Ein Kranz (engl. und ital.: corona) aus Sonetten ist ein lyrisches Genre, das seit dem 18. Jahrhundert existiert und heute immer noch lebendig ist: 14 Sonette, die jeweils letzte Zeile wiederholt sich als die erste Zeile eines nächsten Sonetts, das 15. „Meistersonett“ fasst dann alle Anfangs- bzw. Endzeilen gemäß ihrer Reihenfolge zusammen.

Einzelne berühmte deutsche, russische, englische oder italienische Dichter haben einen Sonettenkranz verfasst und wohl nur ganz wenige mehr als einen. Ein Buch nur mit Sonettenkränzen? Das gab es bisher noch nie in der Geschichte der Lyrik.

Der Autor zu seiner Idee:

„Der erste Sonettenkranz, den ich las, war ‚Wermutkranz für Maximilian Woloschin‘ von der russlanddeutschen Autorin und Literaturwissenschaftlerin Elena Seifert. Obwohl ich da noch nicht viel von der strengen Form eines Sonettenkranzes verstand, inspirierte mich dieses lange Gedicht so sehr, dass ich fortan selbst Sonettenkränze zu ‚flechten‘ begann.
So entstand auch eine Nachdichtung des besagten Werkes von Elena Seifert, die Einzug in ‚Nihilschwimmer‘ fand. Und als ich mehrere Sonettenkränze zusammen hatte, kam irgendwann der Gedanke an einen Sammelband. Wichtig war mir dabei die inhaltliche Breite. Die lyrische Form ist zwar stets die gleiche, hier und da experimentell variierend, doch hat jeder Kranz sein eigenes Thema und erzählt eine Geschichte: Mal geht es um das Leben eines Russlanddeutschen erst in Kasachstan, dann in Deutschland, mal sind es solche ewigen Themen wie Liebe und Tod.“

Über den Autor:

Max Schatz (geb. 1981 in Russland) siedelte 1992 aus Kasachstan nach Deutschland über. Da hatte er schon sein erstes Manuskript auf Russisch geschrieben, den Fantasy-Jugendroman „Ostrow Bandy pjati“ („Die Insel der Fünfer-Bande“), der erst im letzten Jahr überarbeitet im russischen Verlag „Sojus pisatelej“ („Schriftstellerverband“) erschien.
„Nihilschwimmer“ ist sein Buchdebüt in Deutsch. Veröffentlicht vom ostbooks Verlag, herausgegeben vom Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland und dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland e. V., ISBN: 978-3-947270-09-5, 108 S.

Und warum nun „Nihilschwimmer“?

Dazu steht im Klappentext des Buches:
„…Ein lyrisches Ich, das zeitlebens nicht in seinem Element ist
…doch gezwungen, darin zu bleiben
…stets auf der Reise zu, auf der Suche nach
…irgendeine ‚Wahrheit‘ ablehnend, im Dunkel des Lebens am Ariadnefaden entlang
…zurück zum Sinn.“

Ein Sonett aus dem Buch:

Der Freiheitsdrang! Und nichts ist echter.
Auch keine noch so große Tat
ist unbedingt. Der klügste Rat
macht niemanden zum
Wahrheitspächter.

Die Liebe übt uns im Spagat
von seiner Wünsche noblem Knechter
zu ungehemmtem Selbstverächter,
dem die Erfüllung ein Verrat.

Wie oft auch schon ihr Engel fiel
nach höh’rer Regel in dem Spiel,
wo Schmerz und Wachstum
sich bedingen,

mich manchmal weckt sein schöner Lob-
gesang, und mir scheint so, als ob
es will das Herz mit Flügeln schwingen.