Hinter den Kulissen werden gegenwärtig von den großen Autoproduzenten große, durchaus revolutionäre Dinge vorbereitet. Es geht einerseits um eine grundlegende Umwälzung der gesamten Produktionstechnologien und andererseits um eine radikale Neustrukturierung der Autobranche nach Herstellern.

Heute sind wir an solche Unternehmen, wie Toyota, VW und General Motors gewöhnt, deren Stern jedoch schon bald – relativ – verblassen könnte. Wir werden uns an eine andere Art des Autofahrens und an bisher völlig unbekannte Marken gewöhnen müssen. Ursache dafür ist das Elektroauto, das zumindest aus heutiger Sicht die größten Chancen haben dürfte, den klassischen Verbrennungsmotor mit seinen geringen Wirkungsgraden, dafür aber hohen Schadstoffemissionen, schrittweise abzulösen. Zwar gibt es nach wie vor unterschiedliche Ansichten zu den realen Marktpotentialen der Elektroautos, und eine Reihe von Konzernchefs will davon eigentlich nichts wissen und setzt auf andere Technologien. Dennoch hat der Wettlauf um den Markt für E-cars längst begonnen. Zwar sind die technischen Parameter (vor allem die Reichweiten der Batterien und deren Ladedauer) der bisher vorgestellten Modelle noch ungenügend und die angekündigten Preise hoch, doch das ist normal und war bei jeder großen technischen Innovation so. Wobei die heute erreichten Reichweiten der Batterien von etwa 100 bis 200 km für die allermeisten Autofahrer in Großstädten völlig ausreichend sind. Auf jeden Fall werden sowohl auf staatlicher als auch betrieblicher Ebene gewaltige Mittel in die entsprechende Forschung gesteckt, jeder will (Eroberung attraktiver Märkte) oder muss (Sicherung von vorhandenen Arbeitsplätzen) unter den ersten sein, die serienmäßig e-cars anbieten. Bereits für nächstes Jahr haben einige bekannte Autokonzerne den Serienstart ihrer neuen Produkte angekündigt.

Die Erwartungen, dass das E-Auto das Problem der Luftverschmutzung durch Abgase aus heutigen Verbrennungsmotoren prinzipiell lösen könnte, werden sich jedoch so schnell nicht erfüllen. Zum einen wird die neue Technologie natürlich noch von einer ordentlichen Portion Skepsis begleitet. Schließlich macht das neue Auto gar keinen Lärm, das aber scheinen manche Autofans von heute zu brauchen. Schalten kann man auch nicht mehr, nur noch Pedal drücken. Doch das kennen ja viele schon vom Automatikgetriebe. Für den Markterfolg des E-cars müssen zwei wichtigere Bedingungen erfüllt sein. Zum einen muss eine ausreichend große Anzahl von E-Autos die entsprechende Zahl von klassischen Autos verdrängt haben. Das dürfte aber noch mindesten 20 bis 30 Jahre dauern. Zum Zweiten muss der Strom auch sauber erzeugt werden, also aus Sonne, Wind und Wasser. Kommt der Strom aus klassischen Quellen, wird der Dreckausstoß ja nur auf die Kraftwerke verlagert. Hier tut sich zwar im Moment schon sehr viel, es wird aber dennoch noch einige Jahrzehnte dauern, bis sauber erzeugter Strom dominiert. Na, und dann ist natürlich auch noch eine Menge Geld in die Infrastruktur und die Information der potentiellen Kunden zu investieren.

Die Veränderungen bei den Herstellern werden deshalb eintreten, weil das E-Auto das heutige im Verlauf von über 100 Jahren im Autobau angesammelte Know-how, vor allem im Motoren- und Getriebebereich fast komplett wertlos macht. Wollen die heutigen Autokonzerne überleben, müssen sie sich technisch, technologisch, organisatorisch, wissensseitig und allgemein gedanklich komplett neu aufstellen. Veränderungen vorhandener Strukturen durchzuführen ist aber nicht nur teurer, sondern auch wesentlich komplizierter als gleich was Neues aufzubauen. Z.B. wird der Elektroingenieur den heutigen Mechaniker verdrängen. Im Bereich Elektro haben die heute führenden Konzerne jedoch meist kein eigenes Know-how, das kaufen sie fertig ein. Es wird deshalb für manche Elektrokonzerne eine Verlockung sein, selbst in den Autobau einzusteigen und sich benötigte mechanische Komponenten von heutigen Autobauern zuliefern zu lassen. Ein E-Auto „made by Bosch“ oder „Siemens“ kann Realität werden. Ehe wir die aber auf den Straßen Almatys haben, brauchen wir noch eine große Portion Geduld.

Bodo Lochmann