Wenn am kommenden Sonntag vorgezogene Präsidentenwahlen stattfinden, haben die Menschen in Kasachstan die Wahl zwischen sechs zugelassenen Kandidaten. Das bunte Spektrum der Herausforderer von Amtsinhaber Tokajew reicht von einem Agrarunternehmer über Juristen bis hin zu einem Wirtschaftsexperten. Zwei der Bewerber sind Frauen. Die DAZ stellt alle sechs Kandidaten in einem Kurzporträt vor.

Am 1. September trat Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew vor die Kameras, um eine Ansprache an seine Landsleute zu richten. Überraschend verkündete er an jenem Donnerstag, dass es im Herbst vorgezogene Neuwahlen des höchsten Staatsamtes geben werde. Diese finden nun am kommenden Sonntag, dem 20. November, statt. Gemäß den jüngsten Verfassungsänderungen wird der neue Amtsinhaber – der sehr wahrscheinlich auch der alte sein wird – nicht wie bislang fünf Jahre im Amt bleiben können, sondern sieben. Dafür soll er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen können.

Vom 23. September bis zum 11. Oktober hatten Bewerber Zeit, ihre Unterlagen für die Registrierung als Kandidaten einzureichen. Von 12 Bewerbern hat die Zentrale Wahlkommission schließlich sechs zugelassen. Wir stellen diese im Folgenden kurz vor:

Kassym-Schomart Tokajew

Der Amtsinhaber ist zugleich der aussichtsreichste Kandidat und dürfte mit sehr großer Sicherheit die Wahl am 20. November gewinnen. Tokajew leitet die Amtsgeschäfte seit 2019 als Nachfolger von Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew, der damals überraschend als Präsident zurücktrat und die Macht an Tokajew übergab. In seiner bisherigen Zeit als Präsident hatte Tokajew zahlreiche Krisen zu bewältigen – von der Corona-Pandemie über die blutigen Januar-Ereignisse bis hin zu den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine für Kasachstan. Infolge der Unruhen im Januar brachte Tokajew ein umfassendes politisches, wirtschaftliches und soziales Reformprogramm auf den Weg.

Im Laufe seiner politischen Karriere bekleidete Tokajew die Ämter als Außenminister, Premierminister und Vorsitzender des Senats Kasachstans. 2008 wurde er als Sprecher des Oberhauses zum Vizepräsidenten der Parlamentarischen Versammlung der OSZE gewählt. Außerdem diente Tokajew als Generalsekretär der Abrüstungskonferenz und war Vorsitzender des Rates der Außenminister der GUS sowie der Shanghai Cooperation Organization.

Tokajew wurde als Kandidat von der „Volkskoalition politischer Parteien und gesellschaftlicher Vereinigungen ‚Für die Reformen Tokajews‘“ aufgestellt, an deren Spitze die einzigen drei im Parlament vertretenen Parteien stehen.

Zhiguli Dairabajew

Der 68-Jährige ist Vorsitzender des agroindustriellen Komitees im Präsidium der nationalen Unternehmerkammer „Atameken“ und Vorsitzender des Verbandes der Landwirte Kasachstans. Zudem leitete er früher eine kleine Agrarfirma, die er später an einen seiner Söhne übergab. Die Firma ist spezialisiert auf das Aussäen von Getreidekulturen. In Dairabajews Zeit als Vorsitzender des Landwirteverbands sollen dessen geschäftliche Aktivitäten stark zugenommen haben.

Nach der Einreichung von Dairabajews Kandidatur bei der Zentralen Wahlkommission wurden in den Medien Vorwürfe verbreitet, die sich gegen seine Söhne richteten. Demnach seien diese gemeinsam mit dem ehemaligen Leiter des Landwirtschaftsministeriums der Region Zhambyl in Betrugsmachenschaften verwickelt, hieß es. „Meine Söhne sind nicht mehr klein, sie leben ihr eigenes Leben“, kommentierte Dairabajew die Anschuldigungen. „Wir können uns gar nicht in die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden und der Gerichte einmischen“, so der Kandidat. Mit der Zeit werde das bewiesen werden.

Dairabajew war der erste Kandidat bei den anstehenden Wahlen. Vorgeschlagen wurde er von der wenig bekannten Partei „Auyl“.

Nurlan Auesbajew

Nurlan Auesbajew wurde 1957 geboren und stammt aus dem Gebiet Turkestan. Seit 2021 ist er lokaler Vorsitzender seiner Sozialdemokratischen Partei „Asat“ in Astana. Zudem ist er Mitglied im Gründungskomitee des Adoptionszentrums für Waisenkinder „Lebensweg“. Vor einigen Jahren leitete er zwei Sicherheitsfirmen. Auesbajew hat zwei Universitätsabschlüsse in den Fächern Wirtschaft und Jura und bekleidete in seiner Heimat lange Zeit Ämter in den örtlichen Exekutivorganen.

Die Partei „Asat“, die bei Wahlen keine bedeutende Rolle spielt, schlug Nurlan Auesbajew als Kandidaten vor. Am 10. Oktober akzeptierte die Wahlkommission seine Bewerbung.

Saltanat Tursynbekowa

Eine von zwei Frauen im Rennen um das höchste Staatsamt ist die Juristin Saltanat Tursynbekowa, die unter anderem in Moskau studiert hat. Sie ist als Anwältin bekannt und vertritt eine gesellschaftliche Vereinigung, deren Name übersetzt so viel bedeutet wie „Kasachische Mütter – Weg zu den Traditionen“.

Tursynbekova arbeitete im Laufe ihrer Karriere in verschiedenen Regierungsorganisationen und am Obersten Gericht, ist zudem aktives Mitglied des öffentlichen Rates der Stadt Astana sowie Leiterin des Projekts „Kasachstan ohne häusliche Gewalt“. Darüber hinaus soll sie unter anderem mit Frauen gearbeitet haben, die im Zuge von Selbstverteidigung gegen häusliche Gewalt ins Gefängnis kamen.

Tursynbekowa wurde von ihrer Vereinigung als Kandidatin für das Präsidentenamt vorgeschlagen.

Karakat Abden

Eine weitere weibliche Anwärterin ist die 48-jährige Karakat Abden. Die Mutter von vier Kindern ist Mitglied der beim Präsidenten angesiedelten Nationalen Kommission für Frauenangelegenheiten sowie Familien- und Demografiepolitik. Außerdem ist sie tätig als freie Beraterin des Bürgermeisters von Astana.

Auch Abden hat sich einen Namen mit verschiedenen sozialen Aktivitäten gemacht. So ist sie Leiterin einer Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Mädchen im national-kulturellen Geist zu erziehen. Außerdem ist sie Gründerin eines privaten Kindergartens. 2019 hat sie ein Buch mit dem Titel „Du bist Kasachin. Sei stolz!“ geschrieben, das viel Aufmerksamkeit erregte. Für ein gewisses Maß an Kopfschütteln sorgte Abden vor wenigen Tagen mit der Forderung, ihre weiblichen Landsleute mit hohen Steuern zu belasten, wenn diese einen Ausländer heirateten. „Dann werden sie und ihre Familien sich das schon noch einmal überlegen“, so Abden.

Abdens Kandidatur wurde von der gesellschaftlichen Vereinigung „Nationale Allianz professioneller Sozialarbeiter“ unterstützt. Ihre Unterlagen bei der Zentralen Wahlkommission reichte sie am 8. Oktober ein.

Meiram Kazhyken

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftlicher ist 61 Jahre alt und stammt gebürtig aus Pawlodar. Nehmen seiner Tätigkeit als Professor ist er Leiter des Instituts für moderne Gesellschaftswissenschaften. Im Laufe seiner Karriere beriet er den Akim in Pawlodar und war als Experte für Wirtschaftspolitik der Region tätig. Zudem leitete er eine Abteilung der Agentur Kasachstans für strategische Planung und Reformen und arbeitete an der Hochschule für Wirtschaft der Internationalen Universität „Astana“.

Meiram Kazhyken hat mehrere Bücher zu komplexen wirtschaftlichen und sozioökonomischen Themen geschrieben, darunter über das Konzept eines einheitlichen Lohnsystems in Kasachstan. Zudem ist er Vorsitzender der Initiativgruppe zur Gründung einer Partei namens „Yntymaq“ („Solidarität“).

Meiram Kazhyken wurde am 28. September vom Kasachischen Gewerkschaftsbund als Kandidat für die Präsidentenwahlen aufgestellt.

DAZ

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