Die Deutsch-Kasachische Universität (DKU) gründet gemeinsam mit dem Internationalen Hochschulinstitut Zittau ein „Umweltzentrum Mittelasien“. Außerdem ist geplant, einen Studiengang Umweltmanagement zu etablieren. Das Ziel: Studenten in Kasachstan sollen lernen, Energien effizient zu nutzen und ein Bewusstsein für naturschonendes Verhalten entwickeln.

„Ich habe einen Traum: Eines Tages soll das Gebäude unserer Universität ein Demonstrationsobjekt für energieeffizienten Umweltschutz in Zentralasien sein“, sagt Professor Bodo Lochmann, Rektor der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in Almaty. Der Wirtschaftswissenschaftler wünscht sich beispielsweise eine bessere Wandisolierung und Sonnenkollektoren auf dem Dach. „Bis dieser Traum in Erfüllung geht, wird noch einige Zeit vergehen und viel Geld nötig sein“, fügt er hinzu. Der erste Schritt in diese Richtung wurde allerdings in dieser Woche getan: Lochmann unterzeichnete gemeinsam mit Professor Matthias Kramer vom Internationalen Hochschulinstitut Zittau einen Vertrag über die gemeinschaftliche Gründung eines Umweltzentrums an der DKU. Studenten aus ganz Zentralasien sollen dort zusammenkommen, sich austauschen und an Projekten arbeiten. „Diese Einrichtung ist einzigartig in der Region“, so Bodo Lochmann.

Zum Umweltzentrum wird es auch einen neuen Studiengang an der DKU geben: Umweltmanagement. „Studenten sollen ein Bewusstsein für umweltschonendes Verhalten entwickeln“, erklärt Kramer die Grundphilosophie. „Die jungen Akademiker leben das Wissen in ihrer Arbeitspraxis und im Alltag weiter.“ Der Professor, der selbst im sächsischen Zittau Umweltmanagement lehrt, möchte darüber hinaus die Studenten aus Deutschland und Kasachstan einander näher bringen: „Das Umweltthema ist ideal für internationale studentische Austausch- und Arbeitsprojekte.“ So soll die Sommeruniversität der DKU im nächsten Jahr ganz im Zeichen der Umweltproblematik stehen.

In punkto Umweltschutz möchten sich die beiden Professoren um einen pragmatischen Ansatz bemühen: „Es geht uns nicht um philosophischen Idealismus. Wir wollen Umweltschutz und effiziente Energienutzung an konkreten Beispielen verdeutlichen“, sagt Lochmann. Mit dem erworbenen Wissen sollen die Studenten in der kasachischen Wirtschaftswelt für frischen Wind sorgen. „Auch die Unternehmen können von umweltfreundlichen Arbeitsprozessen profitieren“, so der Wirtschaftwissenschaftler, der selbst Mitglied in der Partei „Die Grünen“ ist. „Durch effiziente Energienutzung sparen Unternehmen viel Geld. Mit geringem Aufwand können bereits große Effekte erzielt werden.“ Sein neu gewonnener Partner Kramer fügt hinzu: „Betriebswirtschaftlich kann man von einem Ökoprofit reden.“

„Der Onkel im dicken Auto wirft alles weg“

Dass es um das Umweltbewusstsein der Menschen in Kasachstan im Augenblick noch keineswegs rosig steht, bedauert Bodo Lochmann: „Ein großes Problem ist, dass viele Leute die Haltung haben: ‚Der Staat muss für alles sorgen’. Dies führt dazu, dass sie selbst wenig auf die Umwelt aufpassen“, meint der Professor. Besonders bedenklich ist, dass diese Gleichgültigkeit in Umweltfragen schon im jungen Alter anerzogen wird: „Tag für Tag sehen die Kinder: Die Eltern und der Onkel mit dem dicken Auto werfen alles weg“, erklärt Lochmann die weitere Problematik. „Was mich aber am meisten aufregt, ist, dass sich anscheinend niemand in diesem Land darüber aufregt.“ Auch von bisherigen Umweltschutzinitiativen in Kasachstan ist Lochmann nicht vollkommen überzeugt. Er verweist auf den „Subbotnik“, ein Samstag, an dem sämtliche Schulkinder durch die Stadt ziehen und Müll aufsammeln: „Ich denke, dass dieses Ereignis eher eine Anti-Haltung gegenüber Umweltschutz hervorrufen könnte“, so der Grüne. Auch die niedrigen Energiepreise stimmen Lochmann kritisch: „Hohe Preise sind der beste Anreiz für energieeffizientes Verhalten. In Kasachstan ist Energie zu billig.“

Dennoch wollen die Professoren vermeiden, dass die Umweltbildung an der Deutsch-Kasachischen Universität unter erhobenem Zeigefinger stattfindet: „Wir dürfen keineswegs arrogant sein, sondern müssen auf die Studenten eingehen und ihr Verständnis gewinnen“, mahnt Kramer. „Und wir dürfen nicht vergessen, dass auch in Deutschland das Umweltthema ein wenig in den Hintergrund der gesellschaftlichen Debatte gerückt ist“, so der Professor aus Zittau. „Wir müssen auch mit uns selbst kritisch sein.“

„Noch ein wenig nebelhaft“

In jedem Fall geht es bei dem Umweltzentrum an der Deutsch-Kasachischen Universität darum, Zeichen zu setzen. Bereits im nächsten Semester sollen erste Seminare und Projektveranstaltungen angeboten werden. Was genau am „Umweltzentrum Mittelasien“ stattfindet, wird geklärt, sobald Sponsoren gesichert und Geldmittel auf dem Tisch sind: „Ich gebe zu: Bisher ist das Ganze noch ein wenig nebelhaft“, sagt Bodo Lochmann. Zumindest eine erste Vorlesungsreihe zum Umweltmanagement wurde an der DKU bereits gehalten. Jana Brauweiler vom Internationalen Hochschulinstitut Zittau hat die hiesigen Studenten schon mal in das Thema eingeführt: „Alle waren sehr interessiert und haben sich rege beteiligt“, freut sich die Dozentin.

Von Christian Lindner

29/09/06