von Iwan Schischkin. Der Gourmetkoch war extra mit seinem Team für eine Woche aus Moskau eingeflogen worden, wo er unter anderen das beliebte Restaurant „Delikatessen“ betreibt.
Für einen Platz am Kickertisch musste man Schlange stehen. Das DAZ-Team am Gewinnen. | Bild: the-steppe.comEine noch längere Anreise hatten nur die beiden Bands LGHTNNG aus den Niederlanden sowie Flyte aus Groß-Britannien hinter sich. Das Elektropop-Trio LGHTNNG, das von Ankunft bis Abflug nicht einmal 24 Stunden in Almaty verbrachte, wurde vor etwa einem Jahr in Groningen gegründet und landete in Russland mit ihrem Song „Sharks“ einen Nummer-Eins-Hit. Von Kasachstan „diesem mysteriösen Land, von dem wir nichts wussten, als dass es das größte Zentralasiens ist“, zeigt sich Frontsängerin Doortje begeistert. „Wir wurden noch nie besser behandelt, die Leute sind so freundlich und gut drauf hier“, sagte sie der DAZ im Interview.
DAZ-Reporterin Alissa nahm alles mit der Kamera auf. | Bild: Paul ToetzkeUnd tatsächlich hätte die Stimmung am Samstag kaum besser sein können. „Das Zusammenspiel aus gutem Wetter, der Natur und cooler Musik kreiert einfach eine super Festival-Atmosphäre“, schwärmte die 24-jährige Kasachin Ninel, die in Florenz und New York Modemanagement studiert hat. Ihre Freundin Dana (23), Beauty-Redakteurin bei der Zeitschrift Cosmopolitan fügte hinzu: „Ich liebe es einfach bis zum Sonnenuntergang zu tanzen und dabei von den majestätischen Bergen umgeben zu sein!“.
Als die Sonne dann tatsächlich langsam unterging, hatte die vierköpfige Band Flyte aus London ihren Auftritt, der besonders bei den weiblichen Festivalbesucherinnen gut ankam. „Für mich als Indie-Musik-Fan, ist die Auswahl der Bands in diesem Jahr besonders großartig!“, lobte Projektmanagerin Zhanara (28). Dann verriet sie noch, dass sie und ihre Freunde sich jeweils einen der Sänger von Flyte ausgeguckt hätten. Es war bereits Zhanaras viertes Weekender-Festival. „Ich freue mich jedes Mal dort mit meinen Freunden zu feiern – Weekender ist DAS Treffen der coolsten Kids der Stadt“, sagte sie.
Um halb Zehn, als der letzte Song gespielt wurde und Unmengen weißer Luftballons in die Luft stiegen, war das Festival aber noch längst nicht beendet. In den Shuttles Richtung Stadt drehten die Busfahrer die Musik noch einmal auf und ein paar der Fahrgäste tanzten sogar. Unten angekommen gingen einige nach Hause, müde von Sonne und frischer Bergluft, doch die meisten Festival-Besucher zogen noch weiter: zur Afterparty in den Pink Pong Club oder in die Bar Barmaglot. Die warme Luft, die Musik, das unbeschwerte Leben – sie hatten noch lange nicht genug davon.