In vielen Ländern gibt es die Tradition der guten Vorsätze. Im neuen Jahr soll alles anders, alles besser werden: Wir wollen gesünder leben, mehr Zeit mit der Familie verbringen, weniger arbeiten – und uns vielleicht endlich auch um unsere Finanzen kümmern. Oder sind bei Ihnen die Finanzen in Ordnung? Dann herzlichen Glückwunsch und alles Gute fürs neue Jahr.
Aber wenn nicht – dann sind hier meine drei guten Wünsche fürs neue Jahr 2026!
Erster Wunsch: Vertrauen Sie Ihren eigenen Fähigkeiten
Wer an persönliche Finanzen, Kredite und Investitionen denkt, hat häufig den Eindruck, dass alles sehr kompliziert ist. Zu viele Fragen scheinen geklärt werden zu müssen, und womöglich braucht man auch noch gute Mathematikkenntnisse. Die gute Nachricht ist: Das stimmt nicht. Wenn Sie bis zu diesem Satz in meiner Kolumne gekommen sind, dann werden Sie auch mit Ihren Finanzen zurechtkommen – versprochen.
Der erste Wunsch ist also kein echter Wunsch, sondern eine Überzeugung – jede und jeder von uns kann das! Persönliche Finanzen sind kein kompliziertes Thema, wenn man sich auf ein paar einfache Wahrheiten beschränkt.
Geld ist oft knapp. Umso sinnvoller ist es, sich wenigstens einmal im Jahr einen Abend Zeit zu nehmen und die Ausgaben der letzten zwei bis drei Monate zu überprüfen. Gehe ich mit meinem Geld so um, dass es mir den maximalen Nutzen bringt? Gebe ich es für Dinge und Erlebnisse aus, die mir persönlich wichtig sind? Viele kasachische Bank-Apps liefern mit wenigen Klicks eine Ausgabenübersicht. So lässt sich schnell erkennen, wofür das Geld tatsächlich ausgegeben wird. Und wer einmal auf den Geschmack kommt, schaut vielleicht nicht nur insgesamt, sondern auch innerhalb der Kategorien genauer hin – geht das Geld dorthin, wo es für mich am meisten Sinn macht?
Daraus ergibt sich eine wichtige Erkenntnis. Für ein zufriedenes Leben zählt nicht nur die Menge des Geldes. Entscheidend ist vor allem, wofür es eingesetzt wird (ganz wenig zu haben, ist natürlich schwierig). Wer ständig Dinge kauft, die er sich eigentlich nicht leisten kann, nur um Menschen zu beeindrucken, die er nicht einmal mag, dem sollte klar sein: Hier muss sich etwas ändern.
Zweiter Wunsch: Vergessen Sie Ihr morgiges Ich nicht
Je 10.000 Tenge können nur einmal ausgegeben werden. Entweder heute oder morgen. Es ist daher eine gute Idee, nicht nur heute an sich zu denken, sondern auch ein wenig an sein morgiges Ich. Bei der Erziehung von Kindern tun wir genau das. Wenn wir ihre Schul- und Ausbildungskosten bezahlen, denken wir an morgen. Von daher ist ein guter Vorsatz für das nächste Jahr auch an sich zu denken und seinem eigenen zukünftigen Ich etwas Gutes zu tun.
Damit Geld für zukünftige Zwecke nicht nur nominal, das heißt als unveränderliche Summe, zur Verfügung steht, sondern idealerweise auch seine Kaufkraft erhält oder sich sogar vermehrt, muss es investiert werden. 10.000 Tenge in die Nachttischschublade zu legen, ist eine Art Vorsorge. Allerdings sinkt ihre Kaufkraft derzeit um rund 12 % pro Jahr, und das bedeutet: Sie können sich jedes Jahr weniger dafür leisten. Jetzt wird es mathematisch, aber ich wähle ein leckeres Beispiel: Wenn eine Torte acht Stücke hat, erhalten wir heute für unsere Tenge eine ganze Torte. In einem Jahr fehlt jedoch – etwas mehr als – ein Stück. Dieses Stück wurde von der Inflation gegessen. Im Gegensatz zum eigenen Ich nimmt es die Inflation allerdings nicht übel, wenn man die Torte nicht mit ihr teilt.
Viele nehmen sich vor, das Geld zu investieren, das am Monatsende übrig bleibt – zum Beispiel über ein Tagesgeldkonto. Das Problem ist, dass in der Praxis am Monatsende jedoch oft nichts übrig bleibt. Sinnvoller ist es daher, dem eigenen zukünftigen Ich gleich zu Beginn des Monats etwas zukommen zu lassen – am besten direkt nach dem Gehaltseingang. Zehn Prozent sind dafür ein guter Richtwert. Das klingt zunächst nicht machbar.
Wer bisher schon am Ende des Geldes noch Monat übrig hatte, fragt sich: Wie soll das jetzt funktionieren? Die Erfahrung zeigt jedoch das Gegenteil. Wer seine Prioritäten kennt und sich selbst konsequent als Erstes bedenkt, kommt auch mit etwas weniger aus. Nach zwei bis drei Monaten merkt man den Unterschied im Alltag kaum noch, da die zehn Prozent erst gar nicht zur Verfügung standen. Spürbar ist hingegen etwas anderes: eine monatlich wachsende Summe auf dem Tagesgeldkonto. In Finanzfragen ist ein wenig Egoismus – dem eigenen zukünftigen Ich zuerst etwas zu geben – daher sehr gesund.
Dritter Wunsch: Denken Sie nicht nur an Immobilien
Wer regelmäßig spart, denkt dabei meist nicht an ein abstraktes zukünftiges Ich. Gespart wird mit einem klaren Ziel: der eigenen Immobilie. Ohne die eigenen vier Wände, ohne ein Haus mit Grundstück hat man im Leben nichts erreicht. Gerade in Kasachstan ist diese Haltung weit verbreitet, aber auch in vielen anderen Ländern messen sich Menschen daran, ob sie Immobilieneigentum besitzen. Zum Vergleich – in Deutschland ist die Eigentümerquote mit rund 50 % deutlich niedriger, und niemand käme auf die Idee, den Deutschen zu unterstellen, sie würden schlecht leben oder deutlich schlechter mit Geld umgehen können als andere.
Immobilien sind aber teuer, und sich für viele Jahrzehnte zu verschulden, ist nicht jedermanns Sache. Zwar hilft eine Hypothek etwas vom Einkommen zu sparen und Monat für Monat in die eigenen vier Wände zu investieren. Der Druck, die regelmäßigen Zahlungen an die Bank zu leisten, um nicht alles zu verlieren, wird nicht umsonst Zwangssparen genannt und diszipliniert. Neben Immobilien gibt es aber weitere Finanzinstrumente, die zudem nicht alles Geld auf eine Karte setzen. Passiert etwas mit der eigenen Immobilie, kann das schnell teuer werden. Aus finanzieller Sicht macht es daher Sinn, auch über Tagesgeld- und Festgeldkonten und Aktien nachzudenken.
Der Einstieg ist hier ohne Kredit möglich, und dazu würde ich Ihnen persönlich auch raten. Aber welche sind passend? Der Ausweg für Helden und Heldinnen bei Aktien ist, sich nicht verrückt zu machen, welche die beste ist. Statt die Nadel im Heuhaufen zu suchen, investiert man einfach in den ganzen Heuhaufen. Die beste Aktie wird dann definitiv dabei sein! Wem das noch zu abstrakt ist, dem wünsche ich etwas Zeit im nächsten Jahr, sich hier einzulesen – z. B. meine Kolumnen zu Aktien und zur Diversifizierung. Oder kontaktieren Sie mich für einen Austausch.
Wenn Sie jetzt durchzählen, wie viele Finanzinstrumente Sie brauchen – so brauchen sie gerade mal die Finger einer Hand. Es ist also einfacher, als oft gedacht – auch wenn anderes gerne behauptet wird. Im Englischen sagt man dazu „Keep it simple, stupid!“. Da die direkte Übersetzung für den festlich gestimmten Leser vielleicht etwas harsch klingen mag, nehmen wir besser die sympathischere Abkürzung: „KISS“ (engl. „kiss“ – Kuss). Tatsächlich ist es nicht kompliziert. Wer weiß, was ihm wichtig ist, an sein zukünftiges Ich denkt und sich am KISS-Prinzip orientiert, kann beruhigt ins neue Jahr starten.
Sie schaffen das! Bleiben Sie auch finanziell gesund!






















