Prinzessinenbad wurde im 2008 mit dem deutschen Filmpreis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Filmclub des Goethe-Instituts in Almaty zeigte den Film Anfang Februar. Seit 2011 gibt es dort jeden Freitag um 18:15 Uhr in der Bibliothek Filme der neuesten deutschen Geschichte zu sehen. Sie sollen das Deutschlandbild verdichten und zu kritischen Diskussionen anregen.

/Bild: © Reverse Angle Library GmbH. ‚Tanutscha, Klara und Mina. Drei Teenager aus Berlin-Kreuzberg.’/

Die Straßenbahn rollt in Richtung Kreuzberg, eines der Problemviertel von Berlin. Es liegt direkt an der ehemaligen Mauer zu Ostberlin und wird vor allem von Menschen mit Migrationshintergrund bewohnt. Dort treffen wir auf die drei langjährigen Freundinnen Mina, Klara und Tanutscha. Tanutscha, die gerne fremde Jungs am Telefon anruft und sie mit derben Sprüchen be- und verurteilt, streitet sich mit ihrer Mutter um längere Ausgehzeiten und schwänzt aus Liebeskummer die Schule. Sie will ihr Abitur und danach eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen.

Mina jobbt neben der Schule im Laden ihres Onkels. Sie feiert gerade zehnmonatiges Jubiläum mit ihrem 20jährigen Freund George, der im Prüfungsstress ist und für ein Jahr nach Brasilien fahren will. Die offene und direkte Klara mag es nicht, wenn ihre Mutter und deren neuer Freund kiffen und Alkohol trinken. Sie wünscht sich mehr Regeln. Ihre Mutter hingegen stellt für ihre fünfzehnjährige Tochter nur zwei Grundsätze auf: „kein Heroin und nicht schwanger werden“ und will bald wieder heiraten.

Tatort: Kreuzberg

Wann immer es den dreien möglich ist, treffen sie sich im Prinzenbad, dem Freibad in Kreuzberg, flirten mit den türkischen Jungs, denn die „Deutschen sind alle Spießer“. Zwischen Schulverweigererprogramm, dem Hüten des Halbbruders und der romantischen Zweisamkeit, die bald zu Ende scheint, zieht die Straßenbahn als Leitmotiv immer wieder ihre Kreise und nimmt die drei Mädchen mit in ihr unbekanntes Leben.

Die Regisseurin Bettina Blümner hat die drei fünfzehnjährigen Mädchen über ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Durch das Vertrauen zur Regisseurin schrumpfte der Abstand zwischen Kamera und Protagonistinnen, und es entstand eine Atmosphäre von Intimität. Gänzlich vergessen wurde die Anwesenheit der Kamera aber von den Protagonistinnen nicht. Eine Dokumentation kann niemals Anspruch auf volle Authentizität erheben, sondern wird sich immer an einer Filmrealität orientieren.

Flotte Sprüche und heimliche Wünsche

Kreuzberg als Kulisse für multikulturelles Leben und zerrüttete Familienverhältnisse spiegelt sich in den Protagonistinnen wieder: Mina ist Halbitalienerin, Tanutscha Halbiranerin, eine permanente Vaterrolle taucht nicht auf. Im Laufe des Films wird klar, wie sehr sich die Mädchen mit ihrem Bezirk identifizieren. Sie treten selbstbewusst und dynamisch auf die Straßen Kreuzbergs, suchen aber an ihren Zigaretten Halt. Sie lenken mit flotten Sprüchen von ihrem Wunsch nach Stabilität in der Familie ab. Ihre Stärke gewinnen sie durch ihren Wohnort und die dicke Freundschaft. In beiden sind sie tief verwurzelt und wollen sie niemals aufgeben.

Die Reaktionen auf den Film in der anschließenden Diskussionsrunde waren eindeutig. Entsetzen über die gezeigten Familienverhältnisse war die überwiegende Meinung. Das hauptsächlich junge und weibliche Publikum hatte sich keine so komplexe Problematik bei Teenagern in Deutschland erwartet. Prinzessinnenbad, eine Dokumentation übers komplizierte Alter des Erwachsenwerdens, mit authentischen Bildern, die bei den Zuschauern im Goethe-Institut für etwas Verwirrung und viel Nachdenklichkeit gesorgt hat.

Von Marion von Zieglauer