Mit dem Anstieg des Preises für Industriemetalle haben sich zuletzt die Aussichten für Produzenten wie KAZ Minerals aufgehellt. Wer sich die Aktien der Gesellschaft ins Depot legen will, sucht jedoch seit zwei Monaten vergeblich. Denn die beiden Hauptaktionäre haben KAZ Minerals von der Börse genommen und den Minderheitsaktionären ihre Anteile abgekauft. Im fünften Teil unserer Aktienserie geben wir einen kleinen Überblick, was für die kleineren Anleger bei dem Deal rausgesprungen ist.

Wenn Rohstoffpreise steigen, freuen sich Bergbauunternehmen. In den letzten zwölf Monaten sogar ganz besonders, denn trotz einer aktuell leichten Konsolidierung haben die Preise für Industriemetalle seit dem Wiederhochfahren der internationalen Wirtschaft massiv zugelegt. Eines der Unternehmen, die sich darüber freuten, war KAZ Minerals. Der Konzern mit Sitz in London hat sich auf die Kupferproduktion spezialisiert und fördert das rote Gold in zwei Tagebaugruben in den Regionen Pawlodar und Ostkasachstan sowie drei Untertagebergwerken in Ostkasachstan. Außerdem gehört der Gruppe die Gold-Kupfer-Tagebaumine Bozymchak in Kirgisistan.

2020 produzierte KAZ Minerals laut eigenen Angaben 306.000 Tonnen Kupfer. Das lag etwas unter dem Vorjahreswert von 311.000 Tonnen, hing allerdings mit Lieferverzögerungen an der kasachisch-chinesischen Grenze gegen Jahresende zusammen. Denn den Großteil seiner Produkte liefert das Unternehmen ins Reich der Mitte. Trotzdem schaffte es die Gruppe, ihr EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um 5,6 Prozent zu erhöhen. Der Kurs der Aktie stieg signifikant und schaffte es, sich vom Corona-Tief aus binnen 12 Monaten zu verdreifachen.

Quelle: YouTube/Первый Геологичемкий

Der Grund dafür war aber nicht nur die positive fundamentale Entwicklung des Unternehmens, sondern auch eine Hammer-Nachricht, die im Oktober über die Anleger von KAZ Minerals hereinbrach. Die beiden Großaktionäre Wladimir Kim und Oleg Nowatschuk verkündeten da nämlich ihren Plan, das Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen und dafür den Minderheitsaktionären ihre Anteile abzukaufen. Das Angebot unterbreitete die Nova Resources B. V. – ein Konsortium unter der Leitung von Kim und Nowatschuk. Die Geschäftsleute hielten zu diesem Zeitpunkt gemeinsam rund 39 Prozent der Anteile an KAZ Minerals und boten den Inhabern der restlichen rund 61 Prozent 640 Pence pro Aktie. Das lag ein gutes Stück über dem damaligen Kurs.

Großaktionäre von KAZ Minerals mussten Angebot nachbessern

Dennoch war eine Reihe von Minderheitsaktionären nicht zufrieden mit dem Angebot und lehnte es zunächst ab. Einer der Gründe dafür dürfte gewesen sein, dass der Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt zwar das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht hatte, das zukünftige Kurspotential angesichts der stark steigenden Preise für Industriemetalle jedoch noch deutlich vielversprechender schien. Ähnlich argumentierten auch die Aktionäre des niederländischen Diagnostikspezialisten Qiagen, als ebenfalls im vergangenen Jahr ein Übernahmeangebot des US-Laborriesen Thermo Fisher reinflatterte. Während es lange Zeit so aussah, als ob der Deal über die Bühne gehen würde, gingen bei Qiagen infolge des Corona-Test-Booms plötzlich Umsätze und Gewinn durch die Decke. Die Aktionäre bezeichneten in der Folge auch nachgebesserte Angebote von Thermo Fisher als nicht ausreichend angesichts der inzwischen verbesserten eigenen Geschäftsaussichten. Der Deal platzte.

Auch bei KAZ Minerals sahen sich Kim und Nowatschuk gezwungen, auf die skeptischen Aktionäre zuzugehen und ihr Angebot nachzubessern. Anfang Februar 2021 erhöhten sie die Offerte daher von 640 Pence pro Aktie auf 780 Pence, später sogar auf 850 Pence plus 19 Pence Dividende für das Geschäftsjahr 2020. Damit konnten sie nun auch die meisten Skeptiker unter den Minderheitsaktionären milde stimmen. Jedenfalls verkauften so viele von ihnen ihre Anteile, dass die beiden Hauptaktionäre schließlich ihren Anteil an den Papieren auf 89,17 Prozent ausweiteten und den Deal damit unter Dach und Fach bringen konnten. Am 11. Mai war es dann so weit: Die Aktien von KAZ Minerals wurden von der Londoner Börse LSE, wo sie seit 2005 gelistet waren, und von der kasachischen KASE genommen. Das Delisting war damit perfekt.

Wie Anleger von der Performance von KAZ Minerals profitierten

Haben die Anleger von KAZ Minerals von dem Deal profitiert? Das hängt ganz davon ab, wann sie bei der Aktie eingestiegen sind. Wer 2005 von Anfang an dabei war, als die Gruppe – damals noch unter dem Namen Kazakhmys – an die Londoner Börse kam, konnte seinen Einsatz vermehren. Aus 540 Pence pro Papier am ersten Handelstag wurden bis zum 11. Mai dieses Jahres 849 Pence. Weniger Glück hatten jene, die die Aktien 2010/11 gekauft hatten, als sie auf dem Allzeithoch standen, in dessen Nähe sie danach nie wieder kamen. Hier haben Anleger in der Spitze mehr als die Hälfte ihres Einsatzes verloren – wenn man Dividenden ausklammert, die im Laufe der Jahre ausgezahlt wurden. Am besten erging es jenen, die mutig genug waren, während der Durststrecke 2015/16 zuzugreifen. In diese Zeit fällt das Allzeittief, von dem aus gesehen man seinen Einsatz bis heute verzehnfacht hätte.

Ob und inwieweit den ausbezahlten Aktionären mit Blick auf die kommenden Jahre etwas entgeht, wird in erster Linie von der weiteren Entwicklung des Kupferpreises abhängen. Dieser hatte seit dem Coronatief und der anschließenden Erholungsbewegung auch bei den weltweit führenden Kupferproduzenten die Kurse nach oben getrieben. Bestes Beispiel dafür ist das US-Bergbauunternehmen Freeport McMoran mit Sitz in Arizona. Dessen Anteilsscheine haben sich vom Tief bei 5,52 US-Dollar Mitte März 2020 bis heute auf 36,50 US-Dollar mehr als versiebenfacht. Die Aktien des britisch-australischen Bergbauunternehmens BHP Group haben sich im Wert immerhin verdoppelt – von rund 1.100 Pence im März 2020 auf über 2.200 Pence im Juli 2021. Auch der Kupferpreis hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt.

Die Pros und Kontras für eine Fortsetzung der Kupfer-Rallye

Ob die Kupferproduzenten, darunter KAZ Minerals, in den kommenden Jahren weiter von steigenden Kupferpreisen profitieren werden, ist aber unter Analysten umstritten. Die Euphorischsten unter ihnen sprechen bereits seit Monaten von einem neuen „Superzyklus“, der über viele Jahre steigende Preise für Rohstoffe und Metalle mit sich bringe. Sie argumentieren, dass die gigantischen Konjunkturprogramme und Liquiditätsspritzen von Regierungen und Zentralbanken weltweit für einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung sorgen, der die Nachfrage nach den entsprechenden Produkten noch lange hoch halten werde. Zudem geben sie zu bedenken, dass Bergbauunternehmen in den vergangenen Jahren wegen der niedrigen Preise nicht in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten investiert hätten, was auf der anderen Seite das Angebot verkürzt.

Ein Kupferabbaugebiet in den USA

Ein Argument für einen nachhaltigen Preisanstieg speziell bei Kupfer ist darüber hinaus der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der E-Mobilität, der in den kommenden Jahren noch weiter voranschreiten sollte. Laut einer aktuellen Studie des Thinktanks Industrielle Ressourcenstrategien benötigt ein einziges 150 Meter hohes 3-Megawatt-Windkraftwerk etwa 4,7 Tonnen Kupfer. Und das Deutsche Kupferinstitut hebt auf seiner Seite hervor, dass ein Elektrofahrzeug im Durchschnitt fast dreimal so viel Kupfer enthalte wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Zudem verweist es auf eine Untersuchung des Analysedienstleisters IDTechEx im Auftrag der International Copper Association, wonach bis 2030 mehr als 250.000 Tonnen Kupfer in Motoren von E-Fahrzeugen benötigt werden.

Die Skeptiker dagegen wenden ein, dass die aktuellen Preisanstiege bei Rohstoffen und Industriemetallen ein vorübergehendes Phänomen seien, weil große Kunden wie China und die USA ihre Lagerbestände massiv aufgestockt hätten, um angesichts des erwarteten Aufschwungs Mangelerscheinungen vorzubeugen. Würden sie einen Teil der überschüssigen Bestände wieder auf den Markt werfen, würden auch die Preise wieder fallen. Auch die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat in diesem Jahr mit Blick auf die Inflation, die sich ja auch in steigenden Rohstoffpreisen äußert, von einem Übergangsphänomen gesprochen.

Christoph Strauch

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