Vom 16. bis 25. Januar 2026 findet auf dem Messegelände Messe Berlin die „Internationale Grüne Woche“ (IGW) statt. Die IGW zählt zu den bundesweit traditionsreichsten Messen und feiert in diesem Jahr ihr 100 jähriges Bestehen. Mit über 1.600 Ausstellern aus 50 Ländern ist die IGW einzigartig.
Sie ist die internationale Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau und bietet zudem aktuellen gesellschaftlichen Fragen wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Landnutzung eine Bühne. Die „Grüne Woche“ ist auch der Ausgangspunkt für das „Global Forum for Food and Agriculture“ (GFFA), das dieses Jahr unter dem Motto: „Water. Harvests. Our Future“ stand. Das GFFA ist die führende internationale Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der weltweiten Land- und Ernährungswirtschaft, deren Höhepunkt das Treffen von über 70 Agrarministerinnen und -ministern war. In diesem Jahr wurde Zentralasien auf der IGW durch Kasachstan und Tadschikistan vertreten.
Am Messestand von Kasachstan
Als Zeichen der Freundschaft und Partnerschaft zwischen Kasachstan und Deutschland, sowie anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der IGW, überreichte die Republik Kasachstan, vertreten durch den Botschafter der Republik Kasachstan, S.E. Nurlan Onzhanov, den Organisatoren der Messe, vertreten durch Verena Hedtke, Referatsleiterin für „Osteuropa, Zentral und Ostasien, Erweiterung“ vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), feierlich ein symbolisches Geschenk – 100 Zwiebeln kasachischer Tulpen.
An der Messe beteiligten sich mehrere kasachische Unternehmen (u.a. die Firmen Becker, KH „Birlik“ oder Bay), die in ihrer Produktion nach EU-Standards arbeiten und bereit sind, den europäischen Markt regelmäßig zu beliefern. Die präsentierten Produkte kasachischer Hersteller aus dem Lebensmittel- und Textilbereich stießen sowohl bei internationalen Partnern, Vertretern deutscher Handelsketten, Distributoren als auch bei den Messebesuchern auf großes Interesse.
Am Lebensmittelstand von Kasachstan herrschte teilweise ein sehr großer Besucherandrang, weil es dort unterschiedlichste Fleischsorten zu probieren gab. Für den deutschen Verbraucher war insbesondere das Pferdefleisch eine Besonderheit. Hervorzuheben waren aber auch kasachische Gerichte, die vom kasachischen Restaurant „ETHNOYURT“ dargereicht wurden, das vor kurzem in Berlin eröffnet hat. Die hochrangigen Gäste von Botschafter Onzhanov konnten sich bei Dombraklängen vom frisch zubereiteten Beschbarmak überzeugen.
Besuch einer kasachischen Delegation
Die kasachische Delegation wurde vom Vizeminister für Landwirtschaft Asat Sultanow geleitet. Am Rande der Internationalen Konferenz „Global Forum for Food and Agriculture“ (GFFA) fand eine Reihe von Treffen und Verhandlungen statt, wozu auch ein Treffen mit Staatssekretär Markus Schick vom BMLEH zählte. Es wurden Fragen der weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Pflanzenbau, Tierhaltung und Veterinärwesen, Saatgutwirtschaft und nachhaltige Landwirtschaft erörtert. Auch der Einführung energie- und wassersparender Technologien, der ressourcenschonenden Verarbeitung und Lieferung von Lebensmitteln und damit verbundenen Themen wurde auf diesen Treffen die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet. Auch die Fortführung des Deutsch-Kasachischen Agrarpolitischen Dialogs spielte in diesen Konsultationen eine wichtige Rolle.
Weitere Gespräche fanden mit CEOs deutscher führender Agrarunternehmen wie CLAAS Landmaschinen statt. Die kasachische Seite lud den Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer zu einem Besuch in Astana ein, um den Dialog zu intensivieren und die bisher erzielten Vereinbarungen in der Praxis weiterzuentwickeln.
In einem Interview mit dem kasachischen Vizeminister verwies dieser auf die Herausforderungen der Wasserwirtschaft in der Landwirtschaft in Kasachstan beziehungsweise generell auf das Thema Wasserknappheit in Zentralasien. Weil Kasachstan ein Binnenstaat und als solcher von der Wasserzufuhr aus anderen Staaten abhängig ist, ist eine engere internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Nachbarländern, aber auch mit Universitäten oder deutschen Forschungseinrichtungen zum Thema Wassermanagement, neuen Technologien und den damit verbundenen Anforderungen an den Klimawandel gewünscht.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ernährungssicherheit der kasachischen Bevölkerung. Etwa 80% der Fläche Kasachstans können landwirtschaftlich genutzt werden, davon rund 13% für den Ackerbau. Die staatliche Politik zielt auf eine Diversifizierung der angebauten Kulturen, eine Professionalisierung der Landwirtschaft sowie auf eine Steigerung des Produktionsvolumens und der Verarbeitungstiefe von Nahrungsmitteln im Land ab. Dabei ist zweifellos eine gute regionale Abstimmung entscheidend.
Weiter erwähnte die Vizeminister, dass Kasachstan sehr daran interessiert ist, hochwertige Lebensmittel wie beispielsweise Berghonig oder Kaviar aus verschiedenen Regionen des Landes, aus Almaty, aus Westkasachstan oder dem Kaspischen Meer nach Europa zu exportieren.
Das Exportpotential Kasachstans
Der Minister erwähnte weiterhin, dass im Gegensatz zu Deutschland, wo immer mehr landwirtschaftliche Betriebe verschwinden und Nachfolgeregelungen eine wachsende Herausforderung darstellen, in Kasachstan viele junge Bauern aktiv sind und es somit dort keine Nachwuchsprobleme gibt.
Der Minister erwähnte im Besonderen die Rolle der Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben: „Sie übernehmen eine sehr wichtige Aufgabe: sie sorgen für den Familienzusammenhalt, was viele landwirtschaftliche Betriebe erfolgreich macht“.
Ein Wunsch des Vizeministers an Deutschland ist, den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit beider Länder durch Joint Ventures und projektbezogene Aktivitäten zu vertiefen.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Teilnahme Kasachstans an den Veranstaltungen es ermöglichte, das Exportpotenzial des kasachischen Agrarsektors zu demonstrieren, aber auch die Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Unternehmen zu stärken. Die Ergebnisse des Besuchs bestätigten die Bereitschaft Kasachstans, die internationale Zusammenarbeit weiter auszubauen und innovative Ansätze in der Entwicklung des Agrarsektors aktiv voranzutreiben.
Die Präsentation Tadschikistans
Auch Tadschikistan war auf der Internationalen Grünen Woche vertreten. An der IGW 2026 nahm eine hochrangige Delegation der Republik Tadschikistan, unter der Leitung der stellvertretenden Ministerin für Landwirtschaft Nigina Anvari teil. Ebenfalls anwesend war die stellvertretende Ministerin für Energie und Wasserressourcen Sharifa Khudobakhsh, der stellvertretende Minister für Industrie und Neue Technologien Safarzoda Bakhtiyor, S.E. Dr. Imomudin Sattorov, der Botschafter der Republik Tadschikistan, sowie weitere Vertreter von Behörden und Ministerien Tadsсhikistans.
Im Rahmen der Messe wurden die Errungenschaften und Potenziale des landwirtschaftlichen und ernährungswirtschaftlichen Sektors der Republik Tadschikistan präsentiert. Am nationalen Stand Tadschikistans hatten die Besucher die Möglichkeit, sich mit einer breiten Palette landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Produkten einheimischer Unternehmen sowie Beispielen traditioneller Handwerkskunst vertraut zu machen. Die Präsentation Tadschikistans stößt auf reges Interesse bei den Besuchern sowie beim fachkundigen Publikum. Auch durch die Darreichung von frisch zubereitetem Plov.
Am Rande der Messe fanden Treffen und Gespräche zwischen Vertretern des Ministeriums für Landwirtschaft der Republik Tadschikistan und der Leitung zuständiger Ministerien, Behörden, Unternehmen und Institutionen Deutschlands sowie anderer Länder statt. Dabei wurden Fragen der Ausweitung der bilateralen Zusammenarbeit, der Gewinnung von Investitionen sowie der Umsetzung gemeinsamer Projekte im Bereich Landwirtschaft und Ernährung erörtert.

























