In Zentralasien streiten sich Reitsportler um ein totes Tier: sie kämpfen um einen toten Ziegenbock, den eigenen Ruhm und die eigene Ehre. Das jahrtausendalte Reiterspiel ist eines der ältesten zentralasiatischen Traditionen, die immer mehr von profitgeleiteten Interessen begleitet ist.

Es geht um einen toten Ziegenbock, um den sich erwachsene Männer streiten: Kupkari ist ein jahrtausendaltes Reiterspiel, das zu Zentralasien gehört, wie der Basar oder der Tienschan. Dabei müssen die „Recken“ – wie die Reiter genannt werden – das tote Tier unter ihre Kontrolle bringen und bis zum Ziel transportieren. Weil das aber alle Reiter wollen, kommt es zu regelrechten „Schlachten“ um die Beute. Dem Sieger winken Ruhm und Anerkennung. Zumindest war das früher so: Heute hat sich die Sportart gewandelt. Kupkari ist genauso bedroht von Kommerzialisierung, wie andere nationale Traditionen.

Kupkari ist das wilde „Polo“ Zentralasiens. Ziel des Spiels ist, dass die „Recken“ den Ziegenbock vom Boden oder aus der Hand anderer Reiter entreißen und damit bis zum Ziel galoppieren. Als Zielmarkierung kann eine gewöhnliche Säule oder ein Reiter mit Fähnchen dienen. Die Reiter müssen ausdauernd, unerschrocken und kräftig sein. Der Bock wird bereits zwei Tage vor Spielbeginn geschlachtet. Dann wird er in salzigem Wasser getränkt. Kurz vor Spielbeginn wird ihm dann noch zusätzlich Salz in alle Körperöffnungen hineingesteckt. Der Bock soll als Spielgerät so schwerer – oft bist zu einhundert Kilogramm – werden, schließlich handelt es sich um eine Männersportart, bei der es sich zu beweisen gilt. Die Wettkämpfe dauern einen halben Tag – mit 10 bis 18 Spielen.

Dieser Sport ist so alt wie die zentralasiatische Kultur. Und obwohl sie sich über Jahrhunderte entwickelte, ist Kupkari bis heute fast unveränderlich geblieben. In verschiedenen Sprachen nennt man den gleichen Wettkampf etwas anders: im alten Persien hieß es „Buzkaschi“, „Ulak Tartisch“ in Tadschikistan; „Kok– Boru“ wird der Wettstreit überwiegend in Kasachstan genannt.

„Ich kannte das Kupkari eigentlich nur als eine afghanische Sportart“, sagt der in Berlin arbeitende Ethnologe Julian Tucker. Bis er die zentralasiatischen Länder besuchte. „Natürlich tun mir die Tiere leid. Die Pferde sind oft blutig nach dem Kupkarispiel, aber auf der anderen Seite sind diese Tiere zu wertvoll für Besitzer, als dass sie ernsthafte Verletzung davontragen könnten. Es ist eben ein echter Volkssport.“

Dabei hat die Politik – vor allem die Eroberer – immer wieder versucht, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Das wurde zum Beispiel deutlich, als die Sowjets versuchten, die jahrhundertalten Sitten und Bräuche zu verbieten. Die Arbeiter– und Bauerngesellschaft sollte sich bilden – anstatt beim wilden Kupkari-Spiel Emotionen zu zeigen.

Heute wird die traditionelle Kultur und damit auch das Kupkari in Zentralasien wieder mehr beachtet. Aber der Kulturcode hat sich verändert. Es geht den Reitern nicht mehr um Ruhm und Ehre, sondern um finanziellen Profit. Die Pferde galoppieren nicht für das Ziel des Reiters, bewundert zu werden, sondern für ihre Werbung – damit der Besitzer sie schneller und teurer verkaufen kann. Für jede Runde gibt es Preise – von einer kleinen Geldsumme bis zum neuen Auto. Ruhm ist mittlerweile käuflich.

Julian Tucker sagt: „Noch immer schürt diese ausdrucksvolle Sportart sowohl bei den Reitern als auch bei den zahlreichen Zuschauern ungestüme Emotionen.“ Das liegt wohl darin, dass sich das Spiel durch erregte Pferde, harte Peitschenhiebe und den toten Ziegenbock auszeichnet. Aber das Kupkari sei von Kommerzialisierung bedroht. Ruhm und Ehre allein seien heute keinen Wettkampf mehr wert.

Von Turonbek Kozokov