Kumys ist der Lieblingstrunk der Kasachen. Doch auch in Deutschland wird das erfrischende Stutenmilchgetränk produziert. Das ist einem Deutschen zu verdanken, der einst in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet.

Für alle, die aus Kasachstan kommen, ist „Kumys“ ein vertrauter Begriff. Es handelt sich dabei um ein säuerliches Getränk aus Stutenmilch mit leichtem Alkoholgehalt, erfrischend und einzigartig im Geschmack – und vor allem gesund. Kumys hat eine jahrhundertelange Tradition. Bei den Steppenvölkern in Asien galt es als eine Quelle der Gesundheit und Langlebigkeit. Und auch heute werden über die positive Wirkung des säuerlichen Tranks aus Stutenmilch viele Legenden erzählt. Die Menschen schwören auf die heilende Wirkung von Kumys auf die Gesundheit.

In Kasachstan ist Kumys als Getränk sehr beliebt. Zahlreiche Unternehmen produzieren Kumys nach strenggehüteten Geheimrezepten und mit modernsten Technologien. In kasachischen Familien wird das Rezept von Generation zu Generation weitergegeben. Doch das traditionelle Getränk ist mittlerweile nicht nur in Kasachstan ein Hit. Wer Sehnsucht danach verspürt, muss nicht zwangsläufig Tausende von Kilometern fliegen oder versuchen, es selbst herzustellen. Es geht viel einfacher, denn auch in Deutschland wird Kumys hergestellt.

Kumys-Herstellung in Deutschland? Hört sich erstmal unglaublich an – ist aber wahr. Die Familie Zollmann aus Waldbrunn-Mülben im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg produziert bereits seit mehreren Jahrzehnten das beliebte Getränk aus Kasachstan. Immer mehr Menschen in Deutschland entdecken für sich und ihre Gesundheit die Stutenmilch sowie die vielfältigen Produkte, die daraus hergestellt werden.

Kumys in Deutschland – wie alles begann…

Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass mitten im Odenwald eine Kumys-Produktionsstätte liegt? Die Geschichte beginnt mit dem Tierarzt Dr. Rudolf Storch, der während des Zweiten Weltkriegs in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Dort erkrankte er schwer, lernte dabei durch Zufall die Wirkungen der Stutenmilch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden kennen. Nach seiner Genesung machte Dr. Storch es sich zum Ziel, das Wissen über die positiven Wirkungen von Stutenmilch und Kumys weiterzugeben und bekannt zu machen.

Dr. Rudolf Storch gründete im Jahr 1959 eine Stutenmilchfarm und 1975 ging die erste Kumys-Produktion an den Start. 1973 siedelte das Unternehmen nach Waldbrunn-Mülben um, wo es bis heute seinen Sitz hat. Im Jahr 1980 übernahmen Tochter Gudrun und ihr Mann Hans Zollmann den Betrieb. Später stiegen auch ihre vier Töchter in das Familienunternehmen ein.

Nach und nach wird die Marke weiterentwickelt. Neue Technologien, neue Methoden und neue Produkte kommen hinzu. Die Stutenmilch-Produktpalette wird um eine Kosmetikserie erweitert.

Mit Kasachstan bestehen seit vielen Jahren beste freundschaftliche und geschäftliche Beziehungen. In seinen Erzählungen schwärmt Hans Zollmann von den Besuchen in Kasachstan, der Gastfreundschaft der Menschen, den herzlichen Empfängen mit leckerem Essen, sowie den unzähligen positiven Erfahrungen, die er dort während seiner Aufenthalte sammeln konnte.

Ein eingespieltes Team

Das Gestüt und die Produktionsstätte liegen idyllisch in Waldbrunn-Mülben. Hans Zollmann und seine Tochter Jette empfangen uns vor dem Hofladen. Wir kommen pünktlich zur Melkzeit und dürfen den faszinierenden Prozess miterleben. Es ist bemerkenswert, wie organisiert die Stuten nacheinander in die einzelnen Melkabteile hineinlaufen, wie ruhig und entspannt sie sich verhalten und zufrieden an ihrem Futter kauen, wie organisiert sie den Melkstall wieder verlassen und sich ein Plätzchen suchen. Ohne Hektik, ohne Drängeln, mit Rücksicht auf die anderen Tiere, laufen sie brav ihre Melktour ab und zaubern dabei jedem, der diese Szenen beobachtet, ein Schmunzeln ins Gesicht.

Jette und Hans Zollmann
Jette und Hans Zollmann

Eine Mitarbeiterin betreut die Melksysteme. Einem Außenstehenden mag der Prozess etwas kompliziert erscheinen: Tasten, Schläuche, Ein– und Ausgänge… Doch wie eine Fee schwebt die Mitarbeiterin von einer Stute zur anderen und betätigt alle notwendigen Handgriffe, damit alles reibungslos funktioniert. Man spürt deutlich: Hier sind Menschen und Tiere ein eingespieltes Team.

Mehr als nur eine Produktionsstätte von Kumys

Nach dem Melken werden Stuten und ihre Fohlen wieder vereint. Die Kleinen haben während der Melkzeit geduldig nebenan gewartet. „Willkommen in unserem Kindergarten“, sagt Hans Zollmann lächelnd, als wir den Stall mit den Fohlen betreten. Die Kleinen scheinen von uns nicht besonders beeindruckt zu sein. Sie kauen in aller Ruhe weiter, dösen vor sich hin, manche neugierigen Fohlen strecken uns aber ihre Köpfe entgegen. Bei so vielen süßen Tierbabys lässt man sich gern zum Streicheln hinreißen.

Kleine Stärkung

Beim Aufeinandertreffen mit den Müttern wird es etwas laut. Das Wiehern im Chor ist ein wundervoller Klang der tierischen Freude über das Wiedersehen. Auch, wenn die Trennung nur von kurzer Dauer war. Danach geht es für die Pferde beim besten Herbstwetter, wärmender Sonne und blauem, fast wolkenlosen Himmel, auf die Weide.

Zollmann-Stutenmilch ist mehr als nur eine Produktionsstätte von Kumys. Ein Gestüt, in dem die Pferde sich sichtlich wohlfühlen. Die gesamte Anlage ist riesengroß. Viel Platz, beste Rahmenbedingungen, Natur pur und Menschen, die sich liebevoll um die Pferde kümmern. Das spiegelt sich qualitativ und geschmacklich in den Produkten des Unternehmens wider.

Aus Kumys wird Kimis

Mit der Zeit wurden beim Unternehmen nicht nur die Rezeptur und die Herstellungstechnologien weiterentwickelt, sondern auch neue Marketingstrategien eingeführt: Aus Kumys wurde Kimis. Das erleichtert nicht nur die Aussprache, sondern verleiht dem Produkt auch eine unverkennbare Besonderheit.

Die Stutenmilch-Produkte der Familie Zollmann haben viele begeisterte und treue Kunden. „Die positive Wirkung auf die Gesundheit wird immer mehr bekannt, und viele Kunden kommen tatsächlich in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen zu uns“, erzählt Hans Zollmann. Während er von dem Kontakt und Austausch mit seinen Kunden berichtet, kommt Jette mit einem Tablett hinein: Auf uns wartet eine Kostprobe!

Der Zollmann-Kimis schmeckt leicht säuerlich, aber mild und sehr erfrischend. Die Stutenmilch unterscheidet sich deutlich von der uns so gewohnten Kuhmilch. Sie schmeckt leichter, süßlicher, wie ein sanfter Sommercocktail. Ihr Geschmack überrascht einen positiv. Die Milchprodukte werden frisch verkauft, halten daher nicht besonders lange. Wer jedoch längere Haltbarkeit benötigt, kann Stutenmilch oder Kimis auch als Pulver kaufen.

Kumys-Festival mit kasachischer Küche in Deutschland

Nach der Kostprobe präsentiert uns Jette die Produkte im Hofladen. Wer denkt, dass man Stutenmilch nur trinken kann, irrt sich. Neben frischer Stutenmilch und Kumys werden sowohl im Hofladen als auch im Online-Shop des Unternehmens unterschiedliche Pflege- und Gesundheitsprodukte angeboten. Darunter sind Cremes, Seifen, Vital-Kuren in Form von Kapseln, Breie und vieles mehr.

Neben dem Gestüt und dem Hofladen veranstaltete die Familie Zollmann in den letzten Jahren immer wieder Feste und sogar ein Kumys-Festival, bei dem kasachische Küche, Musik und Traditionen präsentiert worden sind. „Das waren immer sehr gut besuchte Veranstaltungen“, erinnert sich Jette, während sie unser Team zur Wiese hinter dem Gestüt begleitet.

Ein Anblick, wie aus einem Bilderbuch: Majestätische, elegante Stuten grasen auf der Weide, liegen gemütlich im grünen Gras, das sich wie ein Teppich über die gesamte Wiese erstreckt. Unter der wärmenden Herbstsonne springen die süßen Fohlen, freudig und sogar ein bisschen frech, um ihre Mütter und ihre Spielkameraden herum. Ein Pferdeparadies zwischen blühenden Wiesen, scheinbar grenzenlosen Feldern, umrahmt von verschlafenen Wäldchen. Ein Hauch von Kasachstan mitten im Odenwald.

Katharina Martin-Virolainen

Mehr zum Unternehmen der Familie Zollmann sowie den einzelnen Produkten findet man auf der Homepage: www.stutenmilch.de

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