Eigentlich arbeitet Aigul Koschajewa in der Repräsentanz einer Bank. Ihr Hobby hat damit allerdings wenig zu tun: In ihrer Freizeit organisiert die aktive Frau mit Leidenschaft Kulturveranstaltungen. Bereits 2008 hatte sie zusammen mit dem deutschen Drucker und Galeristen Ernst Lau in Almaty eine Druckgrafik-Ausstellung auf die Beine gestellt. Nun griff sie wieder zum Telefonhörer – und erweiterte das Projekt noch: Mit Hilfe der projektbezogenen Sponsoren Hotel Intercontinental, Open Society Institute, Heidelberg Cement und außerdem unter den Flaggen des Jahres „Deutschland in Kasachstan 2010“ wird Anfang November in der Abai-Universität das Projekt „Druckkunst/Kunstdruck“ stattfinden, das Aigul Koschajewa zusammen mit der „Galerie in der alten Molkerei” aus Baumgarten, der Abai-Universtät und dem Studio of Isatai Isabaejew veranstaltet.

/Bild: privat. ‘Aigul Koschajewa’/

Frau Koschajewa, wie kam es zu der Idee für das Projekt?

Ganz am Anfang der Idee stehen Eva und Rudi Härschleger aus Österreich, die zuerst in ihrer Heimat und danach in den zentralasiatischen Republiken Symposien über Druckgrafik organisiert haben. Es ging dabei um die Krise der Druckkunst: Vor allem in den ehemaligen Mitgliedstaaten der Sowjetunion kann sie sich nicht weiterentwickeln, da die entsprechenden Einrichtungen, wie Werkstätten und Druckmaschinen, nicht gegeben sind. Gerade in Zentralasien gibt es kaum Druckgrafiker, da sie entweder schon gestorben sind oder zwangsläufig anfangen zu malen: Die Druckkunst hat keinen Absatz, alle kaufen nur Ölgemälde. Eva und Rudi Härschleger wollten der Druckgrafik einen Entwicklungsschub geben, indem sie Symposien in einigen Ländern Zentralasiens abhielten. In Kasachstan fand das Symposium 2007 statt. Bei der Gelegenheit habe ich Ernst Lau kennengelernt. Während der Arbeitsgespräche und Workshops stellte sich heraus, dass Herr Lau nicht nur ein prominenter deutscher Drucker, sondern auch ein Galerist ist und über eine große Druckgrafik-Sammlung verfügt. Und so kam uns die Idee für die Ausstellung seiner Sammlung in Kasachstan. Im August 2008 organisierten wir zum ersten Mal eine sehr erfolgreiche Ausstellung in der Galerie „Art Center Alma-Ata“ in Almaty, deren Fortsetzung dann im Dezember in Astana in der Galerie „Kulanshi“ stattfand. Und Ende dieses Jahres folgt nun der zweite Teil des Projekts.

Was ist das für eine Sammlung, die Sie dann ausstellen werden?

Ernst Lau hat 35 Jahre lang in allen Arten des Drucks gearbeitet. Im Laufe dieser Zeit hat er eine gehörige Zahl von deutschen und europäischen Künstlern kennengelernt und von ihnen Grafiken gesammelt. Im Rahmen von „Deutschland in Kasachstan 2010“ machen wir einen Teil dieser Sammlung nun auch der kasachstanischen Öffentlichkeit zugänglich: Es sind zeitgenössische Grafiken, die voraussichtlich teilweise im Hotel „Intercontinental“ und in der Abai-Universität zu sehen sein werden. Wir hoffen, wir können auf diese Weise die Tradition der klassischen europäischen Druckkunst an Künstler aus Zentralasien weitervermitteln.

Das Projekt „Druckkunst/Kunstdruck“ ist aber nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Workshop für Kunststudenten. Was steckt dahinter?

An dem Workshop Anfang November werden rund zehn bis zwölf Studenten von der Abai-Universität, Institut für Pädagogik, Grafische Abteilung teilnehmen. Für zehn Tage führt Herr Lau sie in den ein- und mehrfarbigen Hochdruck – wahrscheinlich in den Holz- oder Linolschnitt – ein. Anschließend sollen die Arbeiten der Studenten dann zusammen mit den Werken der deutschen und europäischen Künstler in den Räumlichkeiten der Abai-Universität ausgestellt werden. Auf die Art hoffen wir nicht nur, die Entwicklung der Druckgrafik in Kasachstan vorantreiben zu können, sondern generell die künstlerische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kasachstan auch für die Zukunft zu stärken.

Sie sind in Ihrer Freizeit kulturell ja sehr aktiv. Haben Sie schon eine Idee für ein nächstes Projekt?

Oh, ja, ich habe sehr große Pläne. Wenn ich Finanzierungsmöglichkeiten finde, möchte ich auch in anderen zentralasiatischen Ländern Veranstaltungen organisieren. Das Thema soll sich dann auch nicht nur auf die Druckgrafik beschränken. Aber es ist noch zu früh, um darüber zu sprechen.

Interview: Andrea Rüthel

28/05/10

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