Experten sagen ein Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik von zwei Prozent voraus. Warum dies angesichts der demographischen Situation eine sehr gute Prognose ist, erklärt Prof. Dr. Bodo Lochmann.

Deutschland ist eine Exportnation, was heißt, dass das Wohl und Wehe der Gesellschaft davon abhängen, wie sich die Nachfrage nach deutschen Waren auf den Außenmärkten entwickelt. Da etwa zwei Drittel der deutschen Exporte in die EU-Länder gehen, diese aber in den letzten Jahren infolge der durch zu hohe Staatsverschuldung ausgelösten Eurokrise deutlich weniger importieren konnten, musste sich dies auch auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungsdaten für das letzte Jahr auswirken. Nach den nun vollständig vorliegenden Informationen ist das deutsche BIP in 2013 um magere 0,4 Prozent gestiegen, was zwar nicht allzu viel ist, aber immer noch deutlich mehr als in den meisten anderen EU-Staaten, die teilweise gar einen Rückgang dieser Kennziffer verzeichnen mussten. Zudem hat der bisherige Wachstumsmotor China auch einige Verschleißerscheinungen gezeigt. Das Wachstum dort und demnach die Nachfrage nach Importwaren, darunter deutschen, war geringer als ursprünglich erwartet.

Die deutsche, insgesamt dennoch positive Jahresbilanz hat diesmal nicht der Export, sondern die Binnennachfrage der deutschen Verbraucher gerettet. Dank niedriger Arbeitslosigkeit (die Beschäftigung stieg um 0,6 Prozent), steigenden Einkommen (die Arbeitnehmereinkünfte erhöhten sich um 2,9 Prozent und die Vermögenseinkünfte um 2,8 Prozent) und niedrigen Kreditzinsen (2 bis 3 Prozent) stieg in 2013 der private Konsum real (also nach Abzug der Inflation) um 0,9 Prozent.

Auch der Staat steigerte, ungeachtet der eigentlich gegebenen Notwendigkeit zum Sparen, seine Ausgaben um 0,2 Prozent. Das Finanzierungsdefizit der Bundesregierung, also der Zuwachs der Schulden betrug 8,5 Milliarden Euro, das der Bundesländer
3,2 Milliarden. Demgegenüber machten die Gemeinden 4,1 Milliarden Euro und die Sozialkassen gar 6 Milliarden Euro Überschuss.

Der Außenhandel, bisher eigentlich das Zugpferd der deutschen Wirtschaft, belastete hingegen die Wachstumsbilanz des Jahres 2013. Da die Importe deutlich stärker stiegen als die Exporte, verringerte sich der Außenbeitrag (Export minus Import) um 0,3 Prozent. Negativ zu vermerken ist auch die Disproportion zwischen dem Wachstum der Einkünfte, das bei fast 3 Prozent lag und dem Wachstum der Produktivität der Gesamtwirtschaft. Letzteres betrug in 2013 nur 0,2 Prozent. Das ist eine Folge der Investitionsunsicherheit für die Unternehmen, die aus der gesamtwirtschaftlichen Lage in der Eurozone und generell auf den Weltmärkten zu verzeichnen war. Insgesamt investiert die deutsche Wirtschaft momentan zu wenig. Das wirkt sich gegenwärtig nicht allzu drastisch auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus, hält dieser Trend jedoch längere Zeit an, kann daraus ein Problem entstehen. Auch die genannte Disproportion zwischen Einkommens– und Produktivitätswachstum ist für einen kürzeren Zeitraum eher unproblematisch, denn in den Vorjahren war die Relation umgedreht. Generell aber muss jeder Einkommenszuwachs durch einen Produktivitätszuwachs erwirtschaftet werden.

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft, im laufenden Jahr bessere Ergebnisse zu erzielen als in 2013, sind gut. Die meisten Forschungsinstitute prognostizieren ein Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent, was für eine hochentwickelte Volkswirtschaft mit stagnierender Bevölkerungszahl nicht schlecht ist. Da die Beschäftigung anhaltend hoch ist und sich auch das sonstige binnenwirtschaftliche Umfeld stabil verhält (niedrige Kreditzinsen und niedrige Inflation von unter zwei Prozent) dürfte die Binnennachfrage weiter steigen, eine Folge der insgesamt steigenden Kaufkraft. Auch auf den Außenmärkten gibt es starke Signale der Wende zum Besseren: die meisten, in den letzten drei, vier Jahren eher problembeladenen Staaten der Eurozone sind auf den Pfad der Erholung eingeschwenkt. Auch dort wächst die Beschäftigung, allerdings meist noch von einem relativ niedrigen Niveau. So sind in den südeuropäischen Staaten der EU (Griechenland, Portugal, Spanien) noch mehr als 20 % der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos, darunter besonders viele Jugendliche.

Auch in den USA beginnt die Wirtschaft wieder zu boomen, nicht zuletzt infolge der Bereitstellung von billigem Schiefergas, was eine ganze Reihe von energieintensiven Unternehmen international wettbewerbsfähiger macht. Nicht wenige Unternehmen, die in den letzten Jahren in China, Indien, Brasilien oder Russland (BRIC-Staaten) investiert haben, verlagern aus verschiedenen Gründen ihre Investitionen von dort in stabile, berechenbare und kaufkraftstarke Regionen, darunter vor allem die USA und Europa. Der Konflikt um die Krim hat eine wahre Massenflucht von Kapital aus Russland bewirkt, die aufnehmenden Länder wird das freuen.

Bodo Lochmann

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