Vor 22 Jahren besiegelte Nursultan Nasarbajew die Unabhängigkeit Kasachstans von der Sowjetunion, indem er sich als ersten Präsidenten wählen ließ. Die Staatsfeiertage im Dezember erinnern unter anderem an die Unabhängigkeit Kasachstans als ein vereinter Vielvölkerstaat.

Wer in Kasachstan mit dem Bus fährt, einkaufen geht oder einfach mit Münzen irgendetwas bezahlt, der hält vielleicht öfters die 20-Tenge-Münze in den Händen, auf der das Denkmal zum Tag der Unabhängigkeit abgebildet ist. Das Denkmal auf dem Platz der Republik in Almaty erinnert an die offizielle Gründung der Republik Kasachstan am 16. Dezember 1991.
Der damalige Generalsekretär, Nursultan Nasarbajew, ließ sich damals zum ersten Präsidenten wählen. Heute, nach 22 Jahren ist er nach wie vor der oberste Staatsmann, zu dessen Ehren seit dem vergangenen Jahr ein weiterer staatlicher Feiertag eingeführt wurde. Zufällig läuft am Wochenende vor den Staatsfeiertagen ein neuer Kinofilm über die Jugend Nasarbajews unter dem Titel „Put lidera – der Weg des Führers“ an.

Fortsetzung der Kinoepopöe

Der Film kommt im Gewand einer Kinoepopöe daher, das versucht, dabei die Fakten aus der Biografie Nasarbajews nicht zu vergessen. Es handelt sich um die Fortsetzung des Epos „Himmel meiner Kindheit“. Als junger Mann zieht „Towarisch“ Narsarbajew aus seiner Heimat in die prosperierende Metallindustrie-Stadt Temirtau und weiter nach Dnjepropetrowsk, wo er seine Studienzeit verbringt und sich als Komsomolze politisch engagiert. Während dieser Zeit verliebt er sich.

Im Film macht „Towarisch Nasarbajew“ Karriere, wie auch im echten Leben – er stieg zum ZK-Sekretär der Kasachischen Kommunistischen Partei auf. Die Geschichte macht den Eindruck, als wäre sie die filmische Realisierung eines sozialistisch-realistischen Bildungsromans, in dem der kasachische Präsident die Hauptrolle des positiven Helden verkörpert. Die Zuschauer, die den Helden bereits als den ehrenhaften ersten Präsidenten der Republik kennen, sollen sich mit ihm als verantwortungsbewussten Anführer des Staates identifizieren. Dafür schenkt der Staat seinen Bürgern extra Zeit.

Studenten haben mehr Ferien

Gerade zwei Wochen nach dem Tag des Präsidenten, freuen sich Studenten, Arbeitnehmer und Schüler auf weitere zwei freie Tage. Der 16. und der 17. Dezember sind die offiziellen Feiertage zur Unabhängigkeit. Besonders den Studenten kommen die freien Tage gelegen, denn viele bereiten sich gerade auf die Semesterabschlussprüfungen vor. An einigen Universitäten Kasachstans bekommen sie sogar kurzfristig länger Ferien.

Denn der Tag der Unabhängigkeit erinnert die Kasachen nicht nur an die Gründung der kasachischen Republik, die seitdem von Nasarbajew als Vater eines vereinten Vielvölkerstaates angeführt wird. Am Tag der Unabhängigkeit jähren sich auch die Jugendaufstände von 1986. Grund dafür war die Absetzung Parteisekretärs Dinmuchamed Konajew, der als ethnischer Kasache in der Bevölkerung beliebt war. Er wurde von Gorbatschow durch den unbekannten Gennadi Kolbin ausgestauscht, der bis dahin keine Vorstellung über die Politik in der Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik hatte. Damals, vom 16. bis 17. Dezember 1986 demonstrierten hunderte Studenten auf dem Platz der Republik, der damals noch Breschnew-Platz hieß, gegen den unbekannten Parteiführer. Sie wünschten sich „ihren“ Anführer wieder zurück.

Vielschichtige Assoziationen

Die „Scheltoksan-Aufstände“ gelten als Beginn der Abspaltungsbewegung der Republik Kasachstan von der Sowjetunion. Nursultan Nasarbajew war damals Vorsitzender des Ministerrates in der Kasachischen Sowjetrepublik. Er ließ sich am 16. Dezember 1991 zum ersten Präsidenten der Republik Kasachstan wählen.

Heute erinnert in Almaty zum Beispiel der ehemalige „Prospekt Mira“, der nun „Ulitza-Scheltoksan“ heißt, an die Unruhen von 1986. Im kollektiven Gedächtnis der Kasachen ruft der Begriff „Scheltoksan“ vielseitige Assoziationen hervor. Scheltoksan bedeutet Dezember. Dieser Monat wird nicht nur mit dem Tag der Unabhängigkeit oder den Unruhen, sondern mehr und mehr mit dem Namen des Staatsoberhauptes verbunden.

Denn der 1. Dezember ist seit zwei Jahren sein Tag, der des ersten Präsidenten. Dieser taucht sogar auf der Leinwand als Anführer des kasachischen Staates auf.

Von Dominik Vorhölter