Journalistische Grundlagen, Diskussionen und Interviews standen in der vergangenen Woche bei einem vom Goethe-Institut in Almaty veranstalteten Journalistikseminar mit Studenten aus Kasachstan und Kirgisistan auf dem Programm. Geleitet wurde das Seminar von der Redakteurin der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), Cornelia Riedel. Nachdem zu Beginn der Woche vom 19. bis 25. August vor allem Grundlagen der Recherche, journalistische Darstellungsformen und Diskussionen im Vordergrund standen, wurde es im zweiten Teil praktisch: Die Teilnehmer führten Interviews mit verschiedenen deutschsprachigen Leuten in Almaty. Das Ergebnis lesen Sie nun in der vorliegenden Sonderbeilage der DAZ.

Albina Umarowa ist 20 Jahre alt und studiert an der Staatlichen Universität Osch in Kirgisistan Germanistik. „Für mich war interessant, die Theorie auch in die Praxis umzusetzen.“

„Medien sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, und wer sie versteht, versteht das Zeitgeschehen besser“, umreißt Cornelia Riedel, Redakteurin der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), den Grundgedanken hinter dem vom Goethe-Institut in Almaty veranstalteten Journalistikseminar. In der Woche vom 19. bis 25. August trafen sich sieben Studenten aus Kasachstan und Kirgisistan, um gemeinsam die Grundlagen des journalistischen Handwerks kennen zu lernen. Aus insgesamt 80 Bewerbern hatte das Goethe-Institut in Almaty sieben Teilnehmer ausgewählt, die sich mit einem Aufsatz zum Thema „Die Rolle der Frau heute“ beworben hatten, und ermöglichte ihnen einen Aufenthalt in der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, Almaty. Sieben Tage wohnten die Teilnehmer gemeinsam im Sanatorium „Ak-kajin“ in den angrenzenden Bergen der Stadt. „Ich habe mich unheimlich gefreut, als ich die Zusage bekommen habe“, sagt die 20-jährige Teilnehmerin Anna Minich aus Kostanai in Kasachstan. „Es macht Spaß, mit jungen Leuten aus verschiedenen Kulturen über Medien und Journalismus zu diskutieren“, beschreibt Cornelia Riedel ihre Motivation als Seminarleiterin.

„Die richtigen Fragen stellen“

An den fünf Seminartagen standen Diskussionen, journalistische Theorie und anschließend die Praxis auf dem Plan. In den ersten Tagen beschäftigten sich die Teilnehmer vor allem mit journalistischen Darstellungsformen, der Recherche, der Selektion von Informationen und den Unterschieden im deutschen und russischsprachigen Journalismus. Aber auch praktische Übungen standen auf der Tagesordnung: So mussten die Teilnehmer selbst eine Meldung verfassen, lernten, wie man eine Nachricht schreibt und welche Quellen Journalisten nutzen. „Ich habe mehr über die theoretischen Hintergründe des Journalismus, die Darstellungsform des Interviews gelernt und verstanden, dass es darauf ankommt, die richtigen Fragen zu stellen“, fasst der 19-jährige Alexej Bokow aus Rudny in Kasachstan die Erkenntnisse der ersten Seminartage zusammen.

Neben der theoretischen und praktischen Arbeit wurden Ausflüge in die Umgebung unternommen, die Redaktion der DAZ besucht und die Deutsch-Kasachische Universität (DKU) besichtigt. Als Höhepunkt des Seminars hatten die Teilnehmer dann die Möglichkeit, das gelernte Wissen in der Praxis anzuwenden und führten selbstständig Interviews mit Deutschen in Almaty durch.

Auf die Reihenfolge kommt es an

Am Dienstag gab es letzte Informationen und Hilfestellungen von Seminarleiterin Cornelia Riedel, bevor die Teilnehmer sich mit ihren jeweiligen Interviewpartnern trafen. „Eisbrecher-, offene- oder geschlossene Fragen – das war alles neu für mich“, erzählt die 20-jährige Rachat Jessenalijewa aus Bischkek in Kirgisistan. Gemeinsam mit der Chefredakteurin wurden die Fragen und Fragetechniken besprochen und die Interviews vorbereitet. So traf sich Teilnehmerin Anara Kulmambetowa mit der Deutschen Sybille Kranz, die derzeit bei der Europäischen Komission in Almaty arbeitet. „Das Schwierigste war, beim Gespräch die Fragen in die richtige Reihenfolge zu bringen“, beschreibt die 20-jährige Deutsch- und Literaturstudentin aus Kasachstan ihre Erlebnisse. Andere Gesprächspartner waren zum Beispiel die Leiterin des Goethe-Institutes in Almaty, Alix Landgrebe, oder Marcus Flieher, Teilnehmer der diesjährigen Sommeruniversität an der DKU. „Es war sehr interessant, verschiedene Formen der Gesprächsführung kennen zu lernen und anzuwenden“, erzählt die 20-jährige Studentin Alina Schumaschanowa aus Astana nach ihrem Interview mit dem Teilnehmer der Sommeruniversität. Sie ist überzeugt davon, dass ihr journalistisches Handwerkszeug im späteren Berufsleben sehr viel bringen kann.

In die richtige Form gebracht

Nachdem die Teilnehmer Theorie und Praxis kennengelernt hatten, folgte der letzte Schritt, die Aufbereitung der Interviews für den Druck als Sonderbeilage für die DAZ. Mitschriften wurden abgetippt, Überschriften ausgedacht und verworfen oder über Textpassagen diskutiert. Für zwei Stunden waren alle Teilnehmer voll und ganz mit ihren Interviews beschäftigt. Nach letzten Korrekturen, Besprechungen und Fragen konnten die Teilnehmer zufrieden auf ihr Werk blicken. „Es ist schon etwas besonderes, meine Arbeit Schwarz auf Weiß zu haben“, freut sich Assel Tulepowa aus Pawlodar. „Vor allem, weil die DAZ auch in unserer Hochschule ausliegt und meine Kommilitonen meinen Text lesen werden“, fügt die 20-jährige Deutsch-Englisch-Studentin hinzu und verlässt lächelnd die Redaktion.

Ob die Teilnehmer später einmal einen journalistischen Beruf ergreifen wollen, wissen sie noch nicht. Jedoch „ist es in vielen Bereichen wichtig, dass Wichtige vom Unwichtigen trennen zu können“, fasst Anara Kulmambetowa ihre Meinung über das Seminar zusammen und verlässt als letzte an diesem Tag ihren Platz im Computerkabinett der DKU.

Die journalistischen Ergebnisse aller Seminarteilnehmer lesen Sie nun in der vorliegenden Sonderbeilage der DAZ.


24/08/07