„Zufrieden mit der Zusammenarbeit“

Im Gespräch mit Dietmar Schmitz, dem Kommissar des Deutschen Pavillons.
Im Gespräch mit Dietmar Schmitz, dem Kommissar des Deutschen Pavillons. ' Foto: Deutscher Pavillon | HMC Zapf

Seit über 50 Tagen läuft die Expo in Astana nun bereits. Bei der Bestandsaufnahme zur Halbzeit zeigt sich Kommissar Dietmar Schmitz als oberster Repräsentant des Deutschen Pavillons durchweg zufrieden. Schmitz ist Leiter des für Weltausstellungen verantwortlichen Referats Messepolitik/Expo-Beteiligungen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Im Interview berichtet er von der Resonanz, die die deutsche Ausstellung erfährt, aber auch von logistischen und organisatorischen Hürden, die es für den Pavillon zu nehmen galt. Auch nimmt er Stellung zum Thema Elektromobilität, wo die derzeit von Skandalen geschüttelte deutsche Automobilindustrie mit dem richtungsweisenden Durchbruch noch auf sich warten lässt.

Herr Kommissar Schmitz, wie ist Ihr Eindruck über die erste Hälfte der EXPO?

Der Start der EXPO ist gut gelungen. Es gibt sehr viele interessante Pavillons der Teilnehmerländer, die das Thema der EXPO „Energie der Zukunft“ auf vielfältige Weise behandeln. Gerade diese unterschiedlichen Herangehensweisen sind immer wieder faszinierend und machen einen großen Reiz von Weltausstellungen aus.

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Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Besuchern? Was interessiert die Besucher besonders?

Die Reaktionen der Besucher auf unseren Pavillon waren bislang durchweg positiv. Einhellig gelobt wurde sowohl die Qualität der Ausstellung als auch die Art und Weise der Präsentation. Sehr gut an kommt auch die Energy-Show. Das zeigt uns, dass wir mit unserem Konzept, den Besuchern eine attraktive Mischung aus Information und Unterhaltung zu bieten, genau richtig liegen.

Wie verlief der Aufbau? Zur Pressekonferenz Mitte Mai war der Deutsche Pavillon ja noch nicht zu besichtigen.

Wir lagen mit unseren Arbeiten die ganze Zeit über voll im Plan und haben diesen auch erfüllt. Dazu gehörte auch, dass sich der Deutsche Pavillon bei unseren Pressekonferenzen Mitte Mai noch im Bau befand. Schließlich macht es keinen Sinn, bereits vier Wochen vor Beginn einer EXPO fertig zu sein und dann die Hände in den Schoß zu legen und auf die Eröffnung zu warten.

Logistikherausforderung Binnenstaat

Da Sie ja auch bereits in der Vergangenheit Deutsche Pavillons geleitet haben – wie stellte sich die Zusammenarbeit hier mit dem Gastgeberland Kasachstan dar?

Man muss dabei immer berücksichtigen, dass EXPO-Veranstalter eine Weltausstellung jeweils zum ersten Mal organisieren und daher keine Erfahrungswerte haben. Vor diesem Hintergrund gibt es bei jeder EXPO im Vorfeld an der einen oder anderen Stelle Diskussionsbedarf. Insgesamt sind wir zufrieden mit der Zusammenarbeit, zumal die Anregungen von Seiten der Teilnehmerländer vom Veranstalter gut angenommen wurden.

Eine besondere Herausforderung beim Pavillonbau bestand bei dieser EXPO darin, dass Kasachstan keinen Zugang zum Meer hat. Die Exponate und weitere Materialien für den Deutschen Pavillon mussten daher über den Landweg nach Astana gebracht werden. Das wussten wir aber natürlich schon vorher und haben das entsprechend bei unserer Zeitplanung bedacht.

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An inhaltlichen Widersprüchlichkeiten mangelt es nicht gerade. Stichwort: Shell als Sponsor für die EXPO der „erneuerbaren Energien“. Wie gehen Sie damit um? Wie kommuniziert der Deutsche Pavillon zum Beispiel den Ausstieg aus der Atomkraft in der Heimat?

Das Thema der EXPO lautet „Energie der Zukunft“. Deutschland setzt mit der Energiewende auf den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und auf Energieeffizienz. Genau das bilden wir auch im Pavillon ab, indem wir in unserer Ausstellung innovative Technologien und Verfahren aus den Bereichen Sonne, Wind, Wasser, Geothermie und Biomasse präsentieren. Dementsprechend thematisieren wir auch nicht den deutschen Atomausstieg, sondern blicken nach vorne und zeigen zukunftsorientierte Lösungen rund um die erneuerbaren Energien und die Elektromobilität, die auch in anderen Teilen der Welt zum Einsatz kommen können.

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Der Windpark Yerementau I wurde in Kasachstan mit deutscher Unterstützung gebaut. Wo sehen Sie weitere konkrete Felder der energiewirtschaftlichen Zusammenarbeit? Inwiefern gab es seit Eröffnung der EXPO dazu Konkretisierungen?

Unsere Ambition ist es, die Zusammenarbeit unserer Länder bei den Zukunftsthemen, die für eine sichere, wirtschaftliche und klimaschonende Energieversorgung immer wichtiger werden, auszubauen. Hierzu gehören neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch Themen wie eine effizientere Energienutzung in Gebäuden sowie in der Industrie oder auch die Modernisierung der Stromnetze. Um diese Diskussion voranzutreiben und Themen zu konkretisieren, bei denen beide Seiten von einer engeren Kooperation profitieren können, organisierte die Deutsche Energie-Agentur dena am 11. und 12. Juli in Astana den „German Energy Dialogue“. Hierbei handelt es sich um eine hochrangige energiepolitische Konferenz, bei der Regierungs- und Unternehmensvertreter über eine breite Palette an derartigen Energiewendethemen diskutieren werden.

Inwiefern spielen Irritationen bezüglich der Meldungen über teilweise erzwungene Ticketkäufe im Vorfeld der EXPO eine Rolle für die Deutsche Repräsentanz?

Die Ticketvergabe des EXPO-Veranstalters können wir als Teilnehmerland nicht kommentieren. Wir freuen uns über die Besucher, die sich für einen Besuch in unserem Pavillon entscheiden.

Unser Ziel ist es, einen hochwertigen und für die Besucher interessanten Pavillon zu präsentieren. Wir möchten mit unserem Beitrag die Attraktivität der EXPO steigern, um so möglichst viele Menschen zu einem Besuch der Weltausstellung und natürlich auch des Deutschen Pavillons zu bewegen. Daher freut es uns besonders, dass der Deutsche Pavillon bereits in den ersten Tagen zu den beliebtesten Pavillons zählte und noch immer zählt.

Dem Umweltbundesamt zufolge stiegen die deutschen CO2-Emissionen in 2016 wieder. Wie passt das zusammen mit dem Bild das von Deutschland auf der EXPO vermittelt werden soll?
Deutschland hat sich sehr ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Bis zum Jahr 2020 wollen wir unsere Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent reduzieren. Dabei setzen wir auf den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz. Wir sind damit durchaus erfolgreich: Im Jahr 2015 waren die Treibhausgasemissionen bereits um rund 29 Prozent gesunken. Die vom UBA genannten Zahlen für 2016 sind eine vorläufige Schätzung.

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Bezogen auf CO2-Emissionen und fossile Brennstoffe – im Pavillon der Autonation Deutschland steht ein Elektro-Wagen von BMW. Gleichzeitig brachte der Antrittsbesuch von Außenminister Gabriel in China Ende Mai hervor, dass eine Quotenregelung, mit der am chinesischen Markt bis 2025 E-Autos einen Anteil von 30 Prozent stellen sollten, für die deutsche Autoindustrie aufgelockert wurde. Ist das das richtige Signal für deutsche Autobauer, die immer noch zu großen Teilen auf Benziner und Diesel setzen?

Dass hier bei der EXPO Elektroautos stehen, die Sie beim Händler kaufen können, zeigt doch eines ganz deutlich: Die deutschen Autobauer haben attraktive und alltagstaugliche Elektro-Fahrzeuge, die gleichzeitig die immer strengeren Abgas- und Umweltanforderungen erfüllen. Dabei ist die Umstellung von Verbrennern auf alternative Antriebe und Energieträger technisch und ökonomisch sehr herausfordernd für die Automobilindustrie. Die deutschen Hersteller haben hohe Milliarden-Beträge in die Entwicklung alternativer Antriebe investiert. Sie sind für die neue Mobilität gut aufgestellt und weltweit technologisch führend. Umso wichtiger sind international offene Märkte mit transparenten und gleichen Rahmenbedingungen für alle Firmen.

Dies ist in China derzeit leider nicht gegeben. Wir brauchen für unsere Unternehmen in China offene Märkte und faire Wettbewerbsbedingungen, so wie sie chinesische Unternehmen in Deutschland und der EU vorfinden. Dafür setzen wir uns ein. Insbesondere müssen bestehende Investitionsbeschränkungen wie der Joint-Venture-Zwang für Automobilhersteller abgeschafft werden, alle Hersteller bei finanziellen Förderbedingungen gleichgestellt werden und Zwang zum Technologietransfer aufgegeben werden. Auch der Schutz geistigen Eigentums gehört dazu.

Daher setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass die von Ihnen angesprochene chinesische Regulierung zu verbindlichen Quoten für Elektroautos angepasst wird, so dass die Ziele für chinesische und ausländische Unternehmen erreichbar sind und ihre verzerrende Wirkung gemildert wird.

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Vor dem Hintergrund der Insolvenz von SolarWorld: Inwiefern und wie können zukünftig deutsche Technologien zu Erneuerbarer Energie eine ähnlich gewichtige Rolle für den Export – wie die Klassiker Maschinen und Motoren – spielen?

Deutsche Unternehmen gehören nicht zuletzt wegen der erfolgreichen Vorreiterrolle bei der Energiewende weltweit zu den führenden Anbietern innovativer Energietechnologien, -dienstleistungen und -systemlösungen. Andere Länder greifen daher bei ihren Bestrebungen zum Erreichen ambitionierter energie- und klimapolitischer Zielsetzungen häufig auf deutsches Know-How zurück.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt unter anderem im Rahmen der bestehenden bilateralen Energiepartnerschaften und -dialoge den Ausbau von Wirtschaftskooperationen. Die Unternehmen können dabei auch die bewährten Instrumente der deutschen Außenwirtschaftsförderung wie etwa das Auslandsmesseprogramm nutzen. Dem Export von Produkten aus diesem Sektor widmet sich im Bundeswirtschaftsministerium zudem eine eigene Exportinitiative mit zahlreichen Informations- und Geschäftsanbahnungsmaßnahmen.

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Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Philip Klein.